Kein "Unfall der Geschichte"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
01.11.2015
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Gott erneuert die Kirche durch die Kraft seines Geistes. Mit diesem Gedanken begann Dekan Karlhermann Schötz in der Christuskirche den Gottesdienst zum Reformationsfest. Eine große Gemeinde kam zusammen, um mit Selbstbewusstsein und Stolz auf das zu schauen, was mit der Reformation Gutes und Wichtiges erreicht wurde.

Die Festpredigt hielt Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss aus Regensburg. Er sprach über die Bedeutung der Reformation und des Reformationstags in der heutigen Zeit. In der Reformation sei vieles für die Kultur erreicht worden, was allen Christen zugute komme. Aus dieser reichen Hinterlassenschaft griff der Festprediger Martin Luthers Gedanken zu Tod und Sterben heraus. Ihm sei es zu verdanken, dass Friedhöfe schöne Orte der Andacht sind.

Ort der Andacht

Vor 500 Jahren waren die Friedhöfe in die engen Städte eingezwängt. Luther wünschte sich den Gottesacker als einen stillen, abgesonderten Ort, wohin man mit Andacht gehen kann, um dort den Tod, das Jüngste Gericht und die Auferstehung zu betrachten und zu beten. Ein Christ brauche den Tod nicht zu fürchten, weil Gott doch jeden zu sich nimmt, wenn er ihn haben will.

Luther empfahl den Menschen, ihr Leben so zu führen, als stehe ihnen ihr Ende stets vor Augen. Er riet deshalb, sich zum Sterben zu bereiten, sich alle acht oder vierzehn Tage mit seinem Nächsten zu versöhnen und sein Testament zu machen, "auf dass, wenn der Herr anklopft, seine Seele versorgt und Gott befohlen sei."

"Alle Vorschläge Luthers laufen für mich darauf hinaus: Zum Sterben bereit sein heißt auch, zum Leben bereit sein", fasste Dr. Weiss zusammen, "wir können um einen Glauben ringen, der gegen den Tod steht und uns erwartungsvoll stimmt auf das Leben hier vor uns und auf das Leben dort bei Gott."

Martin Luther sei dafür ein Vorbild. Er habe die großartige Glaubensbewegung der Reformation in Bewegung gebracht. "Sie ist kein Betriebsunfall der Kirchengeschichte, sondern eine segensreiche Entwicklung, die bis heute nachwirkt, das feiern wir heute", schloss der Prediger.

Der Regionalbischof lud dann die große Festgemeinde zum Abendmahl in beiderlei Gestalt. Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz, Andreas Weber, der 2. Vorsitzende des Männerbunds, und die Kirchenvorsteher Achim Groth, Gabi Müller sowie Hans-Peter Pickel trugen die Fürbitten vor. Sie baten um Frieden und darum, dass Gott die Menschen bereitmachen möge zum Helfen und Teilen, um so gute Wege in die Zukunft zu eröffnen.

Süße Wegzehrung

Musikalisch wurde der Gottesdienst sehr festlich gestaltet von der Bergknappenkapelle der Stadt und dem Kirchenchor unter der Leitung von Dekanatskantor Gerd Hennecke. Am Ausgang erhielten die Gottesdienstbesucher Lutherbonbons mit der Aufschrift "31. Oktober ist Reformationstag". Das war Wegzehrung auf dem Rückweg im Festzug zur Bastei und eine humorvolle Einladung, sich zum evangelischen Glauben und zur Reformation zu bekennen.
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