Helfer quer durch die Republik

Die Amberg-Sulzbacher Wasserwacht-Leute warten im Erstaufnahmelager in Simbach auf ihren Einsatz. Dort betreuten sie von Freitag bis Sonntag das von der Kreiswasserwacht Rottal/Inn betriebene Lager, damit die dortigen Kollegen, die seit Mitte September rund um die Uhr im Einsatz waren, mal ein freies Wochenende haben konnten. Aufgabe der Helfer ist es, den Ankommenden Essen und Trinken zu geben und sie medizinisch zu versorgen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.10.2015
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Daniel Weidner und seine drei Mitstreiter sitzen schon im ICE. Nicht mehr lange, dann haben sie Nürnberg erreicht. Bald sind es 24 Stunden, die sie im Einsatz waren. Das Quartett begleitete einen Flüchtlingszug, stand parat für den Fall der Fälle.

Freiwillige von Hilfsorganisationen sind wegen der Flüchtlinge schon fast im Dauereinsatz. Die Bahnhöfe Freilassing, Passau und auch Salzburg verlassen täglich zwischen vier und acht Sonderzüge, um Asylsuchende in Orte in ganz Deutschland zu bringen. In einem dieser Züge waren vergangene Woche auch vier Mitglieder der Kreiswasserwacht Amberg-Sulzbach, weitere sechs waren am Wochenende in Simbach am Inn im Einsatz. Die dortige Erstaufnahme-Einrichtung betreut das BRK Rottal-Inn. Dank der Unterstützung aus Amberg-Sulzbach konnten die Freiwilligen vor Ort einmal ein freies Wochenende haben .

Daniel Weidner, Dominik Preuß und Michael Wiesnet aus Hahnbach sowie Jan Schönholz aus Kastl waren mit dem Zug nach Freilassing gefahren. Dort hörten sie, dass sie einen Sonderzug mit Flüchtlingen nach Berlin-Schönefeld begleiten sollten. "Unsere Aufgabe ist, bei eventuellen Notfällen die Menschen zu versorgen", erklärt Weidner. "In jedem Flüchtlings-Zug sind medizinische Teams dabei."

Im Nachtzug nach Berlin

Um 23.50 Uhr fuhr die Bahn in Freilassing los. An Bord waren rund 300 Flüchtlinge, darunter viele Familien mit Babys und kleinen Kindern. Am nächsten Tag um 9 Uhr erreichte der Zug die Hauptstadt. "Die Fahrt war unspektakulär", erinnert sich Weidner. Lediglich zwei kleinere Versorgungen verbuchte das Team. "Zwei Menschen hatten grippeähnliche Symptome", so der stellvertretende Vorsitzende der Kreiswasserwacht. Dass es wenig zu tun gab, lag laut Weidner sicher auch daran, dass es ein Nachtzug war. "Die Leute haben die meiste Zeit geschlafen." In Berlin-Schönefeld warteten bereits die Polizei und der örtliche Rettungsdienst auf den Sonderzug. Und die vier Mitglieder der Kreiswasserwacht beeilten sich, um den nächsten ICE in Richtung Heimat zu erwischen. "Wir waren insgesamt 24 Stunden unterwegs - mit ganz wenig Schlaf", bilanziert Weidner. Er geht davon aus, dass in nächster Zeit Freiwillige der Wasserwacht erneut so eine Aufgabe übernehmen werden.

Am Freitagnachmittag machten sich sechs Mitglieder der Kreiswasserwacht mit zwei Einsatzfahrzeugen auf den Weg an die österreichische Grenze. Dort betreuten sie von Freitag, 18 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr, das Erstaufnahmelager in Simbach am Inn. "Die Kollegen aus Rottal/Inn sind dort seit Mitte September rund um die Uhr im Einsatz", erklärt Michael Schmid, Vorsitzender der Kreiswasserwacht Amberg-Sulzbach. "Jetzt haben wir sie für zwei Tage abgelöst, damit sie auch mal ein freies Wochenende haben."

Durchlauf: Über 1000

Wie er am Sonntagvormittag erzählte, befindet sich das Camp rund 600 Meter von der österreichischen Grenze entfernt. Flüchtlinge, die von Braunau aus die Grenze zu Deutschland überqueren, bringt laut Schmid die Bundespolizei in diese Einrichtung. "Es sind immer so rund 200 bis 300 Menschen im Lager", schildert er die Situation. Nach der Erstversorgung durch die Helfer werden sie per Bus an andere Orte gebracht, zum Beispiel nach Passau, aber auch direkt in andere Bundesländer. "Gestern fuhr einer der Busse direkt nach Chemnitz", sagt Schmid am Sonntagvormittag. Im Camp selbst sei täglich ein Durchlauf von rund 1000 bis 1200 Flüchtlingen.

Gefreut hat die Oberpfälzer, dass der Landrat von Rottal-Inn vorbeischaute, als sie in ihr Aufgabengebiet eingewiesen wurden. Am Sonntagabend endete um 18 Uhr der Dienst in Simbach, doch Schmid ist überzeugt: "Das war nicht das letzte Mal, dass wir hier waren." (Hintergrund)
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