Genesung kaum in Sicht

Krankenhaus-Vorstand Klaus Emmerich (Zweiter von rechts) erörterte mit den Freien Wählern Aspekte eines Verdrängungswettbewerbs zum Nachteil kleiner Kliniken (von links): die Kreisräte Albert Geitner, Thorsten Grädler und Martin Weiß, Fraktionsvorsitzender Peter Dozler sowie die Kreisräte Herbert Lehner und Joachim Neuß (rechts). Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
05.11.2015
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Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler (FW) schaute in der Kreisklinik St. Anna vorbei, um zu erfahren, wie dort Reformen in der Krankenhaus-Finanzierung aufgenommen werden.

Aufgeschreckt durch beunruhigende Zahlen über die Lage von kleineren Krankenhäusern, sollte der direkte Kontakt für mehr Klarheit sorgen. "Wir machen uns immer vor Ort ein Bild", unterstrich Kreisvorsitzender Albert Geitner die Devise der Fraktion und kam laut einer Pressemitteilung nach einem dreistündigen Meinungsaustausch mit Krankenhaus-Vorstand Klaus Emmerich sowie einem Rundgang gemeinsam mit Fraktionssprecher Peter Dotzler zu dem Ergebnis: "Das St.-Anna-Krankenhaus leistet zur medizinischen Versorgung der Menschen in der Region so viel, dass die Freien Wähler das Haus in jeder Form unterstützen werden".

Eingangs skizzierte Emmerich einige Stationen zurückliegender Investitionen, um das Sulzbach-Rosenberger Kreiskrankenhaus zukunftsweisend aufzustellen. Dazu hätten unter anderem vor drei Jahren der Aufbau einer Physiotherapie, seit 2013 das angegliederte Fachärztezentrum St. Anna und seit diesem Jahr eine Interims-Krankenpflegeschule sowie modernisierte Entbindungsstation samt neuem Kreißsaal gezählt. Als "jüngsten Coup" beschrieb der Krankenhaus-Vorstand die Inbetriebnahme moderner Operationseinheiten, fertig werden soll heuer auch noch der Eingangsbereich in hotel-ähnlicher Atmosphäre samt Cafeteria.

Landkreis steht dazu

"Das alles bedeutet Qualität für unsere Patienten", betonte Emmerich, koste jedoch auch viel Geld. Trotz zum Teil hoher staatlicher Zuschüsse lasse sich als Träger des St.-Anna- sowie des Auerbacher St.-Johannes-Kreiskrankenhauses der Landkreis bereitwillig in die Pflicht nehmen. Bisher habe das fraktionsübergreifend der Kreistag einmütig mitgetragen. Ein eher düsteres Bild zeichnet Emmerich allerdings bei einem allgemeinen Blick auf die Lage kleiner Häuser im ländlichen Raum. So setze sich ein von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes Kliniksterben fort.

Habe es 1991 noch 2411 Kliniken in Deutschland gegeben, so seien es 2014 gerade noch 1980 und damit 18 Prozent weniger gewesen. In ländlichen Regionen stelle sich diese Entwicklung noch dramatischer dar: Zwischen 2004 und 2014 verlor demnach die nördliche Oberpfalz 5 von 16 Krankenhäusern, das entspricht 31 Prozent.

Verbunden seien damit größere Entfernungen für Patienten und Einbußen in der Wirtschaftskraft vor Ort. Derweil würden aktuell 42 Prozent der deutschen Kliniken weiter Defizite schreiben, kleine und ländliche Krankenhäuser seien überproportional betroffen. Angesichts anhaltender Unterfinanzierung könnten Krankenhäuser wie St. Anna sich nur noch zwischen Qualität und einem Defizit, oder einem ausgeglichenen Jahresergebnis entscheiden.

Es ändert sich wenig

Beides passe nicht zusammen, zeigte sich Emmerich überzeugt. Der eigentliche Skandal liege aber darin, dass nur noch die Frage im Raum stehe, wem zuerst die finanzielle Luft ausgehe. Daran würden aktuelle Verbesserungen in der Krankenhausfinanzierung nur wenig ändern. Sie könnten nicht einmal die demografisch bedingte Steigerung von Patientenzahlen und Behandlungserfordernissen abdecken.
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