Ganze Schule bei Quälerei dabei

In ihrem Buch berichtet Jessica Gehres über die Mobbingangriffe, denen sie als Kind in der Schule zum Opfer fiel. Die Autorin wollte ihr Gesicht nicht fotografieren lassen. Sie schreibt unter Pseudonym, weil sie berufliche Nachteile fürchtet. Deshalb hat sie auf dem Bild ihr Gesicht versteckt. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.11.2015
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Eine ganz normale Zwölfjährige will in der Gruppe dazugehören. So wird sie zur Mittäterin beim Mobbing in der Klasse und schließlich eher zufällig selbst zum Opfer. Diese Geschichte beschreibt Jessica Gehres in ihrem gerade erschienenen Jugendbuch "Euer Hass hat kein Gesicht".

Die Buchhandlung Dorner hatte sie in den Seidel-Saal eingeladen. Dort las sie für die 8. Klassen der Walter-Höllerer-Realschule aus ihrem Bericht. Es sind die eigenen Erlebnisse der Autorin. Sie wurde vor 14 Jahren von einer einflussreichen Clique ihrer Klasse beleidigt, ausgegrenzt und geschlagen. Die Klassenkameraden zerrissen ihre Hausaufgaben und klauten ihre Schulsachen.

Von Peinigern abhängig

Von den Lehrern bekam sie keine Unterstützung, auch deshalb, weil Mobbing damals in den Schulen noch nicht als ernstes Problem wahrgenommen wurde. Jessica fühlte sich als Geisel, komplett abhängig von ihren Peinigern. Immer wieder gab es scheinbar eine Versöhnung, der dann noch bösartigere Angriffe folgten. Sie fühlte sich so erbärmlich, dass sie ernsthaft überlegte, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Als Schlampe verhöhnt

Dann bekam die Gemeinheit eine neue Qualität: "Das war wie der Wechsel von der Regionalliga in die Bundesliga", verdeutlichte Gehres. Die Mitschüler gründeten in einem sozialen Netzwerk eine Gruppe über Jessica. Jetzt beteiligte sich die ganze Schule an den Quälereien. In der Anonymität des Internets verbreiteten die Verfolger Gerüchte über sie. Ältere, die sie gar nicht kannte, verhöhnten sie als Schlampe. Sie schämte sich so, dass sie nicht wagte, ihren Eltern etwas vom Mobbing zu erzählen. Schließlich berichtete sie ihrer älteren Schwester von ihrer Verzweiflung. So erfuhren es die Eltern, sie nahmen Jessica von der Schule und die Angriffe hörten auf.

Täter anzeigen

"Vertraut euch jemandem an! Die Täter können nur agieren, solange ihr schweigt!", ermutigte die Autorin ihre betroffenen Zuhörer. Gehres, die sich heute beim Bündnis gegen Cybermobbing engagiert, berichtete, dass es in ihrer Kindheit noch keine juristischen Möglichkeiten gab, sich gegen Mobbing zu wehren. Inzwischen habe sich die Situation geändert und es sei sinnvoll, die Täter anzuzeigen.

Nach der Lesung stellten die Jugendlichen viele Fragen. Sie schienen die systematische Gemeinheit der Schulkameraden der Autorin nicht fassen zu können. Schließlich bot Gehres Gespräche unter vier Augen an und lud die Schüler ein, über Facebook Kontakt aufzunehmen. Auch Klassen der Krötensee- und der Berufsfachschule für Hauswirtschaft sowie der Grund- und Mittelschule Hahnbach kamen in den Seidel-Saal, um zuzuhören, sich zu informieren und für Mobbing zu sensibilisieren.
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