Gesang und Gitarre verschmelzen

Der Mini- und der Midichor der SMS unter der Leitung von Sylvia Schulz sangen zwei türkische Volkslieder, wobei den Kindern insbesondere beim "Lied vom Regen" ein authentischer Klang gelang.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.10.2014
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Die Sehnsucht nach dem Orient war im 17. und 18. Jahrhundert in Europa groß in Mode. Man feierte Feste nach türkischer Art, trug türkisch inspirierte Kleider und schrieb Bücher, die in der Türkei spielten. Und natürlich gab es Musik mit türkischen Motiven.

Diesen musikalischen Beziehungen in die Türkei spürte die Städtische Sing- und Musikschule in einem Konzert im Rathaussaal nach - im Zuge der türkischen Woche. Die "Junge Sulzbacher Hofmusik" unter der Leitung von Michael Kämmle zog mit einem Marsch aus Jean Baptiste Lullys "Türkischer Zeremonie" in den Saal ein, auf der kleinen Trommel begleitet von Johannes Mühldorfer.

Stücke der Sultane

Die "Türkische Zeremonie" überraschte durch einen Wechsel zwischen Musik, in der türkische Melodien und Harmonien mit barocken Formen kombiniert wurden, und Rezitationen. Danach sangen der Mini- und der Midichor der SMS unter der Leitung von Sylvia Schulz zwei türkische Volkslieder, wobei den Kindern insbesondere beim "Lied vom Regen" ein authentischer Klang gelang.

In das Programm eingestreut waren mehrere Stücke der türkischen Sultane Mahmud I, Selim III und des Khans der Krimtataren, Gazi Giray II. Diese osmanischen Herrscher führten an ihren Höfen Kammerkonzerte mit selbst komponierter Musik durch, die auch aufgezeichnet wurde. Kämmle spielte virtuos auf der Blockflöte, begleitet von Mühldorfer an kleiner Trommel und Tambourin.

Uwe Stein und Andreas Fischer spielten auf zwei Gitarren ein türkisches Volkslied. Stein erläuterte, dass man auf temperiert gestimmten Instrumenten keine echten türkischen Klänge spielen könne. Dennoch sah man bei "Kati Bim" im Geiste die Paläste und Minarette von Istanbul.

Weber las drei Ausschnitte aus Reisebriefen der Lady Craven, der letzten Ansbachischen Markgräfin. Sie besuchte Ende des 18. Jahrhunderts Istanbul und beschrieb sehr lebendig Bräuche, Kleidung und die liberale Atmosphäre in der Hauptstadt des osmanischen Reiches.

Ein Höhepunkt des Konzerts war der "Türkische Tanz" von Ayser Vançin. Die in der Türkei geborene Oboistin und Komponistin lehrt und arbeitet in der Schweiz und hat unter anderem türkische Gedichte vertont. In diesem bemerkenswerten Stück kombiniert sie Blockflöte, Fagott und Klavier. Kämmle spielte zunächst ein schnelles, sehr leicht und luftig daherkommendes Flötensolo.

Wirbel am Ende

Darauf antworteten Elizabeth Schmid am Fagott und Liza Milyukova am Flügel mit schweren, fast traurigen Klängen. Im zweiten Teil wurde das Stück wesentlich schneller und verlangte insbesondere Schmid viel Beweglichkeit ab. Es endete mit einem Wirbel im 6/8-Takt, bei dem es das Publikum kaum auf den Stühlen hielt.

"Der großzügige Türke" hieß das folgende Stück des Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau. Hier beeindruckte vor allem das glänzende Spiel von Kämmle und seinem Schüler Lukas Wagner an den Traversflöten. So klar, rein und musikalisch hört man dieses technisch anspruchsvolle Instrument nicht oft.

Kurdisches Volkslied

Einen letzten Höhepunkt bereitete den zahlreichen Konzertbesuchern der Multichor unter der Leitung von Franz-Xaver Reinprecht mit dem kurdischen Volkslied "Malan Barkir". Steffen Weber, Leiter der SMS, erläuterte, dass die Kurden rund 20 Prozent der türkischen Bevölkerung ausmachen und ihr Zusammenleben mit der Mehrheit häufig schwierig sei. "Aber auch die Probleme, denen die heutige Türkei sich stellen muss, gehören zu einem vollständigen Bild dazu", sagte er.

Der Chor sang mit großem Schwung, trotzdem rhythmisch präzise und beherrschte die fremdartigen Harmonien perfekt. Vollendet wurde das Erlebnis durch die wirbelnden Gitarren von Reinprecht und Gastmusiker Thomas Müller. Das Publikum applaudierte begeistert.
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