Konkurrenz ist nur das Internet

Die Herausforderungen des heutigen Buchmarkts beleuchteten Prof. Dr. Peter Morsbach, Christiane Abspacher, Eckhard Bodner und Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl (von links) bei einer Podiumsdiskussion im Literaturhaus Oberpfalz. Bilder: cog (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2015
10
0

"Kaufen Sie im örtlichen Geschäft, um die Buchhandlungen zu erhalten!" Dieser Aufruf an das Publikum war das Fazit der Podiumsdiskussion bei der 3. Regionalbuchmesse. Die Bücherfreunde hatten sich von den Ständen losgerissen, um im Literaturhaus Oberpfalz aus erster Hand zu erfahren, wie Verlage heute arbeiten.

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl sprach mit Prof. Dr. Peter Morsbach und Eckhard Bodner von den beiden gleichnamigen Verlagen sowie mit Christiane Abspacher vom Verlag Friedrich Pustet. Obwohl die drei Verlage unterschiedlich groß sind und ganz verschiedene Bücher produzieren, waren sich die Verleger einig, dass die Qualität der Bücher das Entscheidende sei.

Lektorat unverzichtbar

"Qualität heißt nicht kompliziert", betonte Dr. Morsbach, und Abspacher ergänzte, dass man sich vor der Publikation genau überlegen müsse, welche Zielgruppe man ansprechen wolle, denn: "Wenn ich jeden erwischen will, dann erwische ich am Ende keinen." Unverzichtbar für ein gutes Buch sei ein gutes Lektorat. Schwierig ist es vor allem für die kleinen Verlage, auf dem Markt Beachtung zu finden. Hier helfe nur der persönliche Kontakt zu den Buchhändlern, erklärte Bodner.

Wegen der sehr hohen Kosten verwirklichen die Verlage auch gemeinsame Projekte. So haben Dr. Morsbach und Pustet schon zusammen Bücher herausgegeben. Es gebe keinen Sinn, sich gegenseitig kaputtzumachen. Der gefährliche Konkurrent seien nicht die anderen regionalen Häuser, sondern Internetunternehmen wie Amazon. Morsbach erinnerte daran, dass es dort Buchproduktionen gibt, die nur noch auf dem Lesegerät "Kindle" laufen. Entscheidend sei die Buchpreisbindung, die dafür sorge, dass sich im Teich der Literatur auch kleine Fische halten können: "Sonst haben wir wie in den Nachbarländern bald nur noch große Haie, die hohe Preise diktieren."

Viele gute Autoren

Ohne ihre Autoren könnten die Verlage nicht existieren. Dass es in der Oberpfalz gute Autoren gibt, die interessante Bücher schreiben, bewiesen die Lesungen am Nachmittag. Jürgen Huber las aus seinem detailliert erzählten "Hiobertus. Ein Roman. Zum Meer", der - sprachlich ausgefeilt - in der minutiösen Darstellung der Befindlichkeiten des Protagonisten befremdlich wirkte.

Ein Streifzug durch die Neuerscheinungen des Lichtung-Verlags gab den Zuhörern im Literaturarchiv Gelegenheit zu einem ersten Eindruck von den jüngsten Werken bekannter Schriftsteller wie Marcus H. Rosenmüller, Barbara Krohn, Albert Sigl und Stephan Zinner.

Sehr aktiv ist der Regionalverband Ostbayern des Verbands der deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der VS präsentierte einen gut bestückten Büchertisch. Julia Kathrin Knoll sowie Dr. Marita A. Panzer gaben mit Texten über Barbara Blomberger aus "Bayerns Töchter" und aus "Der Soldat des Königs" einen Einblick in die Bandbreite des VS, in dem Autoren von Fiktion und Sachbüchern gleichermaßen organisiert sind.

Die Lesungen hatten den Literaturfreunden Appetit gemacht. Die Stände der Verlage im Literaturhaus und im Seidel-Saal waren deshalb immer dicht umlagert, und manches Buch fand ein neues Zuhause.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.