Im Durchschnitt der Einzelfaktoren fällt die Standortzufriedenheit aber deutlich positiver aus ...
Bei der "Bauchnote" geben Unternehmer nur eine 2,6

Dr. Rolf Pfeiffer: "Wir sind ein guter Standort, müssen aber ... dringend unsere Hausaufgaben machen, damit das so bleibt."
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2015
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Alle fünf Jahre befragt die Oberpfälzer IHK die Mitgliedsunternehmen nach der Zufriedenheit mit ihrem Standort. Die Ergebnisse für den Raum Amberg-Sulzbach diskutierte das örtliche IHK-Gremium bei seiner Sitzung im ACC.

"Industrie, Handel und Dienstleister mit Sitz in Amberg vergaben pauschal eine Schulnote von 2,37. Für den Landkreis ist das Ergebnis mit 2,61 etwas schlechter ausgefallen", fasste Gremiumsvorsitzender Dr. Rolf Pfeiffer laut Pressemitteilung zusammen. Errechne man aber anhand der 48 abgefragten Standortfaktoren einen Durchschnittswert, dann falle das Ergebnis für Stadt wie Landkreis positiver aus als die "Bauchnote".

Die höchsten Zufriedenheitswerte vergaben die Unternehmen für die Energieversorgungs-Sicherheit, die Umwelt- und Lebensqualität, die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter sowie für das Ausbildungsangebot der regionalen Hochschulen. Erhebliche Probleme sehen sie bei der Verfügbarkeit technischer Fachkräfte und Auszubildender, wobei hier die Unternehmen in Amberg noch bessere Chancen sehen, die Stellen zu besetzten, als im Landkreis. Negativ wurde die Höhe der Gewerbe- und Grundsteuer bewertet. Auch hier schneidet der Landkreis schlechter ab als Amberg. Die Ursache dafür liegt für Gremiumsgeschäftsführer Johann Schmalzl insbesondere bei der hohen Gewerbesteuer für die Unternehmen in Sulzbach-Rosenberg.

Unzufrieden sind viele Unternehmer mit der Anbindung an das Internet. Zwei Drittel der Befragten benötigen schon heute Übertragungsraten von mindestens 100 Mbit - und das Datenvolumen werde rasant wachsen. Deshalb erwarten die Betriebe laut IHK-Mitteilung von den Kommunen beim Breitbandausbau Lösungen, die auch die zukünftigen Anforderungen abdecken.

Die Innenstadt ...

"Wir sind ein guter Standort, müssen aber bei der Innenstadtentwicklung in Amberg und bei der Infrastruktur für die Digitalisierung im Raum Amberg-Sulzbach dringend unsere Hausaufgaben machen, damit das so bleibt", resümierte Vorsitzender Pfeiffer. Er forderte, sich künftig mehr an internationalen Vergleichszahlen der Digitalisierung zu orientieren. Diese zeigten noch immer sehr deutlich, dass es erheblichen Nachholbedarf gebe. Bei der Breitbandversorgung, bei installierten Hot-Spots, bei E-Gouvernement-Anwendungen und anderen digitalen Diensten lägen Deutschland und Bayern allenfalls im Mittelfeld vergleichbarer Länder.

Handlungsbedarf sehen die Unternehmen auch bei der Verkehrsinfrastruktur. Hier fassten sie jetzt zwei Projekte ins Auge, für die sie bei der Politik werben wollen. Zum einen fordert das IHK-Gremium den dreistreifigen Ausbau der B 85 von Amberg bis zur A 6, zum anderen den zweistreifigen Ausbau der B 299 von Ursensollen nach Kastl mit Überholstreifen an längeren Steigungen. An die Stadt Amberg richtet sich die Forderung, in den Tiefgaragen auf dem Forum- und Bürgerspitalgelände neben den geplanten Quartiers-Stellplätzen auch öffentliche Parkplätzen zu schaffen. "Nur dann werden die beiden Projekte für Einzelhändler und Dienstleistungsbetriebe attraktiv", meinte Pfeiffer.

Ideen gegen Internet

Ladengeschäfte stünden wegen des Internets sowieso unter Druck, berichtete IHK-Handelsreferent Dr. Matthias Segerer. Regionale Einzelhändler könnten mit Service und Ideen dagegenhalten. "Erfolgreiche Händler erzeugen Emotionen beim Kunden. Sie verkaufen nicht nur ein Produkt, sondern erzählen seine Geschichte und bieten Lösungen."

Die IHK unterstützt ihre Händler bei der Suche nach dem richtigen Shop-Konzept künftig mit kostenlosen Beratungsgesprächen. Johann Schmalzl machte deutlich, dass der Strukturwandel im Handel auch die Kommunen betreffe. "Sinkt die Nachfrage nach Handelsflächen, müssen die Städte sich um Folgenutzung bemühen." Oder sie holen das Internet in die Stadt: Bis 2020 will der Freistaat in Bayern 5000 kostenlose öffentliche Hot-Spots schaffen. Das IHK-Gremium hofft dabei auf viele für die Region.
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