Gewerkschaft klagt über Anwachsen "irregulärer Beschäftigung" im Landkreis
Immer mehr unsichere Jobs

Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.07.2015
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"Unsichere Jobs werden im Kreis Amberg-Sulzbach immer mehr zum Normalfall" - das ist der Tenor einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Im vergangenen Jahr hätten mehr als 38 Prozent der heimischen Beschäftigten in Teilzeit- und Mini-Jobs oder in einem Leiharbeitsverhältnis gearbeitet. Vor zehn Jahren sei der Anteil der sogenannten "atypisch Beschäftigten" noch bei rund 29 Prozent gelegen.

Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die den Arbeitsmarkt im Kreis Amberg-Sulzbach unter die Lupe genommen hat. Demnach arbeiteten im vergangenen Jahr rund 12 200 Beschäftigte in nicht-regulären Jobs. Für die NGG ist diese Tendenz "alarmierend": "Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt", wird Rainer Reißfelder von der NGG Oberpfalz zitiert. Gerade Mini-Jobs hätten zugenommen. In der Gastronomie seien diese besonders verbreitet - auf Kosten von regulärer Beschäftigung.

"450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren", unterstreicht Reißfelder. Der Gewerkschafter warnt: "Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen."

Vollzeit als Ausnahme

Auf den ersten Blick gehe es Bayern wirtschaftlich gut. Beim genauen Hinsehen würden sich hinter den hohen Beschäftigungszahlen aber viele unsichere Jobs verbergen. "Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger", betont der NGG-Geschäftsführer. Die NGG fordere die Arbeitgeber im Kreis Amberg-Sulzbach auf, wieder "mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs" zu schaffen. "Der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn, für den sich die NGG seit Jahren eingesetzt hat, ist dabei eine feste Untergrenze. Durch den Mindestlohn haben viele Beschäftigte erstmals die nötige finanzielle Sicherheit." Daran dürfe nicht nachträglich gerüttelt werden.

"Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben. Zum Beispiel machen sie Sinn für manche Rentner oder auch Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen", heißt es in der Pressemitteilung weiter. Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber dann, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft würden - "und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen".
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