In der Rolle des Muslims

Tee und Gebäck - in muslimischer Tradition Zeichen der Gastfreundschaft - genossen die jungen Polizisten in der Begegnungsstube Medina. Bilder: hfz (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.02.2015
114
0

Für die meisten angehenden Polizisten war es eine ganz neue interkulturelle Erfahrung, im Gebetsraum in die Rolle eines Muslims zu schlüpfen. Oder sogar in die Kleidung eines Imam.

Neuland betraten die Auszubildenden des 27. Ausbildungsseminars der Bereitschaftspolizei, als sie sich mit der Weltreligion des Islam beschäftigten und die Begegnungsstube Medina in Nürnberg besuchten. Die Unterrichtseinheiten im Fach Berufsethik standen unter dem Eindruck der jüngsten Terror-Anschläge, bei denen auch Polizeibeamte getötet worden waren.

Drei Anwärter erzählen

Im theoretischen Unterricht erfuhren die Auszubildenden, dass der Islam mit etwa 1,6 Milliarden Gläubigen weltweit die zweitgrößte Religionsgemeinschaft nach dem Christentum ist. Die Polizeimeister-Anwärter Mustafa Ünal, Özgür Aytan und Egzonit Tafaj - allesamt türkischstämmige bekennende Muslime - erläuterten ihren Klassenkameraden die inhaltlichen Grundzüge des Islam. Sie beantworteten auch gerne Fragen wie "Stehen die Sitten und Bräuche mit der westlichen Kultur in Konflikt?" oder auch "Wie wird der Islam in der heutigen Zeit von Muslimen gesehen?".

Gegen Vorurteile

Dann ging es nach Nürnberg in die Begegnungsstube Medina, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Begegnungsmöglichkeiten für Muslime und Andersgläubige zu schaffen, um einander kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und so zum friedlichen Miteinander beizutragen. Der Verein dazu ist eine gemeinnützige Einrichtung, der sowohl Muslime als auch Christen angehören.

Dessen Vorsitzender Talip Iyi stellte die fünf Säulen des Islam vor, insbesondere die Pilgerfahrt nach Mekka. Er zeigte dabei immer wieder Parallelen mit dem Christen- und dem Judentum auf. In Anwesenheit der beiden Polizeiseelsorger Dorothea Jüngst und Matthias Herling wurden auch die Lage im Nahen Osten und die Problematik mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nicht ausgespart.

In dem zur Begegnungsstube gehörenden Museum besichtigten die Polizeischüler Trachten und Kulturgüter. In die Rolle eines Muslims konnten sie sich im Gebetsraum versetzen. Dort stellte ihnen Iyi die wesentlichen Elemente des Gebets vor. Interessierte durften die Kleidung eines Imam tragen. Am Ende wurden Tee und Gebäck serviert. Erster Hauptkommissar Helmar Termer dankte Iyi für die Gastfreundschaft.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.