Laut Forstamt in 13 Hegegemeinschaften Bäume durch starken Verbiss in Gefahr
Jäger sollen mehr Wild schießen

Der sogenannte Leittriebverbiss beim Ahorn gefällt Forstdirektor Richard Schecklmann nicht. Er verursache Zwieselbildung und höheren Pflegeaufwand. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.11.2015
6
0
Fast die Hälfte der Landkreisfläche wird von Wäldern bedeckt. In der Zusammensetzung dominieren meistens Kiefern und Fichten, nur im Jura tritt die Buche stärker auf. Der fortschreitende Klimawandel macht aber vor allem den Nadelhölzern zu schaffen, teilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg mit. Bei der Waldverjüngung sollte deshalb nach seinem Rat ein ausreichender Anteil standortgemäßer Laubbäume möglichst über die natürliche Verjüngung berücksichtigt werden. Über das Gelingen und den Zustand dieser Maßnahme geben die neu erstellten Gutachten der Behörde Auskunft.

580 Flächen kontrolliert

Auf 580 Waldflächen haben die Förster des Amtes an der Waldverjüngung die Art und Anzahl der Jungbäume und den Wildverbiss festgestellt. Anhand dieser Erhebungen wurde jetzt für jede der 16 Hegegemeinschaften im Landkreis bewertet, in welchem Umfang sich die vorkommenden Baumarten verjüngen und weiter entwickeln können.

Nach Feststellung von Forstdirektor Richard Schecklmann verändert sich die Zusammensetzung der Baumarten auf den Verjüngungsflächen grundsätzlich zu klimatoleranten Mischbeständen mit einem höheren Laubholzanteil hin. Besonders erfreulich ist nach seinen Worten die seit 25 Jahren anhaltende Zunahme der Buche und umgekehrt der Rückgang der besonders risikobehafteten Fichte. Wenn auch nur sehr langsam und auf niedrigem Niveau, nehme selbst das Edellaubholz zu.

Sorgen bereitet dem Forstdirektor dagegen die Eiche, deren Anteil schon über 15 Jahre zurückgeht. Ein weiterer Wermutstropfen ist für ihn, dass der Verbiss am jungen Wildaufwuchs gegenüber der letzten Aufnahme im Landkreis allgemein wieder zugenommen hat. An den Nadelhölzern wie auch an Buchen und Edellaubhölzern habe er sich nur gering erhöht, so dass diese Baumarten in den meisten Hegegemeinschaften noch gut aufwachsen könnten.

Allerdings verursacht der Verbiss beim Edellaubholz stellenweise zu starke Qualitätseinbußen durch Zwieselbildung, informierte Schecklmann, "deutlich ist der Verbiss an den heimischen Laubholzpionieren wie Vogelbeere, Aspe, Weide und Birke, besonders markant aber an der Eiche angestiegen". Der selektiv stärkere Verbiss in Verbindung mit geringerer Pflanzenzahl reduziere die Überlebenschancen der Eiche erheblich. Insgesamt werde diese Belastung in fünf Hegegemeinschaften als tragbar, in den übrigen dagegen als zu hoch angesehen.

188 Reviere begutachtet

Eine genauere Begutachtung gab es zudem für 188 Jagdreviere. In den dafür erstellten Reviergutachten konnte in 61 Fällen Entwarnung erteilt werden, so Schecklmann, in den anderen Revieren bestehe Handlungsbedarf bei der Wildstandsregulierung. Nach seiner Meinung müssten sich hier "die Jäger stärker anstrengen, um den negativen Trend beim Verbiss wieder umzudrehen". Der Forstdirektor empfiehlt daher für 13 Hegegemeinschaften, den Abschuss zu erhöhen. Natürlich müssten auch die Waldbesitzer ihren Teil beitragen und den Sämlingen genügend Licht zum Keimen und Wachsen geben.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.