Hier war Arznei hausgemacht

Andrea Grotzke und Dr. Markus Lommer klappen für Bürgermeister Michael Göth (von links) den Drogenkasten auf. Früher standen die Apothekenlehrlinge während ihrer Prüfung vor seinen vielen Fächern. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.07.2015
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Vom Phosphortresor im Keller durch den Apothekergarten im Hof bis zur Drogenkammer unterm Dach: Das Museum Alte Hofapotheke am Luitpoldplatz steht kurz vor der Fertigstellung. Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer, Initiator und Hausherr, zeigte Bürgermeister Michael Göth den aktuellen Stand.

Anlass für diesen Besuch war der Abschluss der Leader-Projektphase. Schon 2010/11 hatte Lommer mit der Sanierung des Gebäudes begonnen. Ab 2013 folgten Innenausstattung und Außenanlagen. Während Restaurator Reinhard Dreer aus Neukirchen noch die letzten Holzobjekte restauriert, sichtet der Heimatpfleger zusammen mit der Medizinhistorikerin Andrea Grotzke aus Kiel den Bestand, stellt Zusammenhänge her und bereitet die museale Präsentation vor.

Grotzke, die auch schon das Firmenmuseum eines Arzneimittelunternehmens aufgebaut hat, ist begeistert: "Hier sind viele Objekte vorhanden, die nur kurzzeitig produziert wurden. Daran kann man wunderbar die Arbeitsweise einer alten Apotheke darstellen." Besonders gut gefällt der Expertin, dass man hier das "Komplettprogramm zwischen Archäologie und Apothekengeschichte" erleben kann, denn es werden auch Befunde aus der Zeit vor der Apotheke ausgestellt.

Eine absolute Rarität stelle eine kleine Schachtel mit leeren Gelatinekapseln dar, hergestellt in der ältesten deutschen Gelatinefabrik vor etwa 110 Jahren. Auch der Seihtopf nach Brodmann aus der Zeit um 1940, den Grotzke entdeckte und identifizierte, ist eine Besonderheit, weil er nicht lange produziert wurde. Er diente dazu, getrockneten Drogen die Wirkstoffe zu entziehen.

Eigenes Herbarium

Von der alten Apothekenausstattung hat sich auch das Herbarium von Christian Schießl erhalten. Er war der Sohn des Bürgermeisters, der nach dem Stadtbrand die Apotheke am Luitpoldplatz eröffnete. Im Heilpflanzengarten wachsen alle Pflanzen, die Schießl gesammelt, gepresst und beschrieben hat.

Giftschrank entschärft

Dr. Lommer zeigte den Giftschrank, den sein Vater, der letzte Hofapotheker, immer sorgfältig verschlossen hielt. Einige der Fläschchen enthalten sogar noch Reste der giftigen Substanzen, aber die gefährlichsten sind entfernt worden.

Ergänzend zur Ausstellung ist ein museumspädagogisches Angebot geplant. Wie Dr. Lommer ausführte, sollen alte Fertigungsmethoden gezeigt werden, und die Besucher werden die Möglichkeit haben sie auszuprobieren: "In einer modernen Apotheke werden fast keine Medikamente mehr produziert. Da bietet das Museum eine gute Möglichkeit, die Herstellung von Arzneien zu erleben und so besser zu verstehen."

Der Bürgermeister war beeindruckt. "Ich bin vom angestoßenen und umgesetzten Projekt Dr. Lommers überzeugt", sagte er und beglückwünschte den Museumsgründer. Er erinnerte daran, dass er und der Stadtrat das Projekt von Anfang ideell und finanziell an unterstützt haben. "Ich erwarte mir vom Apothekenmuseum im Zusammenspiel mit dem Stadtmuseum, dem Seidelsaal und der Synagoge eine weitere Belebung der Innenstadt und des Luitpoldplatzes", betonte er.

Eröffnung am 9. Oktober

Dr. Markus Lommer ist sich sicher, dass das Apothekenmuseum die hiesige Museenlandschaft bereichern werde. Bei einzelnen Führungen und am Tag des Offenen Denkmals 2014 sei es schon auf reges Interesse gestoßen. Die Eröffnung plant er für Freitag, 9. Oktober.
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