Klärschlamm: So stinkt's keinem

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.01.2015
5
0

Die Müllverbrennungsanlage in Schwandorf ist schon Endstation für einen großen Teil des Abfalls aus der Region Amberg-Sulzbach. Bald könnte der Nachbarlandkreis auch für den unpopulären Klärschlamm eine willkommene Entsorgungsmöglichkeit bieten.

Die Masse der Gemeinden im Schwandorfer Gebiet will einen Zweckverband zur Klärschlammtrocknung gründen. Beim Müllkraftwerk trocknen und dann im Zementwerk Burglengenfeld als Brennstoff nutzen - so lautet die Devise. Die Kreisversammlung Amberg-Sulzbach des Bayerischen Gemeindetags hat sich im Dezember das Konzept vom Wernberger Bürgermeister Georg Butz, einem der Initiatoren, vorstellen lassen. "Es hat sich sehr vernünftig angehört", sagt der Schmidmühlener Bürgermeister Peter Braun, Kreisvorsitzender des Gemeindetags. Viele Bürgermeister hätten Interesse signalisiert.

Der Schwandorfer Vorstoß könnte die hiesigen Kommunen einer sich abzeichnenden Verlegenheit entheben. Denn die 49 Kläranlagen im Landkreis produzieren aus dem Abwasser von Haushalten und Oberflächenwasser (inklusive Straßenabrieb) fleißig Klärschlamm. Der Betrieb in Theuern etwa, zuständig für Amberg und Kümmersbruck, machte 2014 aus knapp 6,5 Millionen Kubikmetern Abwasser 7000 Tonnen Klärschlamm. Rund 23 Prozent davon sind Trockensubstanz, der Rest Feuchtigkeit.

Dieses Material kann man als Dünger auf Feldern ausbringen, bei Landschaftsbau/Rekultivierung einsetzen oder verbrennen. Der Theuerner Klärschlamm findet überwiegend in der Landwirtschaft Verwendung, wie Betriebsleiter Wolfgang Roth verrät. "Das ist ja auch nichts Giftiges, im Gegenteil: Klärschlamm ist der bestüberwachte Stoff." Und in Theuern habe man keine Probleme mit den Grenzwerten.

Nicht mehr als Dünger

Der Freistaat plant aber, "die landwirtschaftliche, gärtnerische und landschaftsbauliche Verwertung des Klärschlamms aus Gründen des vorsorgenden Verbraucher-, Boden- und Gewässerschutzes zu beenden", wie es das Landesamt für Umwelt formuliert. Viele Milchhöfe oder andere Geschäftspartner von Landwirten nehmen schon jetzt Erzeugnisse nur noch ab, wenn kein Klärschlamm ausgebracht wird, weiß Peter Braun.

Damit bleibt nur die Verbrennung übrig. Zuvor muss aber getrocknet werden. Der Gehalt an Feuchtigkeit geht dadurch von über 75 auf fünf Prozent runter. Das Problem dabei: Als Nebenprodukt entsteht ein unangenehmer Geruch. Das führte etwa auf der privaten Klärschlamm-Trocknungsanlage auf dem Aichaberg (Hohenburg) jahrelang zu Protesten von Anwohnern. Die legten sich nach Auskunft des Landratsamtes erst, als der Eigentümer mehrere "Maßnahmen zur Verbesserung der Geruchssituation" traf, etwa eine Abgasreinigung in Form eines Biowäschers. Nach diesen Erfahrungen ist jede Kommune froh, wenn sie ihren Klärschlamm nicht selbst trocknen muss. Zumal so eine Anlage nicht ganz billig zu errichten ist. Auch in Theuern war schon mal eine angedacht, wurde dann aber aus finanziellen Erwägungen nicht umgesetzt.

50 Euro pro Tonne

Umso willkommener dürfte die Schwandorfer Initiative sein. Sie soll laut Planung bereits im Jahr 2016 die Möglichkeit bieten, Klärschlamm zu entsorgen. Natürlich gegen Gebühr, irgendwo in der Größenordnung von 50 Euro pro Tonne - plus einer Anschubfinanzierung, wenn man zu den Gründern des Zweckverbandes gehört. Aber dafür hat man die zähe Masse, die keiner mehr so recht haben will, dann dauerhaft vom Hals.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.