Lotto oder Gewerkschaft

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.12.2015
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"Niemand kann sich auf tariflichen Erfolgen ausruhen", mahnte die Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner bei der Jubilarehrung des Verdi-Ortsvereins im Gasthof Bartl. Mit einer Zeitreise erinnerte sie an die Eintrittsjahre der Jubilare.

Auch in den nächsten Jahren stehen die Gewerkschaften vor großen Herausforderungen, die nur mit Hilfe der Beschäftigten und der Jubilare zu bewältigen sein werden, betonte der stellvertretende Verdi-Bezirksvorsitzende Stefan Dietl.

Wille zur Veränderung

So versuche das Kapital mit Leiharbeit, Werksverträgen, prekärer Beschäftigung, Minijobs und anderen Arten von Lohndumping auf Kosten der Arbeitenden Profite zu steigern. Die einzige Kraft, die in der Lage sei, sich dieser Entwicklung national und international wirksam entgegen zu stellen, seien die Gewerkschaften.

Am Anfang einer Entscheidung, wie dem Eintritt in die Gewerkschaft, stehe der Wille, etwas zu verändern, schilderte Festrednerin Kathrin Birner. Ursache dafür könne Unzufriedenheit, Optimismus oder Neugierde sein. So gebe es Hunderttausende, die jede Woche Lotto spielen und von einem großen Gewinn träumen, der ihr Leben entscheidend verändern würde. Andere wiederum investierten in die persönliche Karriere, die aber auch keine Garantie für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen darstelle.

Für bessere Bedingungen

Daneben existiere die Möglichkeit, sich in den Gewerkschaften für bessere Bedingungen in Betrieb und Gesellschaft einzusetzen, wie es die Jubilare seit Jahrzehnten getan hätten. Dabei habe jeder feststellen können, dass, je mehr sie sich engagierten, desto größer die Chance war, Erfolge zu erlangen. Dies zeigten Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen in Branchen und Firmen, die gewerkschaftlich gut organisiert sind. Beschäftigte in Unternehmen mit niedrigem Organisationsgrad könnten davon nur träumen. Aber auch in diesen Bereichen hätten sich Arbeitnehmer vor Jahren entschlossen, in Gewerkschaften einzutreten, um Verhältnisse zu verändern. Die Geschichte der Gewerkschaften sei geprägt von Siegen und Niederlagen. Auf erzielten Erfolgen aber dürfe man sich nicht ausruhen. Davon zeuge die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollten sich darauf einstellen, dass in der anstehenden Tarifrunde bei Bund und Kommunen eine Betriebsrente verteidigt werden müsse, deren tarifliche Grundlage manchen gar nicht bewusst sei. Aber auch in der Medienbranche, dem Gesundheitsbereich und der Telekommunikation müssten Tarifverträge immer wieder verteidigt werden.

Die Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zeige auf, dass viele Probleme auf nationaler Ebene nicht gelöst werden können, sondern internationale Zusammenarbeit erforderlich sei. Dazu gehöre, dass wir für Flüchtlinge nicht nur Türen, sondern auch die Herzen öffneten und ihnen die gewerkschaftliche Unterstützung zusicherten. So konnten deutsche Gewerkschafter etwa die Nazi-Zeit nur überleben, weil sie in andere Länder geflohen sind. "Die Gewerkschaften stehen vor neuen großen Herausforderungen, die nur gelöst werden können, wenn Jung und Alt solidarisch zusammenwirken", so das Resümee der Rednerin.
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