Geklaute Ware im Internet verkauft: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Hehler aus ...
Kurzer Prozess um Prozessoren

Symbolbild: dpa
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.11.2014
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Die Mikroprozessoren hatten in einem Geldbeutel Platz. Darin verstaut, wurden sie aus einem Elektronikversandhaus in Wernberg-Köblitz geschmuggelt und vom Dieb einem Mann übergeben, der sie im Internet verhökerte. Vor dem Amtsgericht Amberg schrammte der Hehler nun ganz knapp am Gefängnis vorbei.

82 in Wernberg-Köblitz geklaute Mikroprozessoren kamen ins Internet und wurden meistbietend verkauft. Die Firma ging von über 30 000 Euro Schaden aus, von der Staatsanwaltschaft wurden jetzt vor dem Amberger Schöffengericht alle Fälle einzeln aufgelistet, sie nannte eine Summe von 23 000 Euro.

Auf der Anklagebank saß ein 30-Jähriger aus Sulzbach-Rosenberg, der - und das bestritt der Mann nicht - als Hehler aufgetreten war. Allerdings versicherte er dem Richter Markus Sand: "Ich habe nichts verdient." Ein Freundschaftsdienst also gegenüber demjenigen, der die Prozessoren in dem Versandhaus als Mitarbeiter entwendet, aus der Originalverpackung genommen und sie ihm übergeben hatte?

Nur 30 Euro pro Stück?

Die beiden Männer kannten sich. Der Dieb, heuer im Sommer zu 18 Monaten mit Bewährung verurteilt, befand sich in Geldnot. Er wiederholte jetzt, was er auch schon bei seiner Verhandlung in Schwandorf gesagt hatte: "Ich habe für jeden Prozessor 30 Euro bekommen. Was dann damit geschah, war mir egal." Womit sich für das Schöffengericht ein Bild formte, das den Angaben des Hehlers widersprach. Der nämlich blieb bis zum Schluss dabei: "Ich habe ihm die Erlöse gegeben."

"Nur meine Unkosten"

Konnte man das glauben? Richter Sand und Staatsanwältin Franziska Bücherl hielten ihm entgegen: "Sie haben sich an den PC gesetzt, die Prozessoren versteigert, sie dann verpackt und verschickt. Da wollen Sie nichts genommen haben?" Der 30-Jährige versicherte: "Nur meine Unkosten".

Die Prozessoren hatten Einzelwerte von 200 bis knapp 300 Euro. Was bei den Versteigerungen heraussprang, war stattlich und lief auf dem Konto des Angeklagten ein. Im Zuge ihrer umfangreichen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft die Kontobewegungen ausdrucken lassen.

Bei deren Durchsicht ergab sich nun: Die aufgelaufenen Summen wurden nie zur Gänze abgehoben. Also konnte der dem Hehler bekannte Dieb nie alle vorhandenen Summen vollständig erhalten haben. Ganz im Gegenteil: Es deutete vieles darauf hin, dass der Hehler immer dann Geld abhob, wenn er es für sich brauchte.

Wenn es nach der Staatsanwältin gegangen wäre, müsste der 30-Jährige jetzt zwei Jahre Gefängnis absitzen. "Kein Grund zur Bewährung", befand sie. Dagegen stemmte sich Verteidiger Dr. Günther Schatz. Sein Argument: "Er hat gestanden, was es zu gestehen gab." Den Angaben des rechtskräftig verurteilten ehemaligen Versandhaus-Bediensteten, immer nur 30 Euro für jedes Beutestück bekommen zu haben, maß Schatz keine Glaubwürdigkeit zu.

Auch 2000 Euro Geldstrafe

Das Gericht verurteilte den Mann nach dreistündiger Verhandlung zu zwei Jahren Haft, es billigte ihm allerdings, da bisher nicht vorbestraft, Bewährung zu. Außerdem muss der wegen gewerbsmäßig begangener Hehlerei schuldige 30-Jährige 2000 Euro an das Rote Kreuz zahlen. "Sie wussten, dass die Prozessoren gestohlen waren, und Sie haben auch keinen Freundschaftsdienst geleistet", beschrieb Markus Sand die Eindrücke des Schöffengerichts.
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