Interview: Sepp Lösch über Laienschauspielerei, Liköre und seine Liebe zur Heimat
Mit Leidenschaft und Toleranz

"Ein Stiber thut nicht fliehen", hieß es 2004 beim historischen Spiel zum 500. Jubiläum der Belagerung Sulzbachs. Sepp Lösch (Mitte) wirkte dabei natürlich als Hauptmann Stiber auch aktiv mit. Er war - wie sollte es anders sein - auf der Schanze der Turm in der Schlacht gegen die Amberger. Archivbild: Hartl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.10.2014
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Er hat einen straffen Terminkalender und trotzdem Zeit für die Familie und seine "grüne Oase". Sepp Lösch engagiert sich bei vielen Sulzbach-Rosenberger Vereinen, tritt als Laienschauspieler und Regisseur in Erscheinung, musiziert gerne mit seiner Gattin, schreibt Geschichten und Theaterstücke.

Außerdem hält er Vorträge und Fastenpredigten, und tritt als Albrecht Stiber in historischen Gewändern in Erscheinung, um nur einiges zu nennen. Unsere Redaktion hat den Rosenberger Patrioten aus aktuellem Anlass etwas näher unter die Lupe genommen, denn er spricht beim Förderverein Stadtmuseum am nächsten Montag über das unterhaltsame Thema "Von Rose, Eisen und Berg".

SRZ: Herr Lösch, seit einigen Jahren sind Sie im Ruhestand. Wenn man Ihre vielen Aktivitäten betrachtet, ist das doch eher ein "Unruhestand"?

Sepp Lösch: Doch, in etwa schon, denn für mich war immer klar, dass ich irgendwann zwar meinen Beruf, aber nicht meine geliebten Hobbies an den Nagel hängen würde.

Sprechen wir über ihre "grüne Oase" in Rosenberg. Wie sind Sie zu diesem Wissen über Gartenpflanzen, Obst und Gemüse gekommen?

Lösch: Diese Leidenschaft verdanke ich wohl meinem Vater, der auch schon ein passionierter Gartler gewesen ist. Und weil meine Frau Renate genauso grün angehaucht ist wie ich, war der Weg zur "Oase" eigentlich vorgezeichnet, als wir vor rund 30 Jahren unser Haus samt Gartengrundstück in Rosenberg erworben hatten. Klar, das Wissen vom naturnahen Garten fliegt einem nicht zu: Da heißt es lesen, lesen, lesen - und vor allem immer von erfahrenen alten Hasen lernen.

Mit der Pflanzenbörse, der Herstellung von Likören und Marmeladen haben Sie einen Volltreffer gelandet, sehen Sie das auch so?

Lösch: Wenn man so etwas wie eine öffentliche Pflanzenbörse anleiert, freut man sich schlicht und ergreifend übers positive Echo. Und genau so erfreut registriert man, wenn sich auch andere fürs Selbermachen, fürs Hausgemachte begeistern lassen. Das sind kleine Hoffnungssignale in einer Zeit, in der eine Nahrungsverfälschungs-Industrie uns zunehmend Ungenießbares in Plastikmüll auftischt.

Sie sind sehr vielseitig begabt, haben viele Termine. Wie bringen Sie das auf die Reihe? Kommt dabei Ihre Familie nicht etwas zu kurz?

Lösch: Manchmal geht es in unserem Terminkalender schon drunter und drüber, das muss ich gestehen. Das Wichtigste ist dabei, dass meine Frau erstens mein zuverlässiges "Büro" ist und zweitens die meisten meiner Steckenpferde genau so gerne und engagiert reitet, wie ich selber. Stichwort Familie: Sie steht für uns beide immer an erster Stelle, und bei acht Enkelkindern ist man schon stärker gefordert.

Ihnen liegt Rosenberg besonders am Herzen. Wie definieren Sie persönlich den Begriff "Heimat"?

Lösch: Im Umgang mit dem Begriff Heimat rate ich zur Vorsicht. Er ist viel zu oft missdeutet, missbraucht und missachtet worden, und heutzutage wird er noch dazu gnadenlos vermarktet. Zuhause fühle ich mich überall, wo ich Toleranz und freundliches Miteinander erlebe. Aber meine Heimat ist schon Rosenberg, hier bin ich geboren, hier habe ich meine Wurzeln und, etwas "g'schwolln" formuliert: Rosenberg ist mein persönliches Kraftfeld.

Was fasziniert Sie so an der Persönlichkeit des Albrecht Stiber von Buttenheim, den Sie beim Stiber-Fähnlein so treffend darstellen?

Lösch: Ich weiß viel zu wenig über Person und Wesen des Albrecht Stiber, um fasziniert zu sein. Heldenverehrung liegt mir ohnedies nicht, aber als uns vor etwa 15 Jahren Klaus Faltenbacher die Mitarbeit im Stiber-Fähnlein nahe legte, war es nur ein kurzer Schritt zur Entscheidung, in historischen Gewändern den namensgebenden Albrecht Stiber und seine Gemahlin zu verkörpern.

Die Adventszeit naht, sind Sie wieder beteiligt an den Vorbereitungen der zweiten Rosenberger Dorfweihnacht?

Lösch: Es wird die 2. Rosenberger Dorfweihnacht geben, dass war uns klar nach dem tollen Erfolg der Premiere. Als Veranstalter fungieren erneut die Rosenberger Kirwagemeinschaft und die Tischgesellschaft Edelweiß. Übers Programm wollen wir noch nicht viel verraten, nur eines: Es wird bestimmt wieder sehr kuschelig-gemütlich und unterhaltsam zugehen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Stadtteils Rosenberg?

Lösch: Wir haben uns mit anderen aktiven und begeisterungsfähigen Leuten immer dem Pessimismus und dem drohenden Dornröschenschlaf entgegen gestemmt. Stichworte dafür: Rosenberger Kirwa, Rosenfest und Rosenpfad, Gänsangerfest, Dorfweihnacht, Krippenweg und so manches andere mehr. Da bleiben wir auch künftig am Ball.

Aber das allein ist nicht genug. Rosenberg braucht noch kräftig öffentlichen Anschub und privaten Investorenmut, bis die Wunden und Narben des Niedergangs der "Stahlepoche" wirklich abgeheilt sind.

Als ehemaliger Leiter der SRZ-Redaktion wurden Sie auch mit dem Konkurs der Maxhütte konfrontiert. Beschäftigt Sie das Thema heute noch?

Lösch: Nach dem jahrzehntelang dauernden Ringen um einen Stahlstandort, der längst vor der endgültigen Werksschließung auf dem Altar politischer, konzern- und privatwirtschaftlicher Interessen geschlachtet war, empfand ich die plötzliche Stille um uns herum (und damit meine ich nicht nur das Fehlen der Lärmemissionen des Werks) zunächst als durchaus angenehm.

Jetzt irritiert mich zunehmend, dass fast nichts mehr zu hören ist von Bewahrung der Hüttentradition, industriellem Museumskonzept, Aufarbeitung der Maxhüttengeschichte usw. Schleichen sich da vielleicht die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft klammheimlich über den Schlackenberg davon? (Zum Thema)
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