Langweilig? Dieses Mal nicht

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.12.2015
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Der per Amberger Zeitung angekündigte Anruf eines erbosten Reinhard Hoffmann scheint weder Landrat Richard Reisinger noch Kreiskämmerer Anton Weber die gute vorweihnachtliche Laune verdorben zu haben. Sie waren auch nicht selbst am Apparat, hörte man nach der Kreistagssitzung.

Hoffmann ist Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbau-GmbH für den Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Die sah sich vergangene Woche durch eine Aussage im Amberg-Sulzbacher Kreisausschuss ungerechtfertigt ins Zwielicht gerückt.

Beim "Bericht über die Beteiligung des Landkreises an Unternehmen in Privatrechtsform" - bisher immer der langweiligste Tagesordnungspunkt, wie Reisinger am Montag im Kreistag anmerkte - hatte Kreisrat Karl-Heinz Herbst den Sitzungsunterlagen entnommen, dass bei der Wohnungsbau-GmbH laut Prüfungsbericht "eine Zuführung von Eigenkapital zu überdenken" sei. Wie der Landkreis in diesem Fall verfahren werde?

Landrat und Kämmerer hatten die Sache nicht so hoch hängen wollen. Falls es tatsächlich so weit komme, sagte Reisinger, würde von der nachzuschießenden Summe wohl lediglich eine Quote von gut 15 Prozent - so hoch ist der Anteil des Landkreises am Stammkapital der Gesellschaft - auf Amberg-Sulzbach zukommen. Da sehe er "kein finanzielles Damoklesschwert".

Inhaltlich wich Reisinger davon am Montag nicht ab. Der Punkt wurde allerdings recht kurz abgehandelt. Der Landrat kündigte jedoch an, im nichtöffentlichen Teil noch etwas dazu zu sagen.

"Immer nur Absagen"

Im öffentlichen Teil meinte er lediglich schmunzelnd, wer eine Wortmeldung im Sinn habe, solle auch bedenken, was daraus entstehen könne. Karl-Heinz Herbst hatte das offensichtlich getan. Er regte an, dass der Landkreis in Zukunft immer an der Gesellschafterversammlung der Wohnungsbau-GmbH teilnehmen solle, "um die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu festigen". Damit reagierte er auf Hoffmanns Vorwurf, dass der Landkreis Amberg-Sulzbach die Einladungen zu Aufsichtsratssitzungen immer nur mir Absagen quittiere.

"Die Verwaltung fährt in der Regel hin", erwiderte der Landrat auf den Vorschlag von Herbst. Beim nächsten Mal werde nach Möglichkeit der Kämmerer selbst die Sitzung besuchen. Anton Weber bestätigte aber auf Reisingers Nachfrage noch einmal, dass - im Gegensatz zu den anderen Unternehmen, an denen man beteiligt ist - der Abschlussbericht der NEW-Wohnungsbau-GmbH für das Jahr 2014 trotz zweimaliger schriftlicher Anforderung noch nicht eingetroffen sei.

Angaben zum Jahr 2013

Deshalb hatte man in den Sitzungsunterlagen für Kreisausschuss und Kreistag noch einmal einen Auszug aus dem Beteiligungsbericht 2013 aufgenommen. Der enthielt dann die Information, dass die Verbindlichkeiten der GmbH gegenüber Kreditinstituten zum Ende des Jahres 2013 gut 3,1 Millionen Euro betrugen. Wörtlich hieß es weiter: "Die Finanzlage der Gesellschaft ist angespannt. Die Zahlungsfähigkeit war im Berichtsjahr nur durch die temporäre Inanspruchnahme von zwei Kontokorrrentkrediten gegeben. Die ausschließliche Fremdfinanzierung der derzeit laufenden und der bis 2016 geplanten energetischen Modernisierungsmaßnahmen wird die Eigenmittelquote der Gesellschaft weiter erheblich schmälern."

Im Kreisausschuss hatte Reisinger darin keinen Grund für Alarmismus sehen wollen. So etwas könne vorkommen, wenn plötzlich überplanmäßiger Sanierungsbedarf auftrete.
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