Gute Geister im Dauereinsatz

Die Leute sind alle sehr freundlich und höflich, sie sagen immer "bitte" und "danke".
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.09.2015
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Draußen spielen ein paar Kinder Ball, drinnen treffen die guten Geister letzte Vorbereitungen. Gleich wird der Bauhof kommen und das Mittagessen aus dem St.-Anna-Krankenhaus liefern. Drei Mitarbeiterinnen des BRK stehen parat, Kalbsgulasch mit Nudeln und Gemüse auszugeben. In der Flüchtlingshilfe greifen viele Rädchen ineinander.

Bernd Markl ist einer der freiwilligen Helfer - aktuell ist er fast schon im Dauereinsatz, zusätzlich zu seinen regulären Schichten im Rettungsdienst. Dass er es gerne macht, merkt man sofort. Einige Flüchtlinge, die in der Turnhalle der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg untergebracht sind, begrüßen ihn sehr herzlich und freuen sich, dass er wieder da ist. Für andere ist alles neu, sie sind am Abend zuvor erst angekommen. Für sie war auch Bernd Markl im Einsatz. An manchen Tagen haben die Helfer eine gewisse Vorlaufzeit, an anderen nicht. "Das ist sehr unterschiedlich, manchmal werden wir zwei Stunden vorher informiert, manchmal heißt es aber auch: Jetzt sind sie da." Ebenso wisse man oft nicht, wie viele Flüchtlinge es seien.

Frühzeitig eingebunden

Das BRK war laut Erwin Gräml, der die Rettungswache in Sulzbach-Rosenberg leitet, schon sehr früh in die Flüchtlingshilfe eingebunden. Erste Besprechungen mit Vertretern der Stadt Amberg und des Landkreises habe es bereits im Winter 2014 gegeben. Damals waren die Kommunen von der Bezirksregierung aufgefordert worden, sich für den sogenannten Winter-Notfallplan Gedanken zu machen, wo sie mögliche Asylsuchende unterbringen könnten.

"So richtig ging es im Juni los", so Gräml. Erst in Amberg, später im Landkreis. Das BRK sammelte - wie andere Hilfsorganisationen - Kleidung für Ankommende und sortierte sie. Im Hirschauer Seniorenheim kamen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unter, eine weitere Unterkunft ging in Auerbach im Betrieb, die dortige Rot-Kreuz-Bereitschaft kümmerte sich um die Menschen. Kommt ein Bus mit Asylsuchenden in der Notunterkunft an, stehen nicht nur Beschäftigte des Landkreises, sondern auch BRK-Mitarbeiter und Bürger, die sich zum Beispiel zu "Sulzbach-Rosenberg hilft" zusammengeschlossen haben, parat. "Wir helfen bei der Registrierung und unterstützen die Ärzte beim Erst-Screening", erläutert Markl. Gräml unterstreicht, dass die Helfer freiwillig im Einsatz sind. "Das machen sie neben ihrer Arbeit." Zum Beispiel Markl. Der hatte nach einer regulären Zwölf-Stunden-Schicht im Rettungsdienst weitere vier in der Notunterkunft für Flüchtlinge verbracht.

Sowohl er als auch Gräml loben die Unterstützung durch die Bürger. "Da gibt es einige, die immer wieder kommen und helfen", so der junge BRK-Mitarbeiter, der sich mit fünf Kollegen am Abend zuvor um die ankommenden Menschen gekümmert hatte. "Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß", fügt Gräml an und verweist auf die unzähligen Menschen, die nach dem Kleiderspenden-Aufruf Sachen abgegeben hatten.

Über 1000 Helferstunden

Hand in Hand läuft die Hilfe für die Asylsuchenden. Mit der Feuerwehr baute das Rote Kreuz in der Sulzbach-Rosenberger Realschul-Turnhalle Feldbetten auf, Frühstück und Mittagessen gibt der Arbeiter-Samariter-Bund aus, das Mittagessen das BRK. Um den Transport der Mahlzeiten aus dem St.-Anna-Krankenhaus kümmert sich der Bauhof. Gräml hat ausgerechnet, was seine BRK-Bereitschaft bislang geleistet hat: "Deutlich über 100 Helferstunden." Er und Markl wissen, wie viele Kilometer die Freiwilligen zurückgelegt haben - gut 300, obwohl es meist "nur" der Weg von der Wache zur Halle und zurück ist. (Hintergrund)
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