Komisch und kritisch zugleich

Das Känguru liebt Schnapspralinen über alles. Bei seinem Mitbewohner Marc-Uwe kommen diese eher nicht so gut an. Bilder: aja (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.09.2015
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Wie kann es sein, dass ein Känguru süchtig nach Schnapspralinen ist, auf Nirvana steht und sich selbst als Kommunisten bezeichnet? All diesen Fragen geht das junge Amberger Ensemble 8 Kängurus in einer szenischen Lesung nach.

"Gebeutelt - Die Känguru-Tri(o)logie" erlebte am Samstag ihre Premiere auf der Bühne im Capitol. Als Vorlage dienten die Bücher zur Känguru-Trilogie von Marc-Uwe Kling, einem 33-jährigen Kleinkünstler, Liedermacher und Autor aus Stuttgart.

Seine Romane befassen sich mit einer skurrilen Wohngemeinschaft: der von Marc-Uwe, einem Kleinkünstler (was er nie zugeben würde), und einem durchgeknallten Känguru. Als Duo sind sie urkomisch, witzig und sozialkritisch.

Buchhändlerin Julia Kalb liebt das Känguru über alles und hat das Theaterprojekt zusammen mit Christina Porebski angeregt. Von der Idee bis zur ersten Aufführung verging mehr als ein Jahr, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit Witz, Charme und Herzblut verkörpern acht Schauspieler in unterschiedliche Rollen das, was Klings Romane ausmacht - ein systemkritisches Känguru und dessen Erlebnisse.

Zur Wohngemeinschaft kam es eher zufällig: Das Känguru lebte gegenüber von Kling und wollte Eierkuchen backen. Doch ohne Zutaten, Schüssel, Pfanne und Ofen ist das nicht möglich. So zog das Beuteltier beim Kleinkünstler ein. Dieser lebt nach dem Motto: Lieber fünfmal nachgedacht als dreimal nachgefragt. Für das Känguru ein Unding. Schnell bringt es ihm bei, worum es im Leben wirklich geht: "Witzig oder nicht witzig? Das ist hier die Frage!"

Das kommunistische Känguru hat "Das asoziale Netzwerk" gegründet, eine Antiterrorgruppe. Zudem verteilt es Aufkleber mit der Aufschrift "Scheiß-Verein" und brüllt bei der Ausländerbehörde eben diese Wörter. "Das befreit total", findet es. Dies führt letztlich dazu, dass der Beamte ein Fragezeichen in den Pass des Kängurus stempelt.

Besonders lustig ist auch die Bus-Szene: Mit durchgetretenem Gaspedal rauscht der Fahrer an allen Haltestellen vorbei, bis der erste Junge versehentlich auf die Stopp-Taste drückt. Kurzerhand wird er darum gebeten, den Bus zu verlassen. Da nur noch zwei Portionen Hackbraten zu Hause sind, trickst das Beuteltier alle aus und stopft sich schließlich alleine den Bauch voll.

Beim Epilog im Wohnzimmer tauchen Polizisten auf, die das Känguru reimmigrieren wollen. Ehe sich Kling versieht, ist es schon gefesselt und wird verschleppt. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Wer wissen will, wie die Geschichte ausgeht, besucht einfach die beiden weiteren Vorstellungen am Donnerstag, 10. September, im Vis-a-Vis und am Samstag, 12. September, in Nabburg. Karten gibt es jeweils an der Abendkasse für zehn Euro.
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