"Keine Insel der Seligen"

Auf die Wichtigkeit der Ausstellung gegen Rechtsradikalismus wies Berufsschulleiter Reinhard Kretschmer hin. (Bild: bmr)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.10.2014
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Harald Sieber, der die Ausstellung als Fachberater Sozialkunde betreut, mit Referentin Birgit Mair und Schulleiter Oberstudiendirektor Reinhard Kretschmer vor den Schautafeln (von links). Bild: bmr

Bei rechtsextremen Aktivitäten nicht wegschauen, sondern Zivilcourage zeigen und Gegenwehr entwickeln. Dies gab Sozialwirtin Birgit Mair bei einem Vortrag den Berufsschülern mit auf den Weg. Sie warnte aber auch vor den vielfältigen Facetten der rechten Szene.

Im Mittelpunkt stand in der Berufsschule die Eröffnung der Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung "Demokratie stärken, Rechtsradikalismus bekämpfen". "Die Schüler von heute werden die Weichen in der Gesellschaft stellen, zwar nicht gleich, aber in Zukunft", prognostizierte Oberstudiendirektor Reinhard Kretschmer.

Alle wollen in Freiheit und Sicherheit leben. Die Schule habe den Auftrag, über die Gefahren, die eine freiheitliche Gesellschaft bedrohen, aufzuklären. Diesem Ziel diene die Ausstellung und der Vortrag durch die Referentin.

Amberg tut sich schwer

Wieso falle der Widerstand gegen Rechtsextremismus in verschiedenen Städten so unterschiedlich aus, fragte Diplom-Sozialwirtin Birgit Mair. In diesem Sinne tue sich die Stadt Amberg beispielsweise schwer bei der Erinnerung an den durch Nazis 1995 ermordeten Klaus-Peter Beer, dem seine Homosexualität zum Verhängnis wurde. Die aufgrund von Forderungen der Gewerkschaft Verdi und anderen antifaschistischen Organisationen an der Vils angebrachte Gedenktafel sei verschwunden und nicht wieder angebracht worden.

Schwierigkeiten habe es ebenfalls bei der geschichtlichen Aufarbeitung gegeben, dass Josef Filbig als Oberbürgermeister aus der Nazizeit nach dem 2. Weltkrieg wiederum zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Auf der anderen Seite könne der Widerstand gegen Rechtsextremismus, auch auf Erfolge hinweisen. Nach dem Brandanschlag 1988 in Schwandorf durch Nazis, bei dem eine türkische Familie und ein Deutscher ermordet wurden, weigerte sich der Hausbesitzer lange Zeit, gegen die Anbringung einer Gedenktafel an der Hauswand. Inzwischen werde regelmäßig mit Kundgebungen an dieses Verbrechen erinnert.

Unter Hinweis auf ziviles Engagement zeigte die Referentin auf, dass dieses durchaus erfolgreich verlaufen kann. So sei in Fürth erreicht worden, dass eine ausländerfeindliche Wählergruppe nicht bei den Kommunalwahlen kandidieren konnte. Während im fränkischen Scheinfeld noch 2013 ein Konzert von Nazis stattfand und von der Gemeinde genehmigt war, sei das 2014 nicht mehr der Fall gewesen.

Wegen massiver Proteste aus der Bevölkerung sah sich die Gemeinde veranlasst, das Konzert zu verbieten und das von den Nazis angerufene Gericht bestätigte dieses Verbot. Entscheidend sei dabei gewesen, dass die Öffentlichkeit von dem Konzert erfahren hatte und Druck auf die politisch Verantwortlichen ausübte. "Ziviles Engagement lohnt sich und Wegschauen bringt nichts", betonte Birgit Mair.

Gefährliche Nazis

Wie gefährlich Nazis seien, gehe auch aus der Statistik hervor. So wurden seit 1990 in Deutschland 184 Menschen von solchen Leuten ermordet. Nach Polizeiangaben komme es pro Tag zu zwei rechten Gewalttaten, wobei die Dunkelziffer erheblich höher sein dürfte. "Schlimm ist, dass 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung eine rassistische Einstellung haben. So wird zwar Gewalt abgelehnt, aber Vorurteile gegen Ausländer, Spätaussiedler und Flüchtlinge oder Antisemitismus immer wieder vorgebracht." Die Oberpfalz sei keine Insel der Seligen, schilderte die Referentin, die auf Funktionäre der NPD, des inzwischen verbotenen Freien Netzwerks Süd und zahlreicher sogenannter Kameradschaften aus der Oberpfalz hinwies.

Augen offen halten

Heute könne man Nazis nicht mehr an der Kleidung erkennen. Getreu der Devise "Der Schlips denkt, der Stiefel sprengt" sollen alle Augen und Ohren offen halten und Zivilcourage zeigen, forderte Birgit Mair. Auf die Frage in der Diskussion, warum rechtsradikale und nazistische Parteien und Organisationen nicht generell verboten seien, gebe es keine eindeutige Antwort, entgegnete die Referentin.
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