Ins Rabenholz geschlüpft

Mit der Heißklebepistole befestigt Stadträtin Bettina Moser (Zweite von links) den krönenden Stern auf dem Dekostab, unterstützt von Ergotherapeutin Janine Dittberner (Dritte von links), Einrichtungsleiterin Kerstin Fink (links) und einer Bewohnerin (rechts). Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
01.12.2015
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Mit kritischem Blick betrachtete die Stadträtin Bettina Moser die bunten Keramikkugeln auf dem Tisch. Welche passen farblich zusammen? Während der "Aktion Rollentausch" in den Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands verbrachte sie einen Vormittag in Haus Rabenholz, einer Einrichtung für psychisch Kranke.

Zusammen mit Bewohnern und einer Ergotherapeutin steckte die Stadträtin Dekostäbe für den Garten zusammen. Auf einen langen Gewindestab schraubte sie eine Mutter und wechselte große und kleine Kugeln, Sterne und Blüten ab, bis eine prächtige saisonunabhängige Tonblume entstand. "Das ist gar nicht so leicht", stellte sie fest, als sie ihr Werk wieder auseinandernehmen musste, weil sie die Unterlegscheiben vergessen hatte. Moser wirkte nur beim letzten Arbeitsschritt mit. Die getöpferten Kunstwerke entstehen komplett in Haus Rabenholz. Vom Anrühren des Tons über Formen und Glasieren bis zum Brennen und Dekorieren machen alles die Bewohner. Schließlich werden die Arbeiten auf dem Basar verkauft.

Möhren in Scheiben

Auch Bezirks- und Kreisrat Richard Gaßner und Bürgermeister Michael Göth schnupperten in die Arbeit der Einrichtung hinein. So half Göth in einer Wohngruppe, die Kartoffelsuppe für das Mittagessen vorzubereiten und schnitt sorgfältig die Möhren in dünne Scheiben.

Schließlich kamen Moser und Göth mit den Einrichtungsleiterinnen Kerstin Fink und Susanne Bauer sowie einigen Bewohnern zum Gespräch zusammen. Wie Moser berichtete, kennt sie aus dem Bus einige Bewohner vom Sehen. In den Gesichtern sieht sie, wie sie im Lauf der Zeit offener werden. "Ich merke, dass das Haus ihnen gut tut", sagte die Politikerin, "deshalb habe ich es einmal von innen kennenlernen wollen."

Um alle Menschen

Moser, die sich im Ausschuss für Jugend, Familie, Behinderte und Senioren engagiert, findet es wichtig, sich um alle Menschen zu kümmern: "Egal welchen Alters, welcher Schicht oder welcher Lebenssituation, es lohnt sich."

Dem Bürgermeister liegt daran, die Kontakte zwischen Stadt und Haus Rabenholz zu intensivieren. Darin ist er einig mit Bauer, weil sie immer wieder beobachtet, dass es Vorurteile gegen psychisch Kranke gibt. Die Bewohner schlugen deshalb vor, eine Ausstellung in der Stadt zu organisieren, damit die Bevölkerung sieht, "dass wir nicht doof sind."
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