Gstanzln gegen Grunz-Gefahr

Ein wahres Gstanzl-Feuerwerk brannte Sebastian Daller (Mitte) im Capitol mit Sophie Meier-Rastl und dem Meier Wastl ab. Erst nach mehreren Zugaben ließ das bestens unterhaltene Publikum die drei Musikkabarettisten von der Bühne. Bild: Royer
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.01.2015
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Für ihn wird eine Ü30-Party zum Totentanz mit Tante Petra. Er lässt ein kopfloses Grillhendl über das Publikum am Oktoberfest philosophieren und fordert eine Burka-Pflicht für Frauen, die blöd schauen. Sebastian Daller serviert seine Weltanschauung in Gstanzl-Form. Er garantiert bayerisches Musikkabarett mit Tiefgang.

Da ist es aber auch Zeit geworden, dass ein neuer Stern am Gstanzl-Himmel erstrahlt. Gut, nicht erst seit Samstag hat Sebastian Daller unter Beweis gestellt, dass er ein wahrer Meister des vierzeiligen Spottgesangs ist. Er legt den Finger in viele Wunden, lässt Bissigkeit, Witz und Derbheit nicht außen vor.

Zusammen mit Sophie Meier-Rastl (Geige) und dem Meier Wastl (Tuba) sorgte der 30-jährige Niederbayer am Samstag im vollbesetzten Capitol für einen starken Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe "Kultopf", für die Georg Leugner-Gradl verantwortlich zeichnet.

In die Abgründe

Das perfekte Zusammenwirken der Diatonischen mit Geige und Tuba ließ die alte urbayerische Tanzbodenatmosphäre wieder aufleben. Sebastian Daller garnierte das Ganze mit seiner durchdringenden Stimme, die niederbayerisch eingefärbt schon von Haus aus eine gewisse Grobheit und Schärfe mit transportierte.

Daller, der sich selber als Musikkabarettist betitelt, hatte mit seiner "Bänd" das neue Programm "Das Grillhendl und der Tod" mit ins Capitol gebracht - und sie lagen goldrichtig damit, soviel sei schon an dieser Stelle verraten. Nach eigenen Angaben führen die drei Protagonisten das Publikum tiefer hinein in die Abgründe der niederbayerischen Provinz.

Der Gymnasiallehrer aus Teugn im Landkreis Kelheim redet nicht lange herum um den heißen Brei, er nennt die Dinge beim Namen. Philosophiert - alles natürlich in Gstanzl-Form - wird von Klassentreffen als Idiotenversammlung, bei der oft falsche Tatsachen vorgespiegelt werden, über das eigentliche Blödschauen, für das der Lätschenkiefer verantwortlich ist, oder vom Eisenreich Sepp, der Daller wegen seiner fehlenden Finger an das Märchen vom Daumenlutscher im Struwwelpeter erinnerte. Heilpraktiker entlarvt er bissig als Scharlatane, die es ja bereits im Mittelalter gab - nur da seien sie mit dem Planwagen in die Stadt gekommen und hätten den Leuten das Geld abgenommen. Dies alles mündet in der traurigen "Ballade von Franzl", der beim Reden immer grunzt: "I grunz ganz g'wiss, weil e zuviel Schweiners friss!" Mit einem Katzenschwanz therapiert, "hab ich mir eine Maus frittiert und dann im Nachbargarten mein Revier markiert".

Doch Daller gibt nicht nach. Er bringt einen Trinkspruch "Egal wie dicht Du warst, Goethe war Dichter!", feuert politische Spitzen in Richtung Staatsregierung, oder bezeichnet eine solariumgebräunte Frau als "ledrige Matz".

Daller lieben

Wer Gstanzln liebt, muss Sebastian Daller lieben. Er und seine "Bänd" haben den Weg eines Roider Jackl eingeschlagen. Ihre Instrumente bergen sogar noch etwas mehr Virtuosität, verleihen den Spottversen noch mehr Nachdruck, ohne zu dominant oder überheblich zu wirken. Daller spielt auch mit dem Tempo, zieht manchmal gewaltig an und wird ganz laut. Andererseits sind auch ihre reinen Instrumentalbeiträge äußerst hörenswert. Das im Kauderwelsch vorgetragene "Jambolaya" kommt ohne ein Wort Englisch aus - klingt aber wie das Original.

Liebe zum Leichenschmaus

Dallers Streifzug führt auch zum Vietnamesmarkt, bei der das Auto mitsamt der im Jetbag liegenden Oma von drei Jugendlichen aus Rosenheim gestohlen wird. Seine Liebe zum Leichenschmaus verhehlt er nicht, weil dort alles umsonst ist. Wir erfahren, dass Selb ganz oben rechts liegt und das Fredl Fesl sein Vorbild ist. Sein Humor erreicht auch den Bayerischen Rundfunk in Form eines Vierzeilers: "A Massenmörder, der Dialekt spricht, war fürs Bayerische Fernsehen enorm, der kannt sogn, ich hob grod zehn Leit umbracht und do bin i dahoam!"

Erst nach einigen Zugaben werden die drei Musiker schließlich entlassen, und zwar von vielen Menschen, die altersmäßig auch in Dallers Kategorie "Totentanz" passen und sicher auch gern ein Grillhendl verdrücken.
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