Konzert zum Ewigkeitssonntag
Gefühle überdauern die Zeit

Die Kantorei, ein kleines Instrumentalensemble und die Gesangssolisten trugen von der Empore aus Dietrich Buxtehudes Kantatenzyklus "Membra Jesu Nostri vor. Vorne die Altistin Stephanie Firnkes. Bilder: cog (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.11.2014
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November-Gedanken haben auch große Komponisten bewegt: Zwei Werke, die das Ende des menschlichen Lebens behandeln, führte die Sulzbacher Kantorei in ihrem Konzert zum Ewigkeitssonntag auf - mit Überraschungsgästen.

Die Sänger standen mit ihrem Dirigenten Dekanatskantor Gerd Hennecke vor dem Altar und intonierten Christoph Stolzenbergs Motette "Unser Leben". Während Sopran 2, Alt, Tenor und Bass rastlos die Mühsal des Lebens beschrieben, schwebte der Sopran 1 darüber.

Sieben Kantaten

Auf der Empore warteten schon die Solosänger und ein kleines Instrumentalensemble mit barocken Instrumenten auf den Chor. Zusammen brachten sie "Membra Jesu Nostri" dar, einen Zyklus von sieben Kantaten. Der Komponist Dietrich Buxtehude betrachtet hier die Glieder des gekreuzigten Christus von den Füßen bis zum Haupt.

Jede einzelne der Kantaten besteht aus einer einführenden Sinfonia, die von zwei Violinen, Violone, zwei Violas da Gamba und Orgelcontinuo gespielt wurde. Schon hier fiel auf, dass Hennecke das Werk nicht nur mit historischen Instrumenten aufführte, sondern auch in barocker Stimmung, also etwa einen Ton tiefer als heute üblich. Dadurch entfalteten die Instrumente und auch die Sänger einen wohltuend dunklen, besonders warmen Klang.

Abgründe ausloten

Für die Sänger stellten diese Stimmung allerdings eine besondere Herausforderung dar. Der Chor konnten auch hier überzeugen, und auch die Solisten wurden den hohen Ansprüchen gerecht. Beeindruckend war das geschmeidige Volumen des Bassisten Matthias Ettmayr. Auch die grabestiefen Stellen sang er mühelos in vollendeter Schönheit. Die Altistin Stephanie Firnkes musste mit ihrer Stimme Abgründe ausloten, an denen wohl die meisten Sängerinnen gescheitert wären. Es gelang ihr mit beweglicher Eleganz.

Die beiden Sopransolistinnen Anja Zügner und Stephanie Spörl erfreuten mit kultivierter Lieblichkeit. Die Solisten wechselten sich in unterschiedlicher Besetzung mit dem Chor ab und gaben der musikalischen Aussage dadurch besondere Intensität: Der Mensch ist sterblich, und alles Lebendige muss vergehen.

Ergänzt wurde die Musik mit Bildern, die an die Altarwand projiziert wurden und dort mit der Darstellung des himmlischen Jerusalem verschmolzen. Die Fotos zeigten die Vergänglichkeit. Eine fürstliche Familie, dargestellt von Sophia und Michael Ritz sowie den Kindern Lea Hüther und Clemens Groth, ging durch die Herzogstadt, betrachtete, was aus ihrer Zeit erhalten ist, und machte klar, wie sich die Welt verändert.

Leibhaftige Erscheinung

Die Photos zeigten die staunende Familie vor dem Schloss, am Hofgarten, auf dem Annaberg und vor der Maxhütte. Auf dem letzten Bild sah man die Herrschaften auf die Christuskirche zugehen. Schließlich kamen sie zu den Klängen der letzten Kantate "Ad Caput - An das Haupt" leibhaftig durch die Kirche geschritten. Das "Amen" sangen Chor und Solisten voll freudiger Hoffnung auf Erlösung, und auch die hochgeborene Familie zeigte, dass zwar ihre Zeit vergangen ist, die menschlichen Gefühle, Nöte und Freuden aber alle Zeiten überdauern.

Mit kräftigem, ausdauerndem Applaus dankte das tief beeindruckte Publikum den Sängern, Instrumentalisten und Schauspielern.
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