Leise rieselt der See

Die Quellenfreilegungen haben auch das Ziel, Lebensräume für Kleingetier wie diesen Krebs zu schaffen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.11.2014
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Um Quellen ranken sich oft Sagen, die Fragen des Ursprungs in griffige Geschichten packen. Eher pragmatisch geht das Wasserwirtschaftsamt entlang der "unteren" Vils damit um, legt gezielt solche Stellen frei und gestaltet sie naturnah.

(zm) Mit den Berühmtheiten ihrer Zunft können sie natürlich bei Weitem nicht mithalten. Dem Blautopf etwa. Im Vergleich dazu macht der Rammertsbrunn bei Ensdorf nicht viel her. Seit diese Karstquelle aber vom Wasserwirtschaftsamt freigelegt und naturnah aufgehübscht wurde, kann sie sich für hiesige Verhältnisse schon sehen lassen. So wie sie jetzt dasteht, ist sie auch ein markanter Bestandteil des Naturparks Hirschwald geworden. "Im Sommer spielen hier immer wieder Kinder. Dagegen haben wir überhaupt nichts", erzählt Peter Fröhlich.

Ins Blickfeld gerückt

Er ist im Weidener Wasserwirtschaftsamt für Gewässerentwicklung und Wasserbau im Landkreis zuständig. Da kommt er an der Vils natürlich nicht vorbei. Vor ein paar Jahren haben er und der zuständige Abteilungsleiter Dr. Hans Weiß neben ihrer üblichen Arbeit ein ausgeprägtes Interesse für Quellen entlang des Flusslaufs - zum Teil auch mitten im Flussbett - entwickelt. Zug um Zug wurden seither einige freigelegt und hergerichtet. Auf einer Fahrt entlang der Vils zeigten sie zusammen mit dem Leiter der Flussmeisterstelle Kümmersbruck, Hans Pickelmann, was mit relativ wenig Aufwand geschaffen werden kann.

Knapp über 100 Quellen sind der Behörde entlang der Vils ab Amberg flussabwärts bekannt. Die meisten stellen eher unbedeutende Rinnsale dar. Auf markantere hingegen haben die Wasserwirtschaftler ein beobachtendes Auge geworfen, um einige von ihnen haben sie sich intensiver gekümmert. Dieser Tage liefen noch Arbeiten am Westufer der Vils südlich von Kümmersbruck. Dort legte ein Bagger einen durch den schlammigen Boden drückenden Zufluss frei, um danach als eine Art Filter- und Schutzschicht voluminöse Kalksandstein-Brocken darüber zu verteilen. So entsteht parallel zur Fließrichtung ein kurzer "Nebenarm", über den das frische Quellwasser möglichst unvermischt und wenig beeinträchtigt von schlammigen Schwebestoffen das Flusswasser aufbessern kann.

Der Karst macht's

Die "untere" Vils südlich von Amberg ist von ihrer karstigen Umgebung geprägt, erzählt Fröhlich. Deshalb gebe es relativ viele Quellen, die von den Hängen an den Talrändern seitlich zum Flusslauf hin drängen. Das sei typisch für diese Geologie. Deshalb liege nahe, im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU diese Besonderheit zu betonen. Konkrete Maßnahmen zum Wasserschutz und der -qualitätsverbesserung seien zwar anfangs etwas zögerlich angelaufen, jetzt könnten mit einigen freigelegten und naturnah umgestalteten Quellen aber mehrere greifbare Ergebnisse präsentiert werden.

Appell an Gemeinden

Tätig werden, so Weiß, hätten sie aber nur auf eigenen Flächen werden können. Im unmittelbaren Uferbereich stelle das oft kein Problem dar, weil hier das Wasserwirtschaftsamt häufig Eigentümer von entsprechenden Grundstücksstreifen ist. Nicht eingreifen könne sein Haus natürlich, wenn es sich um Privatgrund handle. In Weiß' Sinne, erklärt er, wäre deshalb durchaus, wenn auch Gemeinden vermehrt Uferstreifen erwerben würden. Sollten sie sich danach zu naturnahen Umbaumaßnahmen entschließen, könnten Fördertöpfe angezapft werden, unterstreicht der Abteilungsleiter.

Die in den vergangenen Jahren vom Wasserwirtschaftsamt umgesetzten Quellen-Freilegungen wurden aus Mitteln des Gewässerunterhalts bestritten. Die einzelnen Posten seien meist nicht allzu üppig, erklärt Fröhlich, dass immer mal wieder auch kleine Maßnahmen möglich waren. Sie sind oft recht unscheinbar und nur Ortskundigen bekannt. Liegt die Quelle etwas abseits des Ufers, wird eine mehr oder minder große Vertiefung am Austritt geschaffen und per eines einem Rinnsal ähnlichen Grabens zum Flusslauf geführt.

Das aus dem Karst kommende Wasser ist durchgebend zwischen sechs und neun Grad Celsius kalt, nährstoffarm und sehr klar. Deshalb trägt es durchaus auch zur Auffrischung des Flusses bei und schafft Lebensräume für spezielle Mikroorganismen, Kleingetier und Moose und Wasserpflanzen. Das mag aber nicht darüber hinwegtäuschen, bestätigt Fröhlich, dass solches Quellwasser Gefahr läuft, bei einer nur kurzen Verweildauer im Gestein schadstoffbelastet zu sein, wenn es beispielsweise eine intensive landwirtschaftliche Nutzung im näheren und weitern Umfeld gibt.

Welch ein Zufall

Das Wasserwirtschaftsamt hat die Quellenfreilegungen auch genutzt, einige Uferstreifen gezielt aufzuforsten. "Natürlich läuft da fast gar nichts", musste als Erfahrung im Zuge eines grassierenden Erlensterbens und von Biberschäden festgestellt werden. Und dann gibt es noch eine eher verwunderliche Beobachtung in neu geschaffenen Quelltümpeln - die eine oder andere Forelle. Wie die da hineinkommen, dafür gibt es keine vernünftige Erklärung. Aber offenbar umso mehr teichwirtschaftliche Zufälle, scherzt Fröhlich.
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