Josef Christ als Ehrenbürger von Mankovice ausgezeichnet
Verständnis überwindet Grenzen

Auf dem Friedhof von Mankendorf gedachten (von links) Bürgermeister Miroslaw Svajda, Josef Christ und die ihn begleitenden Landsleute ihrer Vorfahren.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.10.2014
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Mankendorf ist ein tschechisches Dorf im Kuhländchen. Im Haus Nr. 85 kam 1931 Josef Christ zur Welt, 1946 musste er seine Heimat verlassen. 68 Jahre später ist er erster Ehrenbürger von Mankovice. Eine Auszeichnung, die selten und von tschechischer Seite aus auch mutig ist.

Einen "Brückenbauer für den Frieden" hat die Sulzbach-Rosenberger Zeitung Josef Christ Anfang Juni dieses Jahres genannt. Damals wurde bekannt, dass der ehemalige Lehrer an der Berufsschule und langjährige Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz Ehrenbürger in seiner tschechischen Heimatgemeinde Mankendorf werden soll.

Jetzt bekam er bei einem deutsch-tschechischen Kulturtag die Ernennungsurkunde. Mit ihm freuten sich eine Delegation aus rund 45 aus dem Kuhländchen vertriebenen Landsleuten, ebenso aber auch die heutigen Bürger von Mankovice.

Kulturgüter gerettet

In stiller aber konsequenter Arbeit hat sich Josef Christ seit Jahrzehnten für die alte Heimat engagiert. Er trug dazu bei, Kulturgüter vor dem Verfall zu retten. Es gelang ihm, Mankendorfer für Gemeinschaftsprojekte zu begeistern, er machte vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds Zuschüsse locker, wurde Ortsbetreuer seines Heimatortes.

Die Zusammenarbeit zwischen den Landsleuten hüben und drüben entwickelte sich dadurch zur deutsch-tschechischen Verständigung und Versöhnung, zur Friedensarbeit.

Die Mankendorfer dankten es ihm mit dieser wohl einmaligen Ehre. Eine tschechische Delegation überbrachte im Frühjahr dem überraschten Christ die Nachricht der geplanten Ernennung zum Ehrenbürger, die der Gemeinderat einstimmig beschlossen hatte. Der Festakt war am 27. September in Mankendorf und geriet zu einem unvergesslichen Erlebnis für den Geehrten und die Freunde und Landsleute, die ihn dazu in die alte Heimat begleitet hatten. Es war eine von vielen Fahrten ins Kuhländchen, die Josef Christ im Lauf der Jahre organisiert hat, diesmal aber stand er im Mittelpunkt eines festlichen Tages, den die Gemeinde, ohne Kosten und Mühen zu scheuen, für die Delegation aus Deutschland gestaltete.

Schon der Empfang der Gäste war überaus herzlich, sie kamen aus ganz Deutschland, der Schweiz und sogar bis aus Afghanistan. Ein tschechisch-deutsches Hochamt in der Mankendorfer Kirche, Totengedenken auf dem Friedhof und Kranzniederlegung an der Gefallenen-Gedenkstätte sowie das Mittagessen im Kulturhaus waren Programmpunkte.

Gedenkstein und Linde

Die Ehrung begann in der Nähe des Kirchplatzes mit dem Pflanzen einer Freundschafts-Linde, dem nationalen Symbolbaum Tschechiens. "Bei uns in Deutschland ist die Linde ein Baum der Liebe und des Friedens", sagte Josef Christ und wünschte, "dass diese Linde zu einem Symbol für Frieden, verständnisvolles Miteinander und Freundschaft über Grenzen hinweg werden möge". Ein Gedenkstein mit der Aufschrift "Baum der deutsch-tschechischen Freundschaft" in beiden Sprachen erinnert an dieses große Ereignis am 27. September 2014.

Für das ganze Dorf

Der Mankendorfer Bürgermeister Jaroslav Hrabovsky und sein Stellvertreter Miroslav Svajda überreichten in der Kirche des Ortes ihrem Freund und Gönner die Urkunde, die ihn zum Ehrenbürger macht "für seinen Beitrag zur beiderseitigen Verständigung und Zusammenarbeit zwischen tschechischen und deutschen Landsleuten". Gerührt dankte Josef Christ für die Auszeichnung "in dem Bewusstsein, dass sie damit die ganze ehemalige Einwohnerschaft von Mankendorf ehren". Glückwünsche, Geschenke, Kinder in Tracht, Musikanten, Tanzvorführungen, dazu viele Gespräche, Erinnerungen, Gedanken - es war ein Tag, an dem Mankendorf alles für den Ehrenbürger der Gemeinde aufbot. "Sogar ein Schwein wurde geschlachtet für das abendliche Büfett", zeigte sich Hans Dittrich, einer der Sulzbach-Rosenberger Reiseteilnehmer, überwältigt von der Gastfreundschaft im Kuhländchen. Er trug zusammen mit seinem Musikanten-Kollegen Sepp Ertl zur abendlichen Unterhaltung bei, wobei tschechische Weisen und sogar ein "Mankendorf-Lied" erklangen.

"Danke und nochmals danke!" Josef Christ fand kaum Worte für all die Ehre und Zuneigung, die ihm zuteil wurde. "Durch diesen Akt der Freundschaft sind wird Deutschen mit unserem Heimatort noch enger verbunden", ist er sicher. Besonders glücklich macht ihn, dass "in einem schönen Schweigen" auch die tschechische Bevölkerung mitgefeiert hat und berührt war von diesem völkerverbindenden Ereignis.
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