Gesetzentwurf in die Tonne

Am Zusammenfluss von Vils und Lauterach in Schmidmühlen ließen die starken Regenfälle der vergangenen Tage die Pegelstände merklich anschwellen. Probleme gab es nicht. In Schmidmühlen hatte man in die Hochwasserfreilegung vor gut zehn Jahren knapp 15 Millionen Euro aus verschiedenen Fördertöpfen investiert, um vor Überflutungen sicher zu sein. Grundlage dafür war das 100-jährige Hochwasser 1909 gewesen. Bild: bö
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
07.12.2015
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Tiefen Einblick in Hochwasserereignisse gab es für den CSU-Arbeitskreis Umwelt (AKU). Vorstandsmitglied Helmut Kraus setzte sich mit den Ursachen und Maßnahmen des Hochwasserschutzes auseinander. Auch Klimaeinflüsse seien in der Diskussion, bemerkte Arbeitskreisleiter und Kreisrat Sebastian Schärl.

"Die einfache Physik sagt uns, dass die Wahrscheinlichkeit von Hochwasser infolge der Erderwärmung wächst. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit transportieren, mehr Wasserdampf gelangt in die Atmosphäre." Kraus erläuterte Fachbegriffe und Modellberechnungen anhand vergangener Vils-Hochwasser. Er machte deutlich, welche Dynamik diese entwickeln können und welche Gefahr sie für die Menschen sind. So gingen durch den Deichbau Auen für Hochwasser verloren, der Abflussquerschnitt werde eingeengt, enorme Energie im Fluss baue sich auf und es komme immer häufiger zu ungünstigen Überlagerungen der Hochwasserwellen der Haupt- und Nebenflüsse.

Kraus nannte Lösungsmöglichkeiten, die er in der Schaffung von Retentionsräumen sehe. Jedoch werde deren Wirkung in der Öffentlichkeit überschätzt, weil sie in der Regel erst gefüllt sind, wenn die Scheitelwelle durchläuft. Kraus sprach von gesteuerter, technischer Rückhaltung und ungesteuerter Retention, für die ein Vielfaches an Fläche zur Erzielung gleicher Wirkung auf den Scheitelabfluss erforderlich ist: "Die Vermeidung der Entstehung von Hochwasser ist keine rein technische Aufgabe. Da gehört eine Vorsorgestrategie mit Verstärkung des Bewusstseins dazu, bei der komplexe Zusammenhänge zusammenwirken."

Thema der AKU-Sitzung war auch das "10 000-Häuser-Programm". Ohne Wärmewende sei die Energiewende nicht denkbar, verlautete im AKU. Auf Warmwasserbereitung und Heizen entfallen rund 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Bayern. Folgerichtig setze die Staatsregierung hier mit ihrem Programm an.

Es läuft seit September und verfügt über ein Gesamtbudget von 90 Millionen Euro für vier Jahre. Eigenheimbesitzer und Bauherren, die ihre Immobilie energetisch fit machen wollen, können online Mittel beantragen. Das Programm "Energie Bonus Bayern" beinhaltet zwei Teile: Heizungstausch und Energiesystemhaus (Info www.EnergieBonus.Bayern).

Der AKU befasste sich auch mit der Neuordnung des Wertstoffgesetzes. Der Entwurf liegt seit November vor und sei beim AKU komplett durchgefallen, so stellvertretender Arbeitskreisleiter Bürgermeister Roland Strehl. Sammlung, Sortierung und Verwertung der Wertstoffe sollten nach dem Willen des Bundesumweltministeriums den dualen Systembetreibern übertragen werden.

Der AKU will die Organisation bei den Kommunen belassen. Mit dem Wertstoffhofsystem im Landkreis sei schon vor Neuausrichtung des Gesetzes Transparenz im Wertstoff-dschungel geschaffen. Der Ministeriums-Entwurf gehöre in die Tonne.
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