Junge Union Ursulapoppenricht besucht Justizvollzugsanstalt - Drogen fliegen durch vergitterte ...
Blick hinter hohe Gefängnismauern

Sie durften einen Blick hinter Gitter werfen: Mitglieder der Jungen Union mit ihrem Vorsitzenden Michael Mertel (Zweiter von links) bei ihrer Besichtigung der Justizvollzugsanstalt Amberg. Bild: ild
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.11.2015
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(ild) Einen Blick "hinter Gitter" werfen durften die Mitglieder der Jungen Union (JU) des Ortsverbandes Ursulapoppenricht und des Kreisverbandes Amberg-Sulzbach beim Besuch der Justizvollzugsanstalt (JVA) Amberg. Heribert Hohlheimer, Pädagoge an der JVA, führte den politischen Nachwuchs durch die Räumlichkeiten.

Letzter Ausbruch: 2002

Ein Gespräch mit Hohlheimer zu führen, ist gar nicht so einfach. Hohe Mauern, Stahltüren und vergitterte Fenster versperren den Weg. Die Beamten an der Pforte sind freundlich, aber bestimmt. Autoschlüssel und Handys sind abzugeben, ohne Personalausweis kommt hier niemand rein. Wichtiger aber ist, dass keiner raus kommt, der nicht raus darf. Der letzte gelungene Fluchtversuch liegt schon einige Jahre zurück, zuletzt gelang im Jahr 2002 ein Ausbruch.

Die JVA, die bereits auf eine rund 230-jährige Geschichte zurückblickt, ist Bayerns zweitältestes Gefängnis und verfügt über 589 Haftplätze, von denen derzeit 572 belegt sind. Zuständig ist die JVA für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren und darüber hinaus bei zwei Gerichtsbezirken bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe an erwachsenen männlichen Verurteilten im Regelvollzug. Außerdem wird die Untersuchungshaft an Personen aus dem Amtsgerichtsbezirk Amberg und Schwandorf vollzogen.

Die Beaufsichtigung und Betreuung der Gefangenen werden von rund 280 Bediensteten geleistet, deren fundierte Ausbildung die notwendige Fachkompetenz sichert, erklärte Hohlheimer. "Hinter Gittern zu arbeiten ist keine leichte Aufgabe. Wir danken unseren bayerischen Polizei- und Justizvollzugsbeamten, dass sie sich jeden Tag für unsere Sicherheit einsetzen", unterstrich der Vorsitzende der JU Ursulapoppenricht Michael Mertel die Wertschätzung und Anerkennung der Jungen Union gegenüber diesen Berufsgruppen. Die JVA bietet gut 300 Arbeitsplätze in den Anstaltsbetrieben wie Bäckerei, Gärtnerei, Schlosserei oder Schreinerei. Sozialpädagogen, Psychologen und Anstaltsgeistliche bemühen sich, die Häftlinge zu therapieren um ihnen den Weg in ein geordnetes Leben zu ebnen.

Säle abschaffen

20 Handwerksbetriebe bieten die Möglichkeit, einen Berufsabschluss zu machen. Auf schulischer Ebene können sich die Insassen ebenfalls qualifizieren - wenn sie denn wollen. All diese Maßnahmen sollen zu einer erfolgreichen Resozialisierung beitragen. Die Möglichkeiten sind da, diese gilt es für die Strafgefangenen zu nutzen. Trotzdem hat Hohlheimer eine große Sorge: Drogen. Rund die Hälfte der Gefangenen, so schätzt er, hat ein Problem damit. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Suchtmitteln. An Nachschub mangelt es nicht, der fliegt bei Tag und Nacht über die Mauer, direkt in die Zellenfenster, oder wird auf anderen Wegen eingeschmuggelt. Um dieses Problem einzudämmen wurde entlang der Mauer ein Sicherheitsstreifen angelegt und die gefährdeten Fenster speziell gesichert. Außerdem verdeutlichte Heribert Hohlheimer, wie wichtig es wäre, die Sammelunterbringung für die Strafgefangenen, die in Sälen mit bis zu acht Häftlingen belegt sind, abzuschaffen.

Diese Form der Unterbringung sei "überholt". Außerdem würden Einzelzellen den Sicherheitsstand erheblich erhöhen, betonte der Pädagoge. Knapp über 100 Euro pro Tag kostet ein Häftling dem bayerischen Steuerzahler, auf der anderen Seite stehen die Arbeitsplätze, die durch die Gefangenen geschaffen werden.
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