Geigen, Bass und eine Rakete

"Zwirbeldirn" mit (von links) Maria Hafner, Sophie Meier-Rastl, Evi Keglmeier und Simon Ackermann überraschten im Capitol mit verrückten Einfällen, glockenhellem Gesang und Virtuosität an den Instrumenten. Bild: bmr
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.03.2015
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Jager-Stüberl - der Titel eines Liedes, das nur aus diesem Wort besteht. Darauf ein Jodler und danach fetziges Geigenspiel. Das Konzert von Zwirbeldirn lebte von Überraschungen und verrückten Einfällen. Die Gruppe ließ dabei tief blicken und gab auch Geheimnisse preis.

Drei Frauen und ein Mann wollten ihrem Publikum ein Programm bieten, das die Fastenzeit geschmackvoll unterbricht: Zwirbeldirn rückte am Samstag im Capitol an, wo der Steinlinger Balg (Georg Leugner-Gradl) die Kult-opf-Reihe mit einem weiteren - sicher etwas ungewöhnlichen - Schmankerl fortsetzt.

Drei Geigen (Maria Hafner, Sophie Meier-Rastl, Evi Keglmaier) und ein Kontrabass (Simon Ackermann) machten richtig gute Musik. Wer sich dabei auf krachlederne Gaudiklänge und Schenkelklopfer-Witze eingestellt hatte, wurde enttäuscht. Zwirbeldirn stand für echten Geigengroove mit Dreigesang.

Liebe zur Heimat

Mehrfach erklären sie ihre Liebe zur Heimat, greifen auf altüberliefertes Liedgut zurück, heben aber auch ganz andere musikalische Schätze, wie Balladen, Schrammel-Klänge oder echte Jodler. An ihren Instrumenten macht ihnen so schnell keiner was vor, sie beherrschen ihr Metier voll und ganz. Dennoch kommen sie stets sympathisch daher - ja manchmal richtig bescheiden.

So ist ihre Art der Präsentation. Sie wollen von den wichtigsten Lebensinhalten singen. Passend zur Fastenzeit fordern sie überzeugend und nuanciert "Nur a Bier wüll e hom...". Überhaupt bestechen sie durch glockenhellen Gesang in allen Tonlagen. Sie forschen nach den Haaren von August (Keiner hatte Locken so wie du), steigen munter auf die Alm, wo das Jagern so schön ist und man nur eine Büchsn zum Schiaßen braucht. Auch beim Jodeln - oder war es ein Jagdruf aus dem Werdenfelser Land? - geben die drei Frauen eine blendende Figur ab.

Fast aussterbend

Mit dem "Discjockey vom 33er-Haus", der ausschließlich auf Vinyl setzt, erinnern sie an eine schon fast aussterbende Zunft. Und das Publikum binden sie beim Lied "Ich flieg mit meiner Rakete" aktiv pantomimisch mit ein.

Vor allem der dramaturgische Aufbau ihrer Stücke scheint es den drei Damen - Bassist Simon Ackermann reagiert auf alle Wendungen des Programms mit der nötigen Abgeklärtheit - besonders angetan zu haben.

Maria Hafner bringt eine alte Ballade in bester Manier einer politischen Chansonette, um dann gleich wieder ganz lustig von "Zwirbelkuchen" zu philosophieren oder von verdrückten Pfanniknödeln zu singen.

Auch im zweiten Teil darf sich das Publikum über unbändige Spiellaune freuen. Es wechseln Polkas mit Blues und Schrammeln. Das Liebesleid wir ebenso besungen wie die Metzgerin Yvonne, die ihren Angetrauten kurzerhand verwurstet hat.

Beim "Hausball bei Brezina" darf Nachwuchstalent Theo Leugner mitsingen und nebenbei erfahren die Capitol-Gäste, dass es die drei Frauen gerne mit der Vergänglichkeit kokettieren.

Mehr als Lückenfüller

Zwei Zugaben setzen schließlich den Schlussakkord bei einem Abend voller Abwechslung, Nachdenklichkeit und musikalischer Virtuosität. Sicher viel mehr als einfach nur ein Lückenfüller in der Fastenzeit.
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