Im Niemandsland mit Charme

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.06.2015
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Handyfreie Zone als Ausflugsziel oder gar Urlaubsdomizil? Oed und die taz machens möglich. Auf der Suche nach dem "blöden Ö" stieß die Zeitung auf den Namen des kleinen Orts bei Weigendorf. Eine Seite, vertrieben in ganz Deutschland, kam dabei heraus. Hinterher gab es durchaus unterschiedliche Einschätzungen über die Wirkungen des Artikels.

Inzwischen liegt das Ganze schon eine Weile zurück, als sich Reporterin Lisa Schnell bei Franz Müller, einem freien Mitarbeiter unserer Zeitung, gemeldet hatte. Sie sei auf der Suche nach "Ö", habe sie ihm am Telefon gesagt: "Und am anderen Tag war sie schon da. Ich war da gar nicht so recht drauf gefasst", erinnert Müller sich jetzt. Gefunden habe sie den Gesprächspartner, wie die Autorin es beschrieb, "im blinden Fleck der Zivilisation, im Niemandsland".

Hier stehe die Zeit still, zitierte sie Franz Müller. "Ich wohne da, wo andere in Urlaub fahren", habe er der Journalistin erzählt. Und er habe auch von der Stille gesprochen, die einen nach nur ein paar Schritten umgebe, vom Entenschnattern, das ihn jeden Morgen wecke.

Nicht sauer

Auf ein Interview, und dass er darin den führenden Part ausmachen würde, sei er nicht gefasst gewesen, sagt er heute mit dem Abstand einiger Wochen. Nein, sauer ist er deshalb nicht wirklich, aber Müller meint schon auch: "Der Artikel hat mir nicht so besonders gefallen."

Landrat Richard Reisinger sorgte sich in kleiner Runde - wenn auch ein wenig scherzhaft - gar um seine Touristiker. Er bezog sich auf die im taz-Artikel geschilderte Abgeschiedenheit von Oed, auf die Formulierung, dass "Würste Bauernseufzer heißen", aber auch darauf, dass es hier keine Bank, keinen Supermarkt, kein Kino, keine Bushaltestelle und nur eine Stelle gebe, auf dem das Display des Handys wenigstens einen Empfangsbalken zeige: etwa 14 Schritte einen kleinen Fußweg den Berg hinauf - vor einer großen Efeuhecke.

Raus aus Gewurstel

Dass man alledem auch reichlich etwas abgewinnen kann, hatte Gabriele Bräutigam der taz-Frau Schnell recht ausführlich dargelegt. Die Besitzerin der dortigen Oedmühle gab zwar gegenüber der Reporterin zu, dass "Oed genauso öd ist, wie es klingt".

Aber das sei eben das Geheimnis hinter Oed: "Hier bist du raus aus dem Gewurstel und Gewusel." So sieht es die Buchautorin und Kräuterführerin auch nach dem Erscheinen des Artikels, den Bräutigam für "insgesamt sehr lustig" hält.

Sie, die früher in Nürnberg gelebt hat, weiß die Vorzüge von Oed durchaus zu schätzen: eine Metzgerei mit Gasthof, zu dem es am Mittwoch zur Schlachtschüssel Wallfahrten gibt, eine Demeter-Bäckerei, die der Feinschmecker als eine der besten in Deutschland empfiehlt, die vom Bayerischen Denkmalschutz ausgezeichnete Oedmühle und eine deutschlandweit gebuchte Wildkräuter-Expertin (Gabriele Leonie Bräutigam "Wilde Grüne Smoothies"), deren Kurse von Interessierten aus ganz Deutschland besucht werden.

Produktiver Mangel

Und das bei nur 120 Menschen in 30 Häusern. Das lässt Gabriele Bräutigam trotz - oder gerade wegen - des taz-Artikels zu folgendem Fazit gelangen: "So produktiv ist der Mangel an Unterhaltungsindustrie und Handyempfang." Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. (Hintergrund)
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