Hofmusiktage schließen mit viel Wissenswertem über den Barockkomponisten aus der Partnerstadt ...
Christoph Kridel - zu Unrecht vergessen

Armin Schmid. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.11.2014
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Die Sulzbacher Hofmusiktage endeten heuer mit einer veritablen Entdeckung: dem Barockkomponisten Johann Christoph Kridel aus Rumburg, der tschechischen Partnerstadt von Sulzbach-Rosenberg. Armin Schmid aus Regensburg erzählte in der ehemaligen Synagoge über Leben und Werk des Organisten, Schullehrers und leidenschaftlichen Lautenspielers, von dessen Nachlass bedauerlicherweise nur wenig erhalten geblieben ist.

Sohn eines Leinwebers

Kridel wurde 1672 in Rumburg im Schluckenauer Zipfel geboren. Kurz vorher hatte eine Nebenlinie der Reichsfürsten von Liechtenstein die Herrschaft in Rumburg übernommen. Sie bauten mit großem Geschick und durch ihren Einfluss am Wiener Hof die nach dem Dreißigjährigen Krieg darniederliegende Wirtschaft der Gegend wieder auf. Kridel, Sohn eines bürgerlichen Leinwebers, erwarb sich eine gute Schulbildung und fand, nach einigen Jahren als Lehrer in Prag und Jicin, als Lehrer und Organist an der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus in Rumburg eine Anstellung.

Gedichte übersetzt

In dieser Zeit begann er die Niederschrift der "Kridel'schen Denkwürdigkeiten und Begebenheiten aus Rumburg", einer Mischung aus Tagebuch und Memoiren. Das Original ist leider heute verloren, aber Auszüge wurden in den 20er Jahren in einer Heimatzeitschrift veröffentlicht und sind erhalten. Hier findet man seine teils auf Latein geschriebenen Gedichte über Schule, Ehe und Musik sowie Beschreibungen der Stadt Rumburg und aktueller Ereignisse. Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer trug einige dieser Gedichte in deutscher Übersetzung vor.

In Bautzen gedruckt

Von Kridels Musik existiert noch das "Neu-eröffnete Blumen-Gärtlein", eine Sammlung sechs religiöser Arien, die 1706 in Bautzen gedruckt wurde. Hiervon gibt es Schallplattenaufnahmen, die der Rumburger Igor Heinz mit tschechischen Sängern und Musikern eingespielt hat. Die Zuhörer in der ehemaligen Synagoge hörten sich einige dieser Aufnahmen an und überzeugten sich so von der hohen musikalischen Qualität der Kridel'schen Stücke.
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