Jugendheim Knappenberg wichtige Aufgabe in Nachkriegszeit
Knochenarbeit tief im Wald

So jung waren sie damals, die Burschen und Mädels, die vor 65 Jahren das Jugendheim Knappenberg errichteten. In der zweiten Reihe der Initiator Diakon Heinrich Frieß.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.09.2014
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Eine Marmortafel mit der Jahreszahl 1949, einbetoniert im Felsen mitten im Forst, verrät ein besonderes Stück Nachkriegsgeschichte. Sie weist auf das Jugendheim Knappenberg bei Neukirchen hin. Wer mehr aus erster Hand erfahren will, sollte sich beeilen: Die Zeitzeugen sterben aus.

Mitglieder der evangelischen Gemeindejugend errichteten das Jugendheim vor 65 Jahren in beispielhaftem Einsatz und "für Gottes Lohn". Inzwischen sind die Burschen und Mädchen alt geworden, die damals mit einfachsten Werkzeugen dem felsigen, von der Sonne ausgebrannten Untergrund an der Südseite des Knappenberges zu Leibe rückten. "Angestiftet" hatte sie der Diakon Heinrich Frieß, der selbst tüchtig mit Hand anlegte.

Sein Anliegen war es, in dieser unruhigen Zeit des Übergangs die jungen Leute, 16 bis 18 Jahre alt, von der Straße zu holen und ihnen eine sinnvolle Aufgabe zu geben. Sinnvoll war das Vorhaben auf jeden Fall, denn die evangelische Gemeindejugend erlebte nach dem Krieg starken Zulauf.

"Glück hatten wir schon mit dem Grundstück", erinnert sich SRZ-Fotograf Hans Pirner, der von Anfang an dabei war, "ein Erkelsdorfer Bauer gab den Grund sehr günstig her." Wichtigste Vorarbeit war das Anlegen eines Wegs, auf dem mit Pferdegespann und Schlepper das Baumaterial hinaufgeschafft werden konnte. Nicht die Burschen, sondern die Mädchen waren es, die in mühseliger Knochenarbeit und oft mit knurrendem Magen den Weg freimachten.

Kein Wasser da

Die jungen Burschen richteten währenddessen das Plateau am Berghang her. Auf ein Fundament konnte auf dem felsigen Untergrund verzichtet werden. Aber dann gab es lange Gesichter: "Wir hatten da oben kein Wasser", erinnert sich der Pirner-Hans, "wir konnten graben, wo wir wollten, es kam nix." Also musste mit dem Wasserwagen das unentbehrliche Nass nach oben gefahren werden, erst für den Bau, dann für den Verbrauch. Eine Wasserleitung kam erst viel später. Auch die Energieversorgung war anfangs ein Provisorium mit Gaslampen und Gasherd. Schon nach einem Jahr Bauzeit fand die Hebfeier statt, neun Monate darauf durfte der unermüdliche Initiator und Motivator Heinrich Fries die Eltern der Jugendlichen und zahlreiche Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde aus Sulzbach-Rosenberg und Umgebung zur Einweihung willkommen heißen.

Hang aufgeforstet

"Hausherr war damals Dekan Wiedemann", fährt Pirner fort, "der hat mit seiner Mitarbeiterin Frau Beck den kahlen Hang praktisch aufgeforstet. Kein Tropfen Wasser wurde vergeudet, sondern systematisch der spärlichen Bewuchs aus Laub- und Nadelbäumen gegossen. Selbst das gebrauchte Wasser aus der Küche wurde dafür genutzt." Das Ergebnis ist heute eine geschlossene Waldfläche. Gefreut haben sich alle, als eines Tages endlich Strom da war - und das sehr vermisste Telefon, das die Verbindung zur Außenwelt herstellte.

Aber das war noch immer nicht der Endstand. Nach und nach setzte sich die Ansicht durch, das Haus weise durch die billige Bauweise der Nachkriegsjahre zu viele Mängel auf. Tatsächlich wurde das ursprüngliche Gebäude abgerissen und durch einen ökologischen Neubau in avantgardistischer Architektur ersetzt.

Immer noch können der jetzige Hausherr Dekan Hermann Schötz und Verwalter Diakon Bernd Deyerl in ihrem Schmuckstück Knappenberg Gäste aus nah und fern begrüßen. Zu den größten Gruppen zählen Konfirmanden, Sportler, Musiker, Behinderte und Gewerkschafter..
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