Helfen bis an die Grenze

Auch sie sind stets für Hilfesuchende da: Irina Frescher (links) berät in Schuldenfragen, Theo Wissmüller (Mitte) leitet die Kirchliche allgemeine Sozialarbeit, Geschäftsführer Stefan Strauß koordiniert. Bilder: Gebhardt (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.11.2014
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Sie arbeiten nur zu zweit, besetzen gerade eineinhalb Stellen, und die Arbeit wird immer mehr: Angelika Brandt und Gertrud Strauß von der Asyl- und Migrationsberatung der Diakonie betreuen den kompletten Landkreis zwischen Auerbach und Schmidmühlen. Wie schaffen sie das nur?

Zur Zeit sind etwa 320 Flüchtlinge hier untergebracht, in Wohnungen meist in Privathäusern, die der Landkreis angemietet hat. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildern Brandt und Strauß die Arbeit und die Probleme, die sie bewegen. Geschäftsführer Stefan Strauß und Theo Wissmüller von der Kirchlichen allgemeinen Sozialarbeit (Kasa) bringen ebenfalls ihre Erfahrungen ein.

Basis in Sulzbach

"Wir beraten die Flüchtlinge in vielerlei Dingen", meinen die beiden Damen, die ihre Basis im Diakonischen Werk am Pfarrplatz in Sulzbach-Rosenberg haben: "Anmeldung in den Gemeinden, ärztliche Versorgung, öffentliche Verkehrsmittel, Schulen und Kindergärten für die Kleinen, Versorgungs- und Einkaufsmöglichkeiten, um all das müssen wir uns kümmern" - so umreißen die beiden Sozialpädagoginnen ihre Tätigkeitsfelder. 70 Prozent der Personalkosten trägt der Freistaat, den Rest die Bayerischen Evangelische Landeskirche.

Die Flüchtlinge im Landkreis Amberg-Sulzbach stammen aus Tschetschenien, der Ukraine, aus afrikanischen Staaten, aber auch aus dem Balkan und natürlich in letzter Zeit vermehrt aus Syrien. Nach Dienstantritt am Morgen klingeln durchschnittlich alle zwei Minuten die Telefone in der Diakonie, die beiden Helferinnen werden stets aufs Neue mit sozialen und menschlichen Problemen konfrontiert. Das geht oft bis zur Grenze der Belastungsfähigkeit. Da sind Angelika Brandt und Gertrud Strauß froh, dass sie jetzt etwas Hilfe bekommen. In vielen Gemeinden springen Einzelpersonen ein oder gründen Hilfsprojekte, wie erst kürzlich in Sulzbach-Rosenberg. Auch in Ammerthal gibt es schon viel Engagement.

"Eine gute Ergänzung", freuen sich die beiden, doch die freiwilligen Helfer müssen ja auch erst einmal angelernt werden. "Das Pflänzchen wächst, aber macht noch viel Arbeit!" Strukturen schaffen, die Koordination leiten, das ist es, was die Beraterinnen langfristig wollen.

Sprache enorm wichtig

Von existenzieller Bedeutung für die Flüchtlinge sind deutsche Sprachkenntnisse. Leider gebe es derzeit keinen offiziellen Sprachkurs, bedauern die Damen. Aber immer wieder entstünden tolle Angebote aus Privatinitiative. "Vor allem pensionierte Lehrkräfte stellen sich oft unentgeltlich zur Verfügung, aber wir könnten noch viel mehr Hilfe gebrauchen, die Nachfrage ist sehr hoch. Jeder kann helfen!"

Zwischen drei Monaten und drei Jahren beträgt die Aufenthaltsdauer der Schutzsuchenden, alleine das Anerkennungsverfahren beansprucht wegen Behördenüberlastung oft schon ein Jahr. Die Neuankömmlinge erhalten Sozialleistungen und Hilfe zum Leben, auch das Jobcenter ist für Hilfen zuständig.

Die Anerkennung durch deutsche Behörden richtet sich nach dem Herkunftsstaat: Ist er ein Kriegsgebiet, gibt es humanitäre Missstände oder sind wirtschaftliche Probleme der Grund für die Emigration? 300 zusätzliche Stellen sollten für die schnelle Bearbeitung im Bundesamt geschaffen werden, doch die Besetzung stockt, berichtet Stefan Strauß.

Ursachen der Flucht

Er weist auf die oft erst aufzuklärenden Ursachen für die Flucht vieler Menschen hin: Da gibt es zum Beispiel Diskriminierungs-Hintergründe wie etwa bei den Roma, die zwar aus "sicheren Drittstaaten" kommen, dort aber wegen massiver Anfeindungen trotzdem nicht leben können.

Viele haben Schreckliches hinter sich, erinnert er ans Schicksal vieler Afrikaner, die zu Wasser und zu Lande unter Lebensgefahr Richtung Europa streben: "Wir helfen allen!"
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