Interview zum Wandel der Krankenhäuser zehn Jahre nach Überführung in Kommunalunternehmen
Entscheiden hilft überleben

Der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens mit Vorstand Klaus Emmerich und Landrat Richard Reisinger (vorne Mitte, von links) hat gesprochen: 2015 gibt es ein großes Fest zum Zehnjährigen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.12.2014
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Rasant ist der Wandel im Gesundheitssektor: Immer schneller müssen Kliniken auf den Markt reagieren, um zu überleben. 2005 wagten die zwei Landkreis-Häuser den wichtigen Schritt ins Kommunalunternehmen. Hätten sie es nicht getan, wären beide vielleicht schon Geschichte.

Zehn Jahre ist es am 1. Januar 2015 her, dass das St.-Anna-Krankenhaus und die St.-Johannes-Klinik in ein modernes Kommunalunternehmen überführt wurden. Bis dahin fungierten beide Krankenhäuser als "Regiebetriebe" beziehungsweise "Sachgebiete" des Landkreises. Auf einer Klausurtagung beschloss der Verwaltungsrats im November 2014, gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kommunalunternehmens im Sommer 2015 ein großes Fest zu feiern.

Was hat sich seit der Gründung des Kommunalunternehmens geändert? Was hat die gesellschaftliche Selbständigkeit des Kommunalunternehmens gebracht? Wie geht es mit beiden Krankenhäusern weiter? Im Gespräch erläutern Landrat Richard Reisinger und Vorstand Klaus Emmerich die gravierenden Veränderungen, die sich seitdem für beide Krankenhäuser ergeben haben.

Redaktion: Herr Emmerich, wie muss man sich die Zeit vor Gründung des Kommunalunternehmens vorstellen. Was war damals anders?

Krankenhäuser als Regiebetriebe wären heute nicht mehr vorstellbar. Als Sachgebiete waren das St.-Anna-Krankenhaus und die St.-Johannes- Klinik vollständig in die Organisation- und Verwaltungsstruktur des Landratsamtes eingebunden. Die Klinikleitung hatte nur geringe finanzielle Kompetenzen. Gravierende Entscheidungen benötigten gleich mehrere Beschlüsse. In Bauaktivitäten etwa waren Krankenhaus- und Finanzausschuss, Liegenschaftsamt, Kreisausschuss und Kreistag eingebunden.

Heute ist das anders. Operative Entscheidungen trifft der Vorstand, strategische Entscheidungen fallen im Verwaltungsrat gemeinsam mit dem Vorstand. Lediglich für Grundstücksangelegenheiten wird zusätzlich der Kreisausschuss oder Kreistag benötigt. Alles geht viel schneller.

Warum sind schnelle Entscheidungen so wichtig?

Das Gesundheitswesen ist einem ständigen Wandel unterworfen. Anpassungen an diesen Wandel müssen kurzfristig erfolgen.

Gibt es da praktische Beispiele?

Kurz vor und nach der Gründung des Kommunalunternehmens gab es nur wenige strategische Entscheidungen für beide Häuser. Wichtigste Beschlüsse waren 2002 bis 2012 die Gründung einer Fachabteilung Akutgeriatrie in der St.-Johannes-Klinik sowie die chirurgische Kooperationen mit der Orthopädengemeinschaft Amberg und der Praxisklinik Drs. Pöllath/Scherer.

In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Prozess deutlich beschleunigt: Am St.-Anna-Krankenhaus betrifft das die Großsanierung des Krankenhausgebäudes, Errichtung des Fachärztezentrums, Eröffnung eines Übergangs-Gebäudes für die Krankenpflegeschule, Stärkung des Notfallstandortes, Einführung der Wirbelsäulenchirurgie, Aufnahme gefäßchirurgischer Eingriffe, Eröffnung einer Filialpraxis für Herzschrittmacherkontrolle.

In der St.-Johannes-Klinik erhöhten wir die Bettenzahl zugunsten zusätzlicher Reha-Plätze und eröffneten eine chirurgische Filialpraxis. Veränderungen in diesem Umfang in nur zwei Jahren wären als Regiebetrieb nicht umsetzbar gewesen.

Sind damit Ihre Vorhaben abgeschlossen?

Keineswegs. Die Krankenhaussanierung wird uns noch Jahre beschäftigen. 2015 gestalten wir einen modernen, hotel-ähnlichen Eingangsbereich mit Caféteria und eine neue Entbindungsstation. Gleich zum 1. Januar 2015 eröffnen wir eine Radiologische Fachabteilung, geleitet von einem Radiologen. Teleradiologische Aufnahmen erfolgen am Wochenende und in der Nacht über moderne Diagnostik aus dem Klinikum Nürnberg, einem Krankenhaus der Maximalversorgung. Das verbessert die Diagnostik in St. Anna und St. Johannes spürbar. Außerdem planen wir noch eine weitere medizinische Leistung quasi "als Überraschung".

Gibt es ein besonderes Motto des Verwaltungsrats oder des Kommunalunternehmens für 2015?

Für beide Häuser haben wir 2015 das "Jahr der Qualität" ausgerufen. Qualität wird zum Top-Thema der Klinikleitung. Qualitätsmanagementbeauftragter des Unternehmens ist seit 1. Dezember 2014 der stellvertretende Vorstand Roland Ganzmann, ihm obliegt zum Beispiel die Erstzertifizierung eines neu gegründeten Endoprothetik-Zentrums am St.-Anna-Krankenhaus.

Der Ärztliche Direktor Dr. Klaus Nester konzentriert sich auf medizinische Behandlungsqualität und ist Mitglied der Qualitätsmanagement-Konferenz. Wichtige Themen sind Patientensicherheit und Hygiene.

Wozu dieser Aufwand?

Mit dieser Aktion liegen wir ganz im Trend der Gesundheitspolitik, die die Qualitätsauflagen aktuell erhöht. Unser Signal an Patienten und niedergelassene Ärzte der Region lautet: Als Patient bin ich im Kommunalunternehmen bestens aufgehoben.
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