Heim ersetzt Familie nicht

Bei den Amberg-Sulzbacher Demenzwochen informierte Pflegedienstleiterin Manuela Engelbrecht im Bavaria-Senioren- und Pflegeheim zum Thema "Einzug ins Heim - Abschiebung oder Neuanfang?" Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
01.10.2014
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Bei stärkerer Pflegebedürftigkeit sind Angehörige oft überfordert. Hier kann dann eine Betreuung im Heim sinnvoll sein. Ein Vortrag bei den Demenzwochen gab zu diesem Themenfeld wichtige Hintergrundinformationen. Auch Betroffene kamen zu Wort.

"Einzug ins Heim - Abschiebung oder Neuanfang?" war das Thema eines Vortrags bei den Amberg-Sulzbacher Demenzwochen. Manuela Engelbrecht, Pflegedienstleitung im Bavaria-Senioren- und Pflegeheim, referierte fachkundig und machte ihren Vortrag mit vielen praktischen Beispielen anschaulich.

Dienste helfen

Grundsätzlich, führte sie aus, geht es um das Wohlbefinden der Betroffenen. Das sind der alte Mensch und seine Angehörigen. Wichtig ist, dass eine gute pflegerische Versorgung gewährleistet ist. Je nachdem, wie selbstständig der Senior noch ist, kann das mit Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst zu Hause der Fall sein.

Bei stärkerer Pflegebedürftigkeit sind die Angehörigen aber irgendwann überfordert, vielleicht wohnen sie zu weit weg oder haben wegen eigener Berufstätigkeit nicht genug Zeit. Wenn die Eltern ins Heim gehen, entspannt sich die Situation für die Angehörigen. Viele haben aber auch ein schlechtes Gewissen, dass sie den Vater oder die Mutter "abschieben". Wie Engelbrecht ausführte, entlastet das Heim die Kinder von Pflege- und Haushaltsaufgaben, so dass sie mehr Zeit haben, um mit ihren Eltern spazieren zu gehen oder in Ruhe Kaffee zu trinken.

Die Angehörigen spielen im Heimalltag eine wichtige Rolle, denn je besser der Hochbetagte von seiner Familie mitversorgt wird, umso besser geht es ihm. "Das Heim kann keine Familie ersetzen", sagte Engelbrecht ganz deutlich.

Veränderung fällt schwer

Für die Senioren ist der Einzug ins Heim ein einschneidender Wechsel. Vielen fällt die Veränderung in ihrem Leben schwer, aber das Pflegepersonal und die Angehörigen können sie sehr unterstützen. Man muss es den Betroffenen erklären, dann lernen auch Demente, mit ihrer Situation umzugehen. Wichtig ist, sie ernst zu nehmen und wertzuschätzen.

Probleme dürfen nicht überspielt werden. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Angehörigen mit dem Pflegepersonal ermöglicht es, über alles zu reden. Wenn das Pflegepersonal die Gewohnheiten der Bewohner kennt, kann es darauf eingehen und so dem alten Menschen das Leben angenehmer machen.

Die meisten Bewohner kommen in der Endphase ihres Lebens und werden sich bewusst, dass sie sterben müssen. Manche leben aber wieder auf. Sie sind nicht mehr allein und fühlen sich wohl.

Die rehabilitierende Pflege aktiviert die noch vorhandenen Fähigkeiten. Es entstehen Freundschaften, und einige Bewohner erleben sogar noch einmal eine neue Liebe.

Erspartes einsetzen

Schließlich ging Engelbrecht auf die finanziellen Aspekte der stationären Pflege ein. Die Pflegeversicherung trage zu den Kosten bei, das Ersparte des Bewohners müsse aufgebraucht werden, gegebenenfalls zahle der Bezirk dazu. "Die Kinder müssen nur zuzahlen, wenn sie es können", sagte die Referentin.
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