Helmut A. Binser: Kabarett im kernig-bayerischen Stil
"Dou wiarst ganz rout"

Er zieht an seiner Quetschn und setzt sich den Hut auf: Helmut A. Binser möchte sein Publikum zum Lachen bringen. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2014
4
0

Ob Zuschauer, Kassier oder Künstler: Martin Schönberger kennt viele Facetten der Szene. Sein jüngstes TV-Engagement ist bei Ottfried Fischer in "Ottis Aquarium". Aber auch eine Kleinstadt mit einem historischen Druckerei-Saal verschmäht er nicht. Ach ja: sein Künstlername ist Helmut A. Binser.

Nach Musik aus Anatolien und Argentinien, nach Pop und Folk fand es die Kulturwerkstatt an der Zeit, einen bayerischen Künstler auf die Bühne zu bringen. Helmut A. Binser, der in Cham geborene Original-Waldler, macht Kabarett im kernig-bayerischen Stil. Mit Gitarre und Quetschn plauderte, sang und spielte er im Seidel-Saal über "Ein Stück heile Welt". Und wenn er recht hätte mit seiner These, dass fünf Minuten Lachen am Tag das Leben um ein Jahr verlängern, dann müssten die dicht gedrängt sitzenden Besucher im Seidel-Saal uralt werden: Sie lachten, jubelten und klatschten zweieinhalb Stunden lang.

Schon über 300 Auftritte

Auf seiner Gitarre haben sich zahlreiche Künstlerfreunde verewigt, solche, die älter, bekannter sind als er, der erst vor ein paar Jahren seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte. Mittlerweile sind es über 300, und Binser wurde zu einem gefragten Musikkabarettisten.

Sein Beruf ist für ihn der schönste der Welt, sagt er: "Wenn ich das Publikum zum Lachen bringen kann, ist das für mich noch wichtiger als App-laus". In seinem Programm von der heilen Welt zeichnet er im schönsten Dialekt die Leute aus seinem Waldler-Dorf, wo im Wirtshaus "Zeich passiert, dou wiarst ganz rout", wo der Berti Metzger lernen soll, weil er "a Handerl hout fir'd Vöicha" oder das Kugler-Franzerl in der Witt-Kleiderschürze zum Kirchenchor "Omas Eleven" gehört.

Auch Nachdenkliches

Spitzfindig, hintergründig, urkomisch sind seine Texte, die er - angeblich ohne selbst Noten lesen zu können - mit seinen Instrumenten begleitet. Er mag klassische Musik: "Beethoven wor scho immer mei Lieblingssänger", hasst Leute, die "im Bayerwald Toscana-Heiser baua, Beck's saffa und as Dschungelcamp aschaua", redet daheim mit seinen zwei schneeweißen "Koderern" namens Benedikt und Franziskus und legt seiner "Mama" all seine Texte zur Begutachtung vor.

Bei aller Ironie und seinem teilweise schwarzen Humor gibt es auch Nachdenkliches in Binsers Welt: Tomaten anbauen, Regenwasser sammeln, denken, "dass der Erwin Huber eigentlich recht hat", das sind für ihn erschreckende Anzeichen des Älterwerdens. Trotz seiner "Einkaufsphobie" macht er ab und zu Shopping mit seiner Freundin: "Des is mei Oart, zu sogn, i hob de liab".

Wie lieb ihn seine Fans im Seidel-Saal hatten, zeigte sich am stürmischen Beifall und der Bitte um Zugaben, die Helmut A. Binser gern erfüllte. Seinem Publikum versicherte er treuherzig: "Wenn i die Wahl hätt zwischen eich und ana Reise nach Amerika, schickat i eich herzliche Grüaß."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.