Kleine Leute, kleine Schritte

"Photovoltaik ist Klimaschutz der sich rechnet", versicherte Klimaschutzmanager Vincent Clarke seinen interessierten Zuhörern. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.08.2015
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Es ging zwei Stunden lang um technische Dinge, um Photovoltaik, Strom, Kosten und Nutzen. Am Anfang des Informationsabends aber stand ein Sprichwort aus Südafrika: das von den vielen kleinen Leuten an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun und damit das Gesicht der Erde verändern können. Es brachte den Auftrag des Abends zum Ausdruck.

Damit hatte Vincent Clarke nicht gerechnet: dass das Nebenzimmer im Gasthof Zum Bartl kaum ausreichte, um all die Interessenten aufzunehmen, die zu seinem Vortrag gekommen waren. Der Klimaschutzmanager der Stadt ist ein Verfechter der Photovoltaik und räumte auf mit Unsicherheiten und falschen Vorstellungen. Sein Credo: "Die Nutzung dieser Technologie und der direkte Eigenverbrauch des Solarstroms sind einfach umzusetzen, wartungsarm und rentabel." Zu den vielen kleinen Schritten, mit denen Menschen das Gesicht der Erde verändern können, gehöre die Einsparung von CO2. Eine Möglichkeit, die Ziele zu erreichen, sieht Vincent Clarke in Photovoltaik-Anlagen auf möglichst allen Dächern.

"Darüber hinaus bringt diese Sonnenenergie auch finanzielle Vorteile, erzeugt eine regionale Wertschöpfung, ermöglicht eine dezentrale Stromversorgung, schont fossile Ressourcen und schützt die Umwelt", zeigt er anhand zahlreicher Beispiele und Rechenmodelle auf. 200 Privathaushalte könnten demnach etwa eine Million Kilowattstunden Solarstrom nutzen und damit rund 600 Tonnen Kohlendioxyd im Jahr einsparen.

Kleinere Stromtrassen

Dass auch Städte und Gemeinden davon profitieren, wenn Strom nicht nur importiert, sondern auch exportiert wird, ist für den Klimaschutzmanager eine regionale Wertschöpfung: "Das Geld kann für anderes ausgegeben werden, die Wirtschaft wird gestärkt." Einen positiven Nebeneffekt sieht er bei der Planung der Stromtrassen: "Fließt der hier erzeugte Strom in die Haushalte, können Stromtrassen kleiner werden". Im Verlauf des Abends ging es um viele Details: die Anlagengröße, die vorhandene Dachfläche, die Finanzierung einer Photovoltaikanlage, die elektrische Leistung von Solarzellen und die Einspeisevergütung.

Auch Vorteil für Ost-West

Als Abhängigkeiten, die den Stromertrag mindern, nannte Clarke natürlich die Intensität und Dauer der Sonneneinstrahlung, die Ausrichtung der Anlage und der Dachneigung, die Verschattung und Verschmutzung der Module. Dass die Ausrichtung nach Süden und eine Dachneigung von 28 Grad optimal seien, erklärte er, dass aber auch ein Ost-West-Dach durchaus Vorteile haben könne.

Da ein Giebel, ein Kamin, eine Satellitenschüssel oder Bäume Schatten werfen und dadurch die Solarleistung und die Vergütung schmälern können, sei es notwendig, die Gegebenheiten vor dem Bau der Anlage genau zu studieren. Das große Geld sei nicht mehr zu machen mit Einspeisevergütung, so Clarke, aber man dürfe den ökologischen Nutzen nicht vergessen. Immerhin schlägt - laut seiner Berechnung - nach einer Vergütungszeit von 20 Jahren ein Plus von etwa 14 000 Euro zu Buche.

Bei den Kosten einer Anlage gelte es, die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Für ein "Rundum-Sorglos-Paket" einschließlich einer fünfjährigen Anlageversicherung errechnet er einen Bruttopreis von etwa 9300 Euro. Natürlich gab es noch genug offene Fragen der Zuhörer, die der Klimaschutzmanager nach seinem umfassenden Vortrag zu beantworten hatte.

Die Wende erzwingen

Kritik äußerte er über so manche Gesetze und Verordnungen, die "nicht für, sondern eher gegen die Energiewende" sind. Deshalb gelte es, von vielen kleinen Leuten diese zu erzwingen, nicht zuletzt mit einer Photovoltaikanlage nahezu auf jedem Hausdach.
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