In Deutschland am Ziel

Der Kalinka-Chor unter der Leitung von Leonid Zadovschi ist ein Beispiel für gelebte Integration.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.09.2015
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2,8 Millionen deutsche Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR kamen seit den 1990er Jahren zurück in das Land ihrer Vorfahren, dank geduldiger Diplomatie und erfolgreicher Entspannungspolitik. Jetzt wurde im LCC eine Wanderausstellung über "Deutsche aus Russland - Gestern und Heute" eröffnet.

"Wir wissen alle, welch hohe Herausforderung die Zuzugszahlen der 90er Jahre von Deutschen aus Russland für unsere Gesellschaft darstellten", begann Landrat Richard Reisinger. Er erinnerte, dass es damals nicht nur offene Türen und Herzen gab: "Da wurden und werden zum Teil noch unsere Landsleute summarisch als Russen tituliert, da sie natürlich auch Jahrzehnte und Jahrhunderte einer anderen, dominierenden Kultur ausgesetzt waren." Dies sei für Landsleute aus dem Osten besonders schmerzlich gewesen, da sie in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion oftmals als Deutsche besonders diffamiert worden seien.

Aber viele Einheimische haben sich aktiv an der Integration beteiligt, führte der Landrat aus und hob besonders das Engagement der Landkreisvolkshochschule mit ihrem Leiter Manfred Lehner und der Landkreis-Integrationsbeauftragten Irma Axt sowie einem großen Team an Ehrenamtlichen hervor.

Als Qualitätsbeauftragter

Jakob Fischer, Projektleiter der Ausstellung, stellte drei Spätaussiedler vor, die sich erfolgreich in Sulzbach-Rosenberg integriert haben. Sie berichteten über ihren Werdegang und erklärten, dass sie froh sind, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, da sie hier ihre Ziele erreicht haben. Alexander Bejbulatow kommt aus Kasachstan und lebt seit 23 Jahren in Deutschland. Er hat eine Ausbildung zum Industrieelektriker gemacht, anschließend besuchte er die Technikerschule. Zurzeit arbeitet er als Qualitätsbeauftragter bei Siemens in Amberg.

Natalia Künstler war in Russland Informatiklehrerin. In diesem Beruf kann sie hier nicht arbeiten. Deshalb hat sie eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten gemacht und sich zur zahnmedizinischen Abrechnungsmanagerin fortgebildet. In diesem Beruf ist sie jetzt beschäftigt.

Natalia Vogel war in Russland Grundschullehrerin und hat sich hier nach einer Umschulung mit einem Kosmetiksalon selbstständig gemacht.

Dann führte Fischer in die Ausstellung ein. Mit Tafeln und Schaubildern, informativen Texten und vielen Fotos wird die Geschichte der Deutschen in Russland darstellt, beginnend beim Einladungsmanifest der Zarin Katharina der Großen 1763, über blühende deutsche Siedlungen vor allem an der Wolga bis zum Leid der Deutschen unter Stalin. Damals galten sie als Verräter, wurden nach Sibirien verschleppt und in Arbeitslagern ausgebeutet. Viele starben an Hunger, Kälte und Entkräftung.

Vielfach Vorurteile

Auch nach dem 2. Weltkrieg durften sie lange nicht in ihre alten Siedlungsgebiete zurückkehren, und ihre Rehabilitation ist immer noch nicht vollständig. Viele Russlanddeutsche sind deshalb ab den 1990er Jahren nach Deutschland ausgewandert. Hier, zeigt die Ausstellung, sind sie vielfach Vorurteilen begegnet. Schließlich wird gezeigt, wie ihre Integration gelingt. Das prominenteste Beispiel, wie Russlanddeutsche in ihrer neuen alten Heimat Fuß fassen, ist wohl die Sängerin Helene Fischer.

Auch das Rahmenprogramm der Ausstellungseröffnung zeigte gelebte Integration. Der Kalinka-Chor unter der Leitung von Leonid Zadovschi und der von Erna Horn initiierte Tanzkreis "Von Fremden zu Freunden" gestalteten den Abend mit Liedern und Tänzen.
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