"Kuchen" im Schlafzimmer

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.04.2015
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Kuchen kennt jeder. Wenn dieser Begriff allerdings von einem Liebespaar als Codewort verwendet wird, kann sich daraus eine höchst ungewöhnliche Geschichte entwickeln. Sie wurde jetzt vor dem Amberger Amtsgericht in Einzelheiten erörtert.

Sie zankten und trennten sich, fanden dann auch wieder zueinander. Was bei den Treffen der Frau aus Franken und des Mannes aus einem Ort im nordwestlichen Landkreis stattfand, war der Austausch von Intimitäten, die eher abseits von dem lagen, was gemeinhin in Schlafzimmern geschieht.

Codewort als "Bremse"

Um nun, so erfuhr das Amberger Schöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung, bei allzu heftigen Aktivitäten dem Liebestreiben Einhalt zu gebieten, war zwischen beiden ein Codewort ausgemacht worden. Es lautete: "Kuchen". Wenn dieser Ruf ertönte, so hatte das Paar vereinbart, müsse die partnerschaftliche Zweisamkeit unverzüglich eingestellt werden. Die Richter vernahmen es mit Erstaunen und befassten sich dann mit einem Fall, bei dem das begriffsentfremdete Wort "Kuchen" zur Anwendung gekommen sein soll.

Angeklagter bestreitet Tat

Auf der Anklagebank saß neben Verteidiger Jürgen Mühl der Mann aus dem sich heute keines Blickes mehr würdigenden Duo. Ihm warf Staatsanwalt Stefan Schneider einen als Verbrechenstatbestand zu wertenden sexuellen Übergriff und gleichzeitig Freiheitsberaubung vor. Geschehen an einem Septembertag des vorvergangenen Jahres und von dem Beschuldigten heftig bestritten.

Der 33-Jährige berichtete: Man habe sich auf der Fahrt zu seiner Wohnung im Auto zunächst verbal angefeindet. Das nahmen die Richter zur Kenntnis und erfuhren weiter: In den Räumlichkeiten habe er seine zürnende Partnerin zwar an den Händen festgehalten, um sie zu besänftigen. Weiter aber sei nichts passiert. Ob denn da das Codewort "Kuchen" ertönte, wollte Richter Jung wissen. Nein, unterstrich der Beschuldigte. Denn dazu habe es keinen Anlass gegeben. Also nichts geschehen außer einer womöglich kurzzeitigen Freiheitsberaubung?

Im Sitzungssaal erschien sodann die angeblich in der Wohnung gegen ihren Willen festgehaltene und mutmaßlich sexuell missbrauchte Frau. Die 32-Jährige, Mutter zweier Kinder, räumte zwar eine längere Beziehung zu dem Mann ein, berichtete dann aber fast eine Stunde lang, was ihr ("Ich wollte nur meine Sachen holen") in den Räumen fast schon alptraumhaft widerfuhr. Denn ganz gewiss habe sie die sofortige Trennung beabsichtigt.

"Ich wollte das nicht"

Die Beschreibung jenes Septembernachmittages nahm sich dramatisch aus. Erst rüde auf ein Bett geworfen, dann festgehalten, im Wohnzimmer aufs Sofa gestoßen und in übler Weise betastet und begrapscht. "Ich wollte das nicht", versicherte die Frau und erzählte weiter, dass sie deshalb das vereinbarte Codewort "Kuchen" von sich gegeben habe. Laut und vernehmlich. Und was geschah dann? "Er hat gesagt", hörten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger, "Kuchen gilt nicht mehr." Die 32-Jährige entkam nach ihrer Darstellung der unliebsamen Attacke. Sie zog ihre angeblich zuvor vom Angeklagten entfernte Hose samt Unterkleidung an und lief aus der Wohnung.

Fünf Minuten später kehrte sie zurück, klingelte und verlangte nach ihrer Sonnenbrille. Warum? "Es war der letzte Gegenstand, der sich noch aus meinem Besitz bei ihm befand."

Polizei spät verständigt

Erst zehn Tage später wurde die Polizei zu dem Vorgang "Codewort Kuchen" verständigt. Sie ermittelte, schrieb eine Anzeige und sorgte so dafür, dass die Angelegenheit bei der Justiz landete.

Bis zum Urteil wird man sich allerdings gedulden müssen. Denn Richter Jung befand: "Wir werden weitere Zeugen hören müssen." Bis sie ausfindig gemacht und geladen worden sind, wurde der "Kuchen"-Prozess ausgesetzt. Fest aber steht jetzt schon: Das einst traute Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Ex-Partnerin ist dauerhaft gestört.
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