Kabarettist Mathias Egersdörfer über seine Bühnenfigur und den Stoff für die Solo-Programme
"Rein rechtlich sehr gefährlich"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.01.2015
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Er spricht leise, macht einen zurückhaltenden Eindruck und ist so gar nicht der Polterer auf der Bühne: Matthias Egersdörfer, 45 Jahre und Kabarettist, wuchs in Lauf auf, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Philosophie und später Malerei an der Kunstakademie Nürnberg als Meisterschüler bei Peter Angermann.

Gast in der "Anstalt"

Nebenbei schrieb er Kurzgeschichten und verfasste das Drehbuch für den Kurzfilm "Der Schüler". Seit 2004 ist er erfolgreich mit Soloprogrammen auf deutschen Bühnen unterwegs, zahlreiche Kleinkunstpreise pflastern seinen Weg. Zuletzt gastierte er im Dezember in der ZDF-Kabarett-Sendung "Die Anstalt".

Vor seinem ausverkauften Auftritt im Seidel-Saal hatten wir Gelegenheit zu ein paar Fragen an den Fürther, während er im Gasthaus sein Schollenfilet verzehrte. Steckt tatsächlich so viel Missmut und Cholerik in ihm wie in der Bühnenfigur? Sein Bühnen-Alter-Ego hat übrigens keinen eigenen Namen: "Ich habe damals vergessen, ihm einen zu geben, und jetzt ist es zu spät!", gibt er zu. "Zunächst mal spricht die Figur viel stärker Dialekt als ich", meint der Kabarettist. Dann seien die Aussagen auf der Bühne natürlich rein rechtlich schon mal als gefährlich zu bezeichnen - "Sachen, die ich privat natürlich in keiner Weise vertrete!" Allerdings gebe es Leute im Freundeskreis, die diese Differenz eher kleiner sähen, bemerkt er verschmitzt.

Wie kommt man zu solchen Themen, spielt da die Heimat eine Rolle? "Wenn man in einer verschnarchten Vorstadt mit Kreisstadtdünkel aufwächst, dann sorgt das schon für einen gewissen Background", gibt der gebürtige Laufer Egersdörfer zu. Es sei halt ein eindeutiger Mikrokosmos gewesen. Seine Programme, immerhin acht bis neun Solo-Nummern in den letzten zehn Jahren, dauern netto zwei bis drei Stunden. Meist wird das Sommertheater in Nürnberg dafür genutzt, neue Ideen zu realisieren. "Das ist dann ständig im Wandel, wird gekürzt und ergänzt im Lauf der Zeit, da ist nichts statisch!"

Im Alltag erlebt

Eine große Rolle spielen reale Selbsterlebnisse bei der Textfindung. Egersdörfer beobachtet seine Umwelt stets genau, erkennt das Potenzial zu einem neuen Programmteil. "Es sind Alltagserlebnisse, so wie der Spruch ,Vom ganzen Ding her'", der Titel des aktuellen Programms.

Das Essen ist verzehrt, es geht auf acht, man verabschiedet sich Richtung Garderobe und wünscht einen erfolgreichen Abend. Sein Zukunftswunsch? "Dass alles so weiter läuft. Vom ganzen Ding her."
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