Großer Beifall für historisches Spiel zum 500. Jubiläum der Belagerung Sulzbachs
"Ein Stiber thut nicht fliehen"

Sulzbach-Rosenberg
29.06.2004
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Die einen brüllen "St. Anna", die anderen "St. Georg". Drohend werden gepanzerte Fäuste geschwungen, die Schwerter in die Höhe gehalten. Amberger und Sulzbacher zeigen sich kampfesmutig anno 1504. Genauso geben sich die Akteure des Szenischen Spiels 500 Jahre später.

Einziger Unterschied: Zum Jubiläum des Landshuter Erbfolgekriegs ging es ganz und gar nicht blutig zu. Das Stiber-Fähnlein hatte das Stück "Belagerung Sulzbachs durch Amberger und Böhmen aus der Feder von Sepp Lösch und unter Regie von Michael Ritz am Freitag und Samstag so realitätsnah wie nur möglich in Szene gesetzt. Das Publikum honorierte die Leistung der Laienschauspieler mit begeistertem Applaus.

Krieg um einen Schatz

Auslöser für die gewaltsame Auseinandersetzung in Bayern war der Tod Herzog Georgs von Bayern-Landshut am 1. Dezember 1503. Pfalzgraf Ruprecht bemächtigte sich des Erbes, insbesondere des Schatzes in Burghausen, was sich die eigentlichen Erben, die Brüder Albrecht IV. und Wolfgang Herzog von Bayern-München, natürlich nicht gefallen ließen.

Der Stadtgraben an der Schanze mit seinen steilaufragenden Felshängen und der Stadtmauer bot die ideale Umgebung für die historische Aufführung. Die blau-gelben Amberger, "auf des Rupprecht Seit'n", wie Chronist Christoph Friermann (Peter Schwemmer) erzählte, wollen die Stadt erobern, die rot-weißen Männer des Albrecht Stiber (Sepp Lösch) sie beschützen.

Bereits am Freitag kommt es zu einem ersten Vorgeplänkel am nachgestellten Neutor an der Allee. Der Amberger Vicedomus Ludwig von Eyb (Harald Großhauser) sagt Stiber die Feindschaft an."Ergeht euch kampflos darein. Andernfalls werden wir eure Mauern stürzen und Sulzbach niederbrennen, und es wird niemand, weder Mann, noch Weib und Kind geschont werden."

"Wir wissen zu kämpfen"

Eine Drohung, die die Sulzbacher nur ein Lächeln kostet. "Und wisset: Ein Stiber weicht nicht und Sulzbach wird zu kämpfen wissen."

"Der morgige Tag, der wird's erbringen, ob Amberger Sulzbacher niederringen. Morgen so zur 2. Mittagsstunde, gebe ich euch wieder neue Kunde", kündigt der Nachwächter die Belagerung an. Der Amberger Gesandte Kaspar von Irlbeck (Jörg Pickelmann) versucht am Samstag ein letztes Mal, die Sulzbacher zur freiwilligen Aufgabe zu überreden.

Stiber lehnt harsch ab: "Mit dem Mundwerk seid Ihr offenbar noch tüchtiger als mit dem Schwert." Grimmig postiert er sich mit seinem Gefolge auf den Mauern - und vergisst dabei beinahe sein Schwert, das ihm seine Gemahlin Veronika (Renate Lösch) eilends nachträgt: "Ich bin nur froh, dass Euer lieber Kopf am Halse festgewachsen ist. Ihr würdet ihn sonst wohl auch noch vergessen haben."

In der Schlacht schlagen sich die Sulzbacher wacker. Mit Schildern, Kanonen, Schwertern, Pfeil und Bogen sowie Leitern versuchen die Amberger und Böhmen gegen die Mauern anzurennen. Schläge, Zischen, Rauch, Kanonendonner. Und wenn auch einige Stiber-Männer fallen: Die Sulzbacher behalten die Oberhand.

Steine auf die Angreifer

Sie stoßen die Leitern wieder nach unten, werfen Steine und schütten heißes Wasser auf die Angreifer. "Sind's bald verzagt, die Herren, und haben angeboten Verhandlungen", weiß Chronist Friermann zu berichten. Denn selbst die List, die Mauern zu untergraben, misslingt. Eybs Vorschlag, Sulzbach zu verschonen, wenn Stiber die Stadt aufgibt, schlägt der Stadthauptmann aus.

Versöhnliches Ende

Zum richtigen Zeitpunkt kommen nun die Hilfstruppen aus Schwandorf und Nürnberg. Stiber und seine Söhne Sebald (Peter Ostermann) und Sebastian (Daniel Butz) ordnen mit Feldhauptmann Spänmesser (Klaus Faltenbacher) den Ausfall an. Sulzbacher und Pfälzer Landsknechtrotten prallen aufeinander, Ritter stellen sich dem Zweikampf. Stück für Stück drängen die Sulzbacher die Amberger zurück, bis Irlbeck den Rückzug befiehlt.

Tote und Verletzte liegen auf dem Schlachtfeld. Marketenderinnen eilen herbei, um die Wunden zu verarzten. Auf Brettern werden "Leichen" abtransportiert. Dann - unter Trommelwirbel - bittet von Eyb um Frieden. Nachdem sich Pfälzische und Sulzbacher die "Köpfe eingeschlagen" haben, lädt Albrecht Stiber ein zum Friedensmahl: "Wie viel heilsamer ist es doch, die Becher zu heben statt der Spieße!"
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