Märchen voller Überraschungen

Drei Schauspieler, drei Barhocker und drei Märchenbücher reichten, um "Oschnputtl" lebendig werden zu sassen. Von links: Tom Bauer, Eva Petzenhauser und Sebastian Hagengruber. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.01.2015
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"Es war einmal ..." So fangen (fast) alle Märchen an. Manche gehen aber ganz anders weiter, als man es erwartet. "Oschnputtl", zum Beispiel bot den Zuschauern im ausverkauften Seidelsaal viele Überraschungen und jede Menge Spaß.

Als Kulisse diente weder ein Königsschloss, noch eine rußige Küche. Es gab keine prächtigen Kleider, keine Kutsche, die von vier schneeweißen Pferden gezogen wird. Drei Schauspieler mit drei Barhockern und drei dicken Märchenbüchern, dazu ein Klavier - das reichte, um die aufregende Geschichte um das liebliche Oschnputtl lebendig werden zu lassen.

Plinkern und giggeln

Möglich war das nur, weil Autor und Regisseur Tom Bauer als Erzähler durch die Geschichte führte und auf den Tasten des Klaviers die Lieder begleitete. Sebastian Hagengruber übernahm alle Männerrollen und spielte auch mit fieser Sopranstimme die böse Stiefschwester Elvira. Alle übrigen Frauenrollen sprach, spielte und sang Eva Petzenhauser. Sie überzeugte als tatkräftiges, liebenswürdiges Oschnputtl, amüsierte als herrlich ordinäre Stiefschwester Vanessa, begeisterte als arrogant-bösartige Stiefmutter und rief als hinreißend dämliches Lehrmädchen von Täubchen & Täubchen Co KG Begeisterungsstürme hervor.

Petzenhauser plinkerte, giggelte, juchzte, bohrte in der Nase und schaute nach Bedarf so dumm aus der Wäsche, als könne sie nicht bis drei zählen. Allein ihre Mimik war zum Brüllen komisch. Für jede Rolle hatte sie aber auch noch eine andere Stimme und einen anderen Dialekt parat. Es war einfach prächtig.

Hagengruber kam als gutmütiger Erbsenhändler Quirin Puttl sehr sympathisch rüber und lief in der Rolle des Prinzen zur Höchstform auf. Noch nie zuvor wurde das Leben eines Prinzen so illusionslos dargestellt. Wer weiß schon, wie langweilig es ist, jeden Tag von 10 bis 11 Uhr und von 15 bis 16 Uhr auf dem Balkon zu stehen und zu winken. Spritzige Dialoge mit hemmungslosen Reimen, viele poetische Momente und kleine Seitenhiebe auf die Wirklichkeit machten das Erbsenkabarett zu einem prächtigen Vergnügen.

Natürlich kriegt Oschnputtl schließlich ihren Prinzen, obwohl die Stiefschwestern alle möglichen bösen Tricks versuchen, um das zu verhindern. Aber während es bei den Gebrüdern Grimm schließlich nur heißt "Sie lebten glücklich und in Freuden. Und wenn sie nicht gestorben sind ..." erfuhr das Publikum jetzt sogar noch, wie es weitergeht. Das Lehrmädchen schaffte die Abschlussprüfung und bekam eine Stelle in Quirin Puttls Erbsenhandlung. Die Stiefmutter flog raus und musste sich als böse Hexe im Musical verdingen und ihre Töchter fingen eine Ausbildung bei Täubchen & Täubchen an. Oschnputtl und ihr Prinz winkten nun immer gemeinsam und gaben jeden Samstag einen Ball.

Das Publikum applaudierte stürmisch. Bauer, Petzenhauser und Hagengruber sangen und spielten noch ein letztes Lied "Auch du kannst Teil vom Märchen sein", und die Zuschauer sangen und schnipsten fröhlich mit. So viele wollten Oschnputtl und die Erbsen mit nach Hause nehmen, dass die DVDs, die das Ensemble mitgebracht hatte, schnell restlos ausverkauft waren.

Demnächst Zugabe

"Oschnputtl - das Erbsenkabarett" ist die Fassung für die kleine Bühne. Auch die Vollversion des Musicals mit märchenhaften Kostümen, neun Akteuren und einer fünfköpfigen Band kann man bald erleben: Tom Bauer und sein Team kommen am Samstag, 28. Februar, um 20 Uhr nach Kemnath (Kreis Tirschenreuth) zu einem Auftritt anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Initiative "Hilfe für Anja e.V.". Karten gibt es bei www.nt-ticket.de.
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