Lebendiges Handwerks-Denkmal

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.09.2015
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Den meisten Menschen fallen zum Thema zuerst nur Burgruinen oder barocke Kirchen ein. Der Tag des offenen Denkmals zum Thema "Handwerk, Technik, Industrie" zeigte aber, dass es auch da Denkmäler gibt, wo man sie im ersten Moment vielleicht nicht erwartet.

Das Pflasterzollhaus am ehemaligen Hagtor ist so ein verborgenes Denkmal. Bis 1931 wurde hier der Pflasterzoll erhoben für Vieh, das in oder durch die Stadt getrieben wurde, und auch für einen beladenen Schubkarren. Der Zolleinnehmer wurde für sein Amt entlohnt, aber die Einnahmen reichten nicht.

Deshalb brauchte er einen weiteren Beruf. Der letzte Zolleinnehmer war im Nebenerwerb Schuster. Vom Högner-Schuster hat sich im Pflasterzollhaus die Werkstatt erhalten, wo er bis 1934 Schuhe herstellte und reparierte.

Schuhe früher und heute

Schuhmachermeister Michael Prem erklärte anhand der historischen Werkzeuge und einer bunten Auswahl an Fußbekleidung, wie Schuhe früher hergestellt wurden und wie man es heute macht. In einer modernen Fabrik dauert es acht Minuten, bis ein Schuh vollautomatisch hergestellt und die Sohle angeklebt ist.

Das ist billig, aber diese Schuhe sind nicht sehr haltbar und können kaum repariert werden. Früher kostete ein Schuh etwa 18 Stunden Arbeit, erläuterte Prem. Er zeigte die Leisten, Schablonen für das Leder, die Brandsohle und verschiedene Techniken mit Holz- und Stahlnägeln, um die Laufsohle sicher zu befestigen. Maria Prem arbeitete währenddessen an einem Schuh nach mittelalterlichem Vorbild. Damals wurde das Oberleder um eine Sohle genäht und der Schuh anschließend umgedreht, also das Innere nach außen gestülpt. Stich für Stich bohrte sie Löcher mit der Ahle und arbeitete sich langsam um die Ferse herum.

Mühsame Sache

Die vielen Besucher im Pflasterzollhaus sahen, wie mühsam und anstrengend die Schuhmacherei ist. Michael Prem unterhielt die Besucher immer wieder mit gereimten Anekdoten.

Ein weiteres Handwerk stellte Maria Faltenbacher vor: Das Stiberfähnlein hat seit mehreren Jahren an einem Stickband mit Motiven aus 1000 Jahren gearbeitet. Jetzt ist es fertig. Die Denkmalfreunde konnten es aus der Nähe betrachten und die Feinheit der Stiche bewundern, bevor es gerahmt und aufgehängt wird.

Der Eisenerzabbau hat die Stadt einst reich gemacht, aber 1972 wurde das letzte Bergwerk geschlossen. Zur Erinnerung an diesen Wirtschaftszweig, der die Stadt bis heute prägt, richteten der Bergknappenverein und das Stiberfähnlein 1974 im ehemaligen Luftschutzkeller der Villa Max einen Schaustollen ein, der die Geschichte des Bergbaus und die harte Arbeit unter Tage sehr anschaulich darstellt.

Gesichert ist der Stollen wie seine echten Vorbilder mit einem Holzausbau "Deutscher Türstock". Diese Methode ist dadurch charakterisiert, dass die Stempel, die die Last tragen, schräg stehen und dadurch den Druck von oben und der Seite nach unten ableiten. Josef Rieder, ein erfahrener Bergmann im Ruhestand, führte große Gruppen von Interessierten durch den Stollen. Er erläuterte die Bergbaugeschichte und -technik seit dem Mittelalter. Mit originalen Werkzeugen, aussagekräftigen Fotos und vor allem seinem profunden Wissen ließ er den Bergbau lebendig werden.

Zur Sonderausstellung

Auch das Stadtmuseum hatte seine Pforten geöffnet und lud in die Dauerausstellung ein, wo historische Handwerke wie die Schmiede und die Gerberei dargestellt sind. Führungen durch die aktuelle Sonderausstellung "Frauenleben im Mittelalter" zeigten die bedeutende Rolle von Frauen, die in den Städten selbstständig Unternehmen führten.
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