Herzhaft lachen auch ohne Preis

"So is bei uns in Bayern", eine der Zugaben von "Sauglocknläutn", zeigte trotz aller Lästerei eine große Liebe der Musikanten zu ihrer Heimat auf. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.03.2015
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"Grodraus redn, mit nix hinterm Berg hoitn, song wos wohr is, a wenns amoi unangenehm is". Der altbayrische Ausdruck dafür ist "Sauglocknläutn". Diesen Namen haben sie sich gegeben, die drei aus der Hallertau, die lästerten und kritisierten, letztendlich aber dann ein Loblied sangen auf ihre bayerische Heimat.

Sie treten seit 16 Jahren zusammen auf, haben bisher acht CDs gemacht, standen mit namhaften Künstlern von Ottfried Fischer bis Konstantin Wecker auf der Bühne, haben aber nach eigener Aussage noch keinen einzigen Kleinkunstpreis bekommen. Aber das schmerzt sie nicht, die drei Volksmusik-Kabarettisten von "Sauglocknläutn", denn "Preise san wie Hämorrhoiden", sagen sie, "irgendwann kriegt's jeda Oasch".

Tradition und Modernes

Das ist beim "Festival moderner Volxsmusik" der Auftakt im voll besetzten Seidel-Saal, der die Fans der Truppe gleich zum Jubeln bringt. In Leder-Bundhosen, Wadlstrümpfen und Haferlschuhen kommen sie auf die Bühne, Richard "Ritsch" Ermeier mit dem Akkordeon, Peter Röckl mit grauem Vollbart und Gitarre und Walter Zinkl, der nicht nur die Bassgitarre beherrscht sondern auch den "Bierflaschenzweiton".

In ihrem Programm "Das Beste" bringen sie den Querschnitt ihres Schaffens: Gstanzl, Landler, Zwiefache in der Tradition alter Wirtshaus-Musikanten, aber mit neuen Texten, vermischt mit anderen Musikstilen.

"Glacht muaß wern, aa wenn de Welt no so schlecht is", ist ihr Motto, und da gibt es viel in der Welt, das sie kritisieren, satirisch beleuchten, durch den Kakao ziehen. Fukushima, Stuttgart 21, die Bankenkrise, Griechenlands Schuldenberg und Politiker aller Couleur werden an den Pranger gestellt.

Lästern über alles

"Es war Onassis und nicht Sorbas, der sich am Staat bereichert hat", heißt es in ihrem Lied oder "Die Großen machen, was sie wollen, und wir Deppen zahlen sollen". Ihre Mundarttexte treffen den Kern der Dinge, sind witzig und oft böse. "Was braucht ma heitzutag zum Leben?", fragen sie und zeigen die vielen unnützen Dinge auf, die gekauft werden. "Host as kaft, dann brauchst as net", singen sie, und zu den Landlern und Zwiefachen kommen auch andere Rhythmen, vom Walzer bis zum Cha-cha-cha.

Sie lästern über den Schneekanonen-Wahnsinn ebenso wie den Sonntagabend-Tatort, wissen, dass Karl Theodor zu Guttenberg in Amerika "Vorlesungen übers Abschreiben" hält und Tebartz van Elst jetzt "im Vatikan in der goldenen Wanne badet".

Auch mal nachdenklich

Die Drei beherrschen ihre Instrumente, singen gemeinsam oder abwechselnd, bringen Gags wie das Solo Walter Zinkls mit zwei Bierflaschen oder die Hymne Peter Röckls an seinen Freund August, den von der gleichnamigen Brauerei nämlich. Überraschend nachdenklich dann die Ballade "Wo ist der Weg?", gefolgt von Tipps, wie man in den Himmel kommt.

Bis nach Hannover

Wirthaus-Musikanten sind sie auf der Bühne, haben aber auch bürgerliche Berufe in ihren Heimatorten in der Hallertau. Dreißig- bis vierzig mal pro Jahr treten sie auf, überwiegend in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich, "wo ma uns halt no einigermaßen vasteht" . Wie das werden wird, wenn sie noch in diesem Jahr ein Engagement in Hannover haben, darauf sind sie sehr gespannt.

In Sulzbach-Rosenberg waren sie schon einmal 2003, der Beifall dieses Mal im Seidel-Saal und die stürmisch geforderten Zugaben zeigen, dass das Publikum auch künftig "Sauglockn" wieder läuten hören möchte.
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