Jetzt ziehen sie die Trumpfkarte

In diesem Ausbau-Zustand ist auf der Route Nürnberg-Amberg-Schwandorf-Prag angesichts heutiger Eisenbahntechnik kein Staat mehr zu machen. Deshalb werfen die CSU-Mandatsträger der Region ihr gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale der Forderung nach der Elektrifizierung dieser Strecke. Bild: Huber
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.08.2015
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Bayern ist noch in Ferienlaune, das politische Berlin geht nach der Sommerfrische wieder zur Alltagsarbeit über. Deshalb steht dort noch im Herbst eine Entscheidung an, deren Dimensionen für die Region ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

(zm) Um genau zu sein, bis 1859. Damals erreichte der Eisenbahnbau von Regensburg kommend Irrenlohe bei Schwandorf, um sich dort nach Amberg und Weiden zu verzweigen. 166 Jahre später sitzen CSU-Mandatsträger aus der Region bei einer Pressekonferenz zusammen. Sie geben bekannt, gerade eine Resolution unterzeichnet zu haben, die sie nach Berlin schicken werden. Darin appellieren sie eindringlich, die Bahnstrecke Nürnberg-Amberg-Schwandorf-Prag zu elektrifizieren.

Über ein Jahrzehnt

Das klingt einfach. Dahinter steckt jedoch harte politische Arbeit, die bereits vor mehr als zehn Jahren von Mandatsträgern, die teilweise nicht mehr mit am Tisch sitzen, in Angriff genommen worden war. So hat auch der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier, der den Wahlkreis Schwandorf/Cham vertritt, diese Aufgabe von seinem Vorgänger übernommen und seither in Berlin gewaltige Brocken aus dem Weg geräumt. Jetzt spricht er von der "heißen Phase" eines sehr komplexen Entscheidungsprozesses.

Realistisch betrachtet, geht es in den nächsten Monaten um alles oder nichts. Deshalb diese Resolution. Konkret richtet sie sich an die Bundesregierung und Bayerische Staatsregierung. Die CSU-Politiker erheben darin die Forderung, ihren Elektrifizierungs-Wunsch als einen Teil der "Metropolenbahn" zu bewerten und damit in den "Vordringlichen Bedarf Plus" des neuen Bundesverkehrswegeplans aufzunehmen. Hinter dieser gestelzten Formulierung verbirgt sich die Tatsache, dass über Jahre hinweg eine Trassenführung Nürnberg-Marktredwitz-Eger-Prag favorisiert und eigentlich auch zugesagt wurde.

Kleckern bringt nichts

Erst später kamen Überlegungen hinzu, die südlichere Variante durch die Mittlere Oberpfalz nicht außer Acht zu lassen. Wohl auch, darauf verwies die Runde nicht nur einmal, weil diese alte gleisgebundene Ost-/West-Route Prag-Pilsen-Furth im Wald-Schwandorf von tschechischer Seite her favorisiert wird.

Prag sei vordringlich an einer möglichst leistungsfähigen Verbindung nach München und weniger in die Oberpfalz interessiert, räumten Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny und Landtagsabgeordneter Harald Schwartz durchaus ein. Doch ein gemeinsam auf den Weg gebrachtes Gutachten habe ergeben, dass die größte Lösung zugleich die wirtschaftlichste darstelle. Denn die Kosten-/Nutzen-Rechnung für den parallelen Ausbau der oberfränkischen und Oberpfälzer Streckenführung bei der bereits geplanten Elektrifizierung der Route Regensburg-Hof schneide laut Expertise am besten ab. Keine Variante für sich alleine erreiche diese auf 30 Jahre gerechnete Rentabilität, wurde mehrfach betont, wobei die südliche Ausbauoption durch die Oberpfalz isoliert betrachtet bereits die Kriterien einer positiven Bilanz aufweise.

Entscheidung steht an

"Ich glaube schon, dass wir ganz gute Karten haben", sieht Holmeier durchaus optimistisch den nächsten Wochen entgegen. Doch Klappern gehört auch zum politischen Handwerk, und die Mandatsträger quer durch die Mittlere Oberpfalz wollen sich nicht durch Einzelinteressen auseinanderdividieren lassen. Auch das soll die Resolution unterstreichen. Derzeit, so Holmeier und seine Amberger Fraktionskollegin Barbara Lanzinger, arbeitet das Berliner Verkehrsministerium an der abschließenden, internen Bewertung der zur Aufstellung des neuen Bundesverkehrswegeplans eingereichten Projekte, und es sind sehr viele.

Danach könnten noch Fachstellen gehört werden, dann gehe der Entwurf ins Bundeskabinett. Damit wird noch im Herbst gerechnet. Die Verabschiedung im Bundestag steht dann im nächsten Frühjahr an. Ihr Realitätssinn, das klang offen durch, sagt den an dieser Pressekonferenz beteiligten Mandatsträgern allerdings klipp und klar: Wenn ihre Vorstellungen es nicht in die Kategorie "Vordringlicher Bedarf Plus" schaffen, dann sind sie erst einmal auf St. Nimmerlein verschoben. Denn der Investitionsbedarf ist riesig.
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