Krone aller Maltechniken

Den Erlös verkaufter Bilder ihres verstorbenen Mannes wolle sie dem Krankenhaus-Fördererverein spenden, versichert Dr. Roswitha Morcinek den Besuchern der Vernissage und (von links) Nora Matocza und Manfred Lehner. Bilder: hka (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.06.2015
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Aquarellisten sind selten unter der Künstlern der Gegenwart. Zwei, die sich auf diese Technik spezialisiert haben, stellen derzeit aus in der Galerie des Landkreis-Kulturzentrums. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Nicht nur, weil die Werke des einen Jahre nach seinem Tod gezeigt und für einen guten Zweck zum Kauf angeboten werden.

Wieder einmal bieten die Galerien des LCC Platz für Bilder, "mehr als es jemals bei Ausstellungen in diesem Haus gegeben hat", erklärte Manfred Lehner, der Leiter der Landkreis-Volkshochschule bei der Vernissage. Diesmal laden die Werke zweier Künstler zum Betrachten - und Kaufen - ein: die der Malerin Kristina Jurick aus Leinburg und des früheren Arztes am St.-Anna-Krankenhaus, Dr. Jürgen Morcinek, der 2008 verstorben ist.

Echter Autodidakt

Familienmitglieder und Freunde beider Künstler, Kollegen, Sponsoren und Vertreter des politischen Lebens lauschten im Foyer dem Spiel von Udo Pirner, Leiter der Musikhochschule Hersbruck, der mit jazzigen oder andalusischen Gitarrenklängen den hohen Raum füllte. Manfred Lehner hatte ein VHS-Programm aus dem Jahre 1996 mitgebracht, dessen Titelbild, ein Steckenpferd, von Jürgen Morcinek gemalt wurde.

Als Leiterin der LCC-Galerie beschrieb Nora Matocza das Schaffen des Autodidakten Morcinek, der eine besondere Malweise, die "Wischtechnik", entwickelt hat. Auf etlichen der rund 150 Bilder, die Morcineks Witwe für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat, ist diese Technik zu erkennen. Erst wurde das Blatt mit erdigen Farben grundiert, dann die Farbe mit Zellstoff wieder weggewischt und schließlich mit feinsten Pinseln Konturen ins Bild gesetzt.

Nach anfänglichem Experimentieren, zum Beispiel auch mit Tuschezeichnungen, dann ganz "normalen" Aquarellen, mit Arbeiten, die an Paul Klee erinnern, fand Morcinek zu einer mehr oder weniger kubistischen Malweise. Seine Stilleben, vor allem mit Küchenmotiven, seine Landschaften mit lichten Wolken, seine zahmen und wilden Tiere bezeichnete Nora Matocza als sehr dicht und prall, sehr meditativ, "alles ist mit der gleichen nie nachlassenden Innigkeit und Intensität gemalt".

Ganz anders sein großes Thema "Menschen und andere "Gestalten", bei denen es sich immer um Existenzen am Rande oder auch jenseits der Grenze einer normalen Welt handelt. Gaukler, Clowns, düstere Masken, Hexen, der Tod - "was für ein riesiger Phantasie-Raum in seinem Inneren hat sich da aufgetan!" staunt Matocza über diese Schaffensperiode. Die christlichen Motive seien am Ende seines Leidens dazugekommen, dem er mit nur 62 Jahren erlag.

Dr. Morcinek, hat lange als Arzt am St.-Anna-Krankenhaus gearbeitet. Seine Witwe, Dr. Roswitha Morcinek, wird den Erlös aus dem Verkauf dem Förderverein des Krankenhauses zur Verfügung stellen.

Zeichen des Menschen

Die von ihr nach Sulzbach-Rosenberg eingeladene "internationale Frau" Kristina Jurick ist Dozentin für Malerei an verschiedenen Schulen, gibt Workshops im In- und Ausland und hat verschiedene Preise und Auszeichnungen gewonnen. Ihre Liebe gilt dem Malen der Natur, der Landschaft und des Wassers, "aber nur", so Matocza, "wenn ein Zeichen des Menschen darin zu finden ist". In den Aquarellen Juricks ist der "Indian Summer" in Kanada festgehalten, zeigen sich verschleierte Frauen in Marokko, Boote am Gardasee, Orchideen und Sonnenblumen aber auch immer wieder fränkische Idylle.

Gekonnt, locker, leicht

Nora Matocza rühmt die Leidenschaft der Malerin für Licht und Schatten. "Dem spürt sie nach und die Wiedergabe beherrscht sie perfekt". Sie könne alles, wird der Leinburger Malerin bescheinigt: Farbkomposition, Perspektive, Darstellung der Menschen, "gekonnt und locker-leicht umgesetzt".

Beim Rundgang durch die Ausstellung prüften die Besucher den Ausspruch "Das Aquarell ist Anfang und Krone aller Maltechnik". Dass diese Kunst auch durch den Verkauf von Bildern honoriert würde, wünschen sich die Aussteller: Roswitha Morcinek für die Unterstützung des Krankenhauses und Kristina Jurick für die sogenannte "brotlose Kunst".
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