Gurgel schmieren, amüsieren

Es wurde nicht nur fleißig mitgesungen, sondern auch dirgiert: Der Peter (rechts) war in seinem Element!
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.02.2015
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Es sind oft die einfachen Dinge, die das Leben lebenswert machen: Musik, Gesang, ein einprägsamer Liedtext und die passende Umgebung. Beim offenen Singen des Heimat- und Trachtenvereins Stamm kam das alles zusammen. Aber erst ein weiterer Faktor machte den Abend zum wahren Genuss.

Schon eine Stunde vor Beginn gab es kaum noch freie Plätze in der Landkutsche, und als Vereinschef Christian Steger die Aktiven vorstellte, spendete das Publikum reichlich Vorschussapplaus: Quetschn-Spieler Markus Stauber übernahm die Einweisung der Sängerschar, unterstützt von Michael Haberberger (Trompete), Manuela Haberberger (Akkordeon) und Anton Stümpfl (Tuba).

Das Konzept des offenen Singens ist simpel: Liedtext und Melodie werden erklärt und vorgetragen, dann geht es los, Strophe für Strophe: "Howe das schou gestern gsagt, dass e de gor net mooch", so sangen die Gäste die Geschichte vom Friederikerl und vom Korl, nach 15 Minuten konnten sie es perfekt auswendig.

Vom Mädchen Aurora

Das anschließende Wirtshaustrink-lied umfasste mehr oder weniger die ganze Getränkekarte des Pamler, ebenfalls eine Herausforderung und ein Riesenspaß - "alles, blous koi Wasser net!". Dann kam die Geschichte vom Mädchen Aurora, das saß in seinem Garten und wartete auf den Geliebten, stets "mit der Weißwurst in der Hand!". Sieben Jahre respektive drei Strophen später hatte sich am Lebensmittel wenig geändert, aber die gute Aurora war verschieden, die Weißwurst immer noch fest im Griff. Zwiefache, sogenannte Baierische, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie werden auch gesungen, zum Beispiel "Unser alte Kath" oder die Agrarexpertin aus dem Neukirchener Gemeindebereich, besser bekannt als "Bäire vo da Hoi". Dann versicherten die Männer "Owa d'Ochsn treiwe niat aas", und alle ließen das "Eisenkeilnest" wieder aufleben - lauter echte Oberpfälzer Stückln, seit Jahrhunderten gesungen und gespielt.

"G'nigelt, g'nogelt, g'heirat muass sei", mit dieser Aufforderung bogen die Sänger dann in den leicht erotischen Bereich der Volksmusik ein: "Wann i in Fröih aafstäih" handelt von den Anforderungen, die ein Knecht auf dem ganzen Hof erfüllen muss - eine Erinnerung an das Ehepaar Karl und Zenzl Eisenreich, die im Bayerischen Rundfunk als Gstanzlsänger bekannt wurden und 1937 nach Sulzbach kamen zum jetzigen Stammverein, wo sie Jahrzehnte aktiv musikalisch wirkten.

Typisch und unverfälscht

Markus Stauber hatte seinen Laden im Griff, es wurde fleißig gesungen und teils auch dirigiert, die Stimmung stieg, und jetzt ist es Zeit, den entscheidenden Faktor zu benennen, der solche Abende zum Erlebnis macht: Es ist die hohe Qualität der einzelnen Bausteine. Ein uriges Wirtshaus wie die Landkutsche, heimatliche, typisch Oberpfälzer Lieder, unverfälschte Mundart und Musikanten, die so etwas im Blut haben - da kann ja gar nichts schiefgehen.

Der "Hintertupfer Bene" setzte quasi aus der Odelgroum heraus den vorläufigen Schlusspunkt nach einem lustigen und vor allem original heimatverbundenen Abend. Selbstverständlich spielten die Musikanten aber weiter, selbstverständlich sangen die Gäste lauthals mit, und am 7. März gibt es an gleicher Stelle beim Pamler nochmal eine Neuauflage: frühzeitig kommen, Gurgel schmieren, kräftig singen und sich königlich amüsieren, das ist dann noch einmal möglich. Derb, aber einfach "schöi", so wie die Landschaft und oft auch die Menschen im Sulzbacher Land, so sind die Lieder, und so bleibt der Abend in bester Erinnerung.
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