Gute Chancen für neuen Horst

Eine der neuen Schwarzstorch-Plattformen wurde auf der Spitze einer gekappten Fichte angelegt. Sie wird von zwei anderen Fichten abgeschirmt. Diese Situation ist ähnlich wie beim alten Horst. Bild: Moos
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.04.2015
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Der Horst bei den Windrädern, in dem der Auerbacher Schwarzstorch 2014 seinen Nachwuchs aufzog, ist verschwunden. Ob das Tier jetzt einen der vier angebotenen Alternativ-Standorte annimmt? Bernhard Moos sieht zumindest gute Chancen dafür.

Der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz ist von Beruf Biologe und war vom Windkraft-Projektierer Voltgrün mit der Aktion Horstwechsel beauftragt. Zusammen mit einem Baumkletterer hat er am 2. März den alten Horst beseitigt, wie von der Höheren Naturschutzbehörde angeordnet, und auf Plattformen aus Eichenbohlen vier andere Nistmöglichkeiten auf Bäumen in der weiteren Umgebung errichtet.

Noch nicht das Ende

Wie viel Voltgrün der Umsiedlungsversuch kostet, will sich Geschäftsführer Toni Frank nicht entlocken lassen - zumal die Aktion noch nicht abgeschlossen sei. Eine Erfolgskontrolle und die Optimierung von Kleingewässern als Nahrungsquelle der Vögel stünden noch aus. "Das ist erst sinnvoll, wenn wir wissen, welcher Horst angenommen wird."

Da man aber auch mit der Nutzung von Windkraft aktiven Umweltschutz betreibe, vertrage sich die Umsiedlung zum Schutz des Schwarzstorchs gut mit den Auffassungen von Voltgrün. Deshalb habe man im vergangenen Jahr, als der Horst entdeckt wurde, auch zuerst das nördliche Windrad gebaut. Eigentlich wäre es laut Frank zwar umgekehrt geplant gewesen, aber man habe Rücksicht auf den Schwarzstorch und seine Brut genommen.

Im Landkreis gab es bereits einen Fall, in dem ein Schwarzstorch-Horst den Bau von Windrädern verzögerte: bei Edelsfeld. Das Landratsamt hatte diese (verlassene) Nistmöglichkeit als Spiel- oder Ersatzhorst eingestuft und bei der Genehmigung des Windkraftprojekts die Auflage gemacht, dem Vogel einen alternativen Brutplatz zu bauen. Laut Bernhard Moos hat sich ein Schwarzstorchpaar im ersten Jahr nach dem Bau der Windräder immer wieder bei dieser Plattform aufgehalten. Gebrütet hätten die Tiere aber in den drei Jahren seither dort nicht. Auch im Edelsfelder Fall habe man Nahrungsgewässer angelegt. Ob die Vögel sie angenommen hätten, sei noch nicht abschließend untersucht: "So etwas dauert bei Störchen manchmal länger."

In Bayern noch selten

Gibt es dann überhaupt Beispiele für erfolgreiche "Verpflanzungsversuche" von Schwarzstörchen? Die Höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz kann hier keinen Fall nennen. Bei Weißstörchen sei es aber schon häufiger erfolgreich praktiziert worden. Bernhard Moos weiß aus der Literatur, dass in Niedersachsen etwa jeder zweite besetzte Schwarzstorchhorst auf einer solchen Plattform ist. "Dort wird dieses System schon einige Jahrzehnte eingesetzt." Das System, das er verwendet habe, sei dem in Norddeutschland ähnlich. In Bayern habe man in den letzten paar Jahren erst ein gutes Dutzend solcher Plattformen gebaut. Vornehmlich in Nordostbayern, wo die meisten Schwarzstörche brüten.

Dass vier Standorte für Ersatzhorste angelegt wurden, berücksichtigt laut Moos die Tatsache, dass "mehrere Faktoren die Wahl des Brutplatzes durch ein Schwarzstorchpaar bestimmen können". Es steigert also die Chancen, dass die Tiere sich hier tatsächlich ein Nest bauen.
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