"Kuchen gilt nicht mehr"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
31.07.2015
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Um allzu heftige Liebesspiele zu beenden, war das Codewort "Kuchen" vereinbart. Als es ertönte, antwortete ein 33-Jähriger seiner Partnerin: "Kuchen gilt nicht mehr" - und machte ungezügelt weiter. Das brachte ihn vor das Schöffengericht.

Die Beziehung der beiden jungen Leute gestaltete sich, wie im Sitzungssaal zu vernehmen war, "sehr offen". Man trennte sich öfter mal, fand auch wieder zusammen. Irgendwann im Frühjahr 2013 war für die heute 31-jährige Frau endgültig Schluss. Sie kam aus ihrer fränkischen Heimat herüber in den nordwestlichen Kreis Amberg-Sulzbach, um in der Wohnung des Freundes ihre Sachen abzuholen.

"Sie ist ausgerastet"

Von dem, was sich in den Räumen ereignete, gab es zunächst zwei grundverschiedene Versionen. Die Mutter mehrerer Kinder erzählte dem Schöffengerichtsvorsitzenden: "Er hat mich aufs Sofa geworfen und gegen meinen Willen sexuelle Handlungen vorgenommen." Das verwies der Angeklagte in den Bereich der Fabel. "Es hat Streit gegeben, sie ist ausgerastet und ich habe sie an den Händen festgehalten." Warum? "Sie sollte sich beruhigen."

Sex gerne etwas härter

Im Verlauf mehrerer Verhandlungsstunden ergaben sich Umstände, die im Regelfall nicht zu einer Beziehung zwischen Mann und Frau gehören. Das Paar bevorzugte bei intimen Zweisamkeiten "härtere Praktiken". Wie das dann vonstatten ging, wollte Richter Sand nicht näher wissen. Doch er hörte, dass zwischen beiden "ein Codewort ausgemacht war". Es lautete "Kuchen" und sollte laut gerufen werden, wenn es entweder ihr oder ihm zu heftig wurde.

"Kuchen" kam eigentlich nie zur Anwendung. Bis zu jenem Abend der endgültigen Trennung. "Ich habe Kuchen gerufen, als er über mich herfiel", erzählte die 31-Jährige dem Richter. "Und dann?", fragte Markus Sand. Während seiner Sex-Attacke habe ihr Partner auf diesen eindringlichen Warnruf ignorant erwidert: "Kuchen gilt nicht mehr!"

Die Frau aus Franken verließ nach dem Übergriff die Wohnung und fuhr heim. Seltsam: In den folgenden zwei Wochen schrieben sich die beiden laufend im Internet. Ausdrucke davon lagen der Justiz vor. Sinngemäß bedauerte der 33-Jährige beim Chat seine Vorgehensweise: "Ich weiß, was ich getan habe." Doch jetzt im Prozess blieb er zunächst dabei: "Da war nichts."

Der von Sozialhilfe lebende Mann bekam Zeit, seine Angaben zu überdenken. Richter Sand und Staatsanwältin Michaela Frauendorfer führten ihm vor Augen: "Auf so etwas stehen Haftstrafen ohne Bewährung."

Was folgte, war ein Geständnis. Der 33-Jährige gab die Attacke zu und sagte: "Ich entschuldige mich." Allerdings blieb er bei seiner Ansicht, es habe sich bei den Vorgängen um Teile einer Liebesspiel-Praktik gehandelt. Tatsache war: Im Verlauf der Beziehung hatte die Frau ihrem Partner einmal geraten, Streitsituationen unter dem Motto "Aus Frust mach' Lust" zu beenden.

Nach dem Geständnis ("Es kam recht spät") verlangte Staatsanwältin Frauendorfer zwei Jahre Haft zur Bewährung. "18 Monate reichen auch aus", sagte Verteidiger Jürgen Mühl in seinem Plädoyer. Das Schöffengericht folgte dem Antrag der Anklagevertreterin. Beim Urteil spielte unzweifelhaft eine Rolle, dass die 31-Jährige ganz zum Schluss des Verfahrens hervorgehoben hatte: "Ich will nicht, dass er ins Gefängnis kommt."

Schlag aufs Gesäß teuer

Die Frau, unterdessen in einer neuen Beziehung lebend, erhält 1000 Euro Schmerzensgeld in monatlichen 50-Euro-Raten. Letztlich wohl auch dafür, dass ihr in der fraglichen Nacht beim Abgang aus der Wohnung ein schmerzhafter Schlag aufs Gesäß versetzt worden war.
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