Hosndirlwetzer und Zahnspange

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.10.2015
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Im Lied "Das höchste Dach der Stadt" verarbeitet Matthias Kellner das Ableben zweier Menschen, die ihm viel bedeutet haben: "Ich widme das Lied zwei guten Kumpels, die sich kurz hintereinander das Leben genommen haben", erklärte er bei seinem Konzert im Seidel-Saal.

Der Text ließ bewusst Fragen offen und beschrieb schwierige Entscheidungen, die es zu treffen gilt, um zu sehen, ob Menschen in Krisenzeiten dem Leben gewachsen sind.

Alle Stimmungen

Der 31-jährige Straubinger singt in niederbayerischer Mundart, so wäi eam der Schnobl gwachsn is. Ob witzig, traurig, lebendig, melancholisch oder nachdenklich - die Lieder seines zweiten Albums "Zeitmaschin" decken alle Stimmungen ab und spiegeln größtenteils Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend wider.

"Das Thema Liebe so zwischen 12 und 98 Jahren darf natürlich auch nicht fehlen", meinte Kellner schelmisch. Nüchtern berichtete er von seiner ersten Beziehung, die von Freitag, 29. März, bis Freitag, 29. März, ein paar Stunden später gehalten hatte. Damals machte er sich mit Spezi betrunken und quatschte ein Mädel an. Auf der Tanzfläche tanzten sie dann einen Schleicher, welcher bei ihm Zuhause als Hosndirlwetzer bezeichnet wird.

"Kurz darauf spielten sie dann den Schmachtsong Love Hurts von Nazareth. Dazu haben sich unsere Zahnspangen ineinander verbissen. Wir gingen nach draußen und haben über den ganzen Parkplatz drüber gschmust", erzählte der Musiker staubtrocken.

Oft ergebnislos

Er betonte zudem, dass seine erste Soloplatte "Hädidadiwari" nichts mit Finnland zu tun habe, sondern sich schlichtweg mit dem Abwarten und Nachdenken im Leben befasse, welches oft ergebnislos bleibe. So ermahnte sein Lied "Vielleicht, vielleicht" das Publikum aufzuwachen, das Leben zu leben und es in vollen Zügen zu genießen.

A Fotzn

Mit viel Soul in der Stimme sang er "Meine Sorgen" und arbeitete damit Schulprobleme auf. "Als Schüler houd ma Scheiße baut, a Fotzn kriagt und dann houds wieda passt. Als Erwachsener is des olls niard so einfach", verkündete er mit unschuldigem Blick.

Manchmal bog sich das Publikum vor Lachen über die Pointen aus Kellners Leben - besonders bei der Geschichte von seinem blauen Ford Fiesta, der eine rote Beifahrertür hatte. Getauft wurde das Gefährt auf den Namen Siggi, die Müllhalde. Als ein Polizist sein stark vermülltes Auto auf Drogen inspizierte, öffnete er auch sein Handschuhfach. Ein Fehler. Denn darin lag ein halb aufgegessener Cheeseburger, dessen Käsefäden sich überall ausgebreitet hatten und wie ein Bungee-Seil hin und her wackelten.

Jugenderinnerungen kamen bei vielen hoch, als er von seinen Aufnahmen mit dem Kassettenrekorder erzählte. "Allaweil houd da Sprecher vorn oda hintn neigredt." Sein Lieblingslied hat er mehrfach aufgenommen, um nicht ständig zurückspulen zu müssen. Als sein Rekorder den Geist aufgab, konnte Kellner nur noch ein Lied in Dauerbeschallung hören: "Johnny and Mary" von Robert Palmer.

Dieses sang er nun im Dialekt, um seinen damaligen Ohrwurm mit dem Publikum zu teilen. Ergriffen und begeistert lauschten die Besucher den tiefgründigen Texten, die teils zum Nachdenken anregten. Mit mehreren Zugaben klang das Konzert aus.
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