Im Gleitflug nach Gallmünz

Hans Ostermann (rechts) hat die Leidenschaft fürs Fliegen auf seinen Sohn Peter vererbt. Sie präsentieren das Freiflugmodell, das kurz nach dem Annabergfest seinen Jungfernflug am Nordhang absolvieren wird. Bild: Royer
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.07.2015
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Die Annaberg-Fliegerei hat Tradition. Viele Kinder bringen ihre Flugmodelle beim Annabergfest zum Nordhang, um den Weitenrekord zu brechen. Der Ursprung dieses Spaßes reicht aber ins Jahr 1960 zurück. Damals lud die Luftsportgruppe per Lautsprecher in der Stadt zu ihrem ersten Annaberg-Modellflugtag ein.

Was vor 55 Jahren die Männer der "ersten Flugstunde" - übrigens im Herbst außerhalb der Annabergfestwoche - zu dieser publikumswirksamen Aktion antrieb, war die reine Freude an ihrem Hobby, der Fliegerei. Hans Ostermann (78) gehörte zu diesen Pionieren. Jetzt nimmt sein Sohn Peter dieses Jubiläum zum Anlass für einen großen Annaberg-Modellflugtag am Donnerstag, 30. Juli.

Großes Spektakel

Doch fragen wir zunächst beim Senior nach, wie es zu diesem ersten großen Spektakel am Nordhang kam. Der leidenschaftliche Segelflieger nennt Namen wie Fritz Dorn, Wolfgang Biesen, Paul Strobl alias "Torpedo-Paul", Hans Schütz, Fritz Weiß oder den Hambeck-Lehrer - sie allen waren Flug-Enthusiasten und wollten dieses Hobby auch nach dem leidvollen Krieg in der Herzogstadt nicht in Vergessenheit geraten lassen.

"So 1949 oder 1950 ging es los, als die Ami das Flugverbot für Deutsche aufhoben. Am sogenannten Holzweg (Nähe Meier-Beton, d. Red.) stellten wir eine ehemalige MH-Baracke auf, wo sich die 1951 gegründete Luftsportgruppe (LSG) regelmäßig traf. Eines unserer ersten Projekte war der Bau eines ,Doppelraab', dessen Jungfernflug am 19. September 1953 über die Bühne ging."

Echter Ansturm

Auch das Interesse der Jugend habe nicht lange auf sich warten lassen. Sie traf sich zur Gruppenstunde jeden Donnerstag im Vereinsdomizil. Als Vorzeige-Tag für die Jugend war schließlich der Modellflugtag im Herbst 1960 am Annaberg gedacht, lässt Hans Ostermann als Gründungsmitglied der LSG wissen. "Was sich dann dort am Nordhang abspielte, war schon unglaublich. Mehr als 1000 Schaulustige kamen, um uns bei den Gleitflügen mit vielen Modellen, die wir aus der Hand starteten, zuzuschauen. Damit rechnete niemand, weshalb es auch keine Getränke oder Imbiss gab. Aber es war eine Schau, denn zwei unserer Modelle sind bis zu den unteren Weihern Richtung Gallmünz gesegelt", freut sich Ostermann noch heute.

Sein Sohn Peter, Jahrgang 1961, hat die Leidenschaft des Vaters längst verinnerlicht. Er ist ebenfalls Flieger und Modellbauer. Jetzt knüpft er an die Tradition der Annaberg-Flugtage an: Er richtet dort einen Modellflugtag (Info: 09661/94 55) am 30. Juli um 16 Uhr aus, bei dem alle Interessierten mitmachen können, ob mit oder ohne eigenem Flugobjekt.

Eigenes Modell bauen

Im Pflasterzollhaus kann dann am Mittwoch, 9. September, um 10 Uhr ein Segelflugmodell unter Anleitung gebaut werden, danach geht's zu ersten Testflügen. Hans Ostermann wird aber schon am 30. Juli mit dabei sein, denn er hat sein Modell ja schon seit 55 Jahren fertig, wie er schmunzelnd anfügt.
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