Gegenseitig richtig befeuert

Die Band "Hotel Palindrone" überzeugte im Seidel-Saal das Publikum mit einer enormen Bandbreite an Instrumenten. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.11.2014
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Der Balkan beginnt gleich hinter Wien. Das weiß jeder. Aber nur, wer sich "Hotel Palindrone" im Seidel-Saal angehört hat, weiß, dass der Balkan sehr aktive und produktive Außenstellen in Oberitalien, der Bretagne, Irland und Schweden hat.

Die vier österreichischen Vollblutmusiker von "Hotel Palindrone" kreuzten Volksmusik aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn mit traditionellen Weisen aus den Alpen und dem keltischen Raum, manchmal auch mit Melodien von Mozart oder Haydn und auch mit dem einen oder anderen Rockklassiker.

So entstand etwas überraschend Neues und verblüffend Eigenständiges. Die Stücke klangen oft recht archaisch und immer wild, leidenschaftlich, dramatisch, voll ansteckender Lebenslust.

Besondere Schau

Eine besondere Schau waren die Instrumente. Da gab es so gebräuchliche wie E-Bass, Saxofon, Klarinette und Geige, die nur in dieser Kombination ungewöhnlich waren. Bandoneon und Mandoline werden zwar weniger oft gespielt, erregen aber auch noch kein Aufsehen. Das taten die absoluten Raritäten, die man auf der Bühne bewundern konnte.

Albin Paulus begeisterte das Publikum mit seinem virtuosen Spiel auf der Langflöte und der Maultrommel, übrigens immaterielles Weltkulturerbe "made in Austria", außerdem auf verschiedenen Dudelsäcken. Stephan Steiner spielte die eigenartige Nyckelharpa. Dieses Instrument, der Beitrag Schwedens zur Weltmusik, ist laut Auskunft des Musikers "eine Mischung zwischen Cello und Schreibmaschine". Es wird mit einem primitiven Bogen gestrichen und ähnelt im Klang tatsächlich dem Violoncello, ist aber deutlich kleiner und die Saiten werden nicht mit der Hand gedrückt, sondern mit Tasten. Faszinierend.

Verglichen damit war das Klavier beinahe zahm, als sich Peter Natterer daran austobte. Das Instrument steht erst seit wenigen Tagen im Seidel-Saal. Es ist eine Leihgabe von Dr. Markus Lommer.

Jeder Musiker war ein großartiger Solist. Sie befeuerten sich gegenseitig und brachten den Saal schon mit dem ersten Lied zum Kochen. Die Zuhörer wippten mit den Füßen, tanzten auf ihren Stühlen und klatschten mit. Ob Mazurka, Polka oder niederösterreichische Hochzeitslieder, jedes Stück war wild, bunt und mitreißend. Herrlich waren auch die Jodler.

Harter Dudelsack

Ein besonderer Höhepunkt war die Hommage an Johnny Hendrix, Jimis weitgehend vergessenen Bruder, der auf dem Dudelsack Psychedelic Rock spielte - angeblich. Jedenfalls zeigte Paulus, dass der Dudelsack mindestens so expressiv, hart und schräg sein kann wie eine E-Gitarre. Er kniete sich mit dem Instrument hin, suchte den Kontakt zu den Fans und brachte den Dudelsack mit vollem Körpereinsatz zum Jaulen, Grölen, Kreischen, Schreien und Wimmern.

Das Publikum war begeistert und applaudierte stürmisch. Schließlich gab "Hotel Palindrone" als Zugabe eine Welturaufführung. Der Clou war hier das Instrument Futurant, eine Art Horn mit Antenne, das mit einer Maultrommel gespielt wird. Kongenial war der Obertongesang.

Fazit des großartigen Konzerts: Um die Zukunft der Volksmusik muss man sich keine Sorgen machen, solange es Bands wie "Hotel Palindrone" gibt.
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